Deutschland

"Rücksichtslos und gefährlich": Ermittlungen nach Protestaktion vor EM-Spiel

Ein Greenpeace-Aktivist musste kurz vor Anpfiff des EM-Spiels zwischen Deutschland und Frankreich mit einem Motorschirm mitten im Stadion notlanden. Zwei Menschen wurden dabei verletzt. Es hagelt Kritik von allen Seiten – und nun wohl auch Konsequenzen.
"Rücksichtslos und gefährlich": Ermittlungen nach Protestaktion vor EM-SpielQuelle: Reuters © Alexander Hassenstein

Nach der missglückten Protestaktion vor dem EM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Frankreich ermittelt die Polizei wegen verschiedener Delikte nach dem Strafgesetzbuch – und dem Luftverkehrsgesetz. Das teilte das Polizeipräsidium München am Mittwoch mit. Ein 38 Jahre alter Mann aus Baden-Württemberg war am Vorabend kurz vor dem Anpfiff des Fußballspiels mit einem Motorschirm auf dem Platz in der Münchner EM-Arena gelandet und hatte im Landeanflug zwei Männer verletzt, die ins Krankenhaus kamen.

Der Pilot wurde festgenommen, sein Flieger sichergestellt. "Das Polizeipräsidium München betont, dass es keinerlei Verständnis für solche unverantwortlichen Aktionen gibt, bei denen eine erhebliche Gefährdung von Menschenleben in Kauf genommen wird", hieß es in der Mitteilung der Polizei. Auch von anderen Seiten hagelte es Kritik an der missglückten Aktion der Umweltorganisation Greenpeace, die als Protest gegen den Sponsor Volkswagen geplant war.

Der Aktivist der Umweltkampagnengruppe hatte einen Fallschirm mit dem Slogan "KICK OUT OIL! – Greenpeace" aufgedruckt. Bei der Aktion sollte ein Latexball abgeworfen werden, auf dem eine Protestbotschaft an den deutschen Autohersteller Volkswagen stand. Zwei Menschen sind mit Verletzungen im Gesicht ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte Konsequenzen an. "Das wird genau behandelt, das sind klare Verstöße", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. "Das ist kein Kavaliersdelikt."

Die Aktion hatte kurz vor dem Anpfiff des EM-Spiels zwischen Deutschland und Frankreich für einen Schockmoment bei den Zuschauern im Stadion und vor den Fernsehern gesorgt: Der Motorschirmflieger war über der Münchner Arena ins Taumeln geraten und Zuschauern gefährlich nahegekommen, bevor er unsanft auf dem Rasen landete.

Die Europäische Fußball-Union UEFA sprach von einer "rücksichtslosen und gefährlichen Aktion", die schwerwiegende Folgen für viele Menschen hätte haben können. Auch der Deutsche Fußball-Bund verurteilte den Protest.

Eigentlich hätte laut Greenpeace alles ganz anders ablaufen sollen. Die Umweltorganisation forderte bei Twitter von Volkswagen, keine klimaschädlichen Diesel- und Benzinautos mehr zu verkaufen. Dazu sollte der Pilot vor Spielbeginn einen großen gelben Ball in die Arena sinken lassen. Dabei geriet er in eine Stahlseilkonstruktion am Stadiondach und kam ins Trudeln, sodass er ins Stadion herabsank.

Ein Sprecher räumte noch während des laufenden Spiels ein, dass die Aktion missglückt sei – und entschuldigte sich. "Das tut uns wahnsinnig leid", sagte er der dpa. Auf dem Twitteraccount von Greenpeace hieß es: "Dieser Protest hatte nie die Absicht, das Spiel zu stören oder Menschen zu verletzen." Greenpeace-Aktionen seien immer friedlich und gewaltfrei.

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