Deutschland

STIKO empfiehlt keine Corona-Impfung für unter 12-Jährige – und steht deswegen weiter in der Kritik

Die Ständige Impfkommission hat sich festgelegt, dass Kinder unter 12 Jahren nur dann geimpft werden sollen, wenn diese an Vorerkrankungen leiden. Doch nicht nur STIKO-Chef Thomas Mertens steht dafür unter Rechtfertigungsdruck. Auch Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärzte, sieht sich Kritik ausgesetzt, weil er sich gegen das generelle Impfen von Kindern ausspricht.
STIKO empfiehlt keine Corona-Impfung für unter 12-Jährige – und steht deswegen weiter in der KritikQuelle: www.globallookpress.com © Frank Hoermann/SVEN SIMON via ww

Die Diskussion um das Impfen von Kindern gegen COVID-19 geht in die nächste Runde. So hat sich am Donnerstag die Ständige Impfkommission festgelegt, dass Kinder unter 12 Jahren nur dann geimpft werden sollen, wenn sie an Vorerkrankungen leiden. Dafür steht besonders Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärzte, unter Rechtfertigungsdruck, der der STIKO beipflichtet und in Sachen Corona bereits in der Vergangenheit andere Perspektiven einnahm.

Gassen steht unter Beschuss – und verteidigt sich

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte er: 

"Beim Impfen von Kindern deckt sich meine Meinung mit der Haltung der STIKO: Für Kinder, die ein individuelles Risiko haben, wird die Impfung empfohlen. Umgekehrt aber ist das Impfrisiko für gesunde Kinder und Jugendliche, auch wenn es sehr gering ist, wohl höher als das einer Corona-Infektion. Wenn mein Kind zwölf oder dreizehn und gesund wäre, würde ich es nicht impfen lassen."

Nicht nachvollziehbar sei für ihn die Forderung, dass für das Erreichen einer Herdenimmunität auch Kinder geimpft werden müssen. Das sei "maximal rücksichtslos". Kinder seien "ohnehin die Leidtragenden in dieser Pandemie, und jetzt muten wir ihnen auch noch zu, dass sie mit einer für sie individuell nicht eindeutig sinnvollen Impfung die Herdenimmunität absichern sollen." 

Gassens Kritik richtet sich vor allem an die Politik – insbesondere die Bundesregierung:

"Die Politik jedenfalls hat sich in der Diskussion für eine Richtung entschieden, für den Lockdown. Sie hatte dann aber nicht die Kraft, das zu diskutieren und im Verlauf zu hinterfragen. Und für eine politische Entscheidung mit solchen Kollateralschäden – wirtschaftlich, moralisch, psychologisch, grundrechtsmäßig – finde ich das ein großes Manko. Es gibt ja heute noch Spitzenpolitiker der Bundesregierung, die öffentlich behaupten, sie hätten alles richtig gemacht."

Mertens bleibt gelassen – und der Wissenschaft verpflichtet

Auch STIKO-Chef Thomas Mertens gerät immer wieder ins Visier von Medien und Politik. Auf die Frage in einem taz-Interview, die sich auf eine Aussage des SPD-Politikers Karl Lauterbach bezog, wonach ohne die breite Impfung der Kinder und Jugendlichen im Herbst eine Riesen-Infektionswelle bei den Kindern drohe, antwortete Mertens:

"Ach, wissen Sie, das ist das Leiden in dieser Zeit mit diesen ganzen Meinungsäußerungen. Politiker müssen halt offensichtlich so reden, aber man muss das wirklich sehr genau betrachten. Wenn das Krankheitsrisiko für die Kinder gering ist und es noch ungeimpfte Erwachsene gibt, dann müssen wir erst einmal die impfen, um weitere relevante Infektionswellen zu verhindern."

Er könne nicht verhindern, "dass die Politik sich über mich oder über die STIKO ärgert. Aber ich mache mir nicht die Mühe, mich über die Politik zu ärgern. Ich mache einfach meine Arbeit", sagte Mertens im weiteren Verlauf des Interviews. Von den Kritikern wolle er sich nicht beirren lassen, schließlich sei er Wissenschaftler geworden, "weil ich wissen wollte, wie die Dinge funktionieren, weil ich verstehen wollte". 

Nicht alle Ärzte halten sich an die Empfehlung der STIKO

Nicht alle Ärzte halten sich jedoch an die Vorgaben der STIKO. In der FAZ begründet der Kinderarzt Pedro Andreo Garcia aus Münster seine Entscheidung, Jugendliche zu impfen, folgendermaßen:

"Ich impfe alle Jugendlichen, die darum bitten. [...] Jugendliche leiden sehr stark und zunehmend stärker unter den bereits lange Zeit andauernden Restriktionen. Ich beobachte in meiner Praxis eine steigende Anzahl von Jugendlichen mit depressiven Verstimmungen und Rückzugstendenzen."

Offenbar schätzt er das Risiko der Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung für Kinder und Jugendliche höher als Gassen und Mertens ein:

"Tatsächlich erkranken Kleinkinder bis zu Beginn des Schulalters in der Regel mild, obwohl es da auch schwere Verlaufsformen gibt. Langzeitfolgen nach einer COVID-19-Infektion treffen immer häufiger größere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, auch nach oft nur milder oder moderater Infektion mit dem Coronavirus."

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