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CDU-Generalsekretär Ziemiak entrüstet über Emcke-Video auf Parteitag der Grünen

In einer Gastrede auf dem Grünen-Parteitag zog die Publizistin Carolin Emcke Parallelen zwischen der Judenverfolgung und der Kritik an Klimawissenschaftlern. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak spricht von einer "geschichtsvergessenen Entgleisung" – und steht dafür nun selbst in der Kritik.
CDU-Generalsekretär Ziemiak entrüstet über Emcke-Video auf Parteitag der GrünenQuelle: www.globallookpress.com © Jean MW via www.imago-images.de/www.imago-images.de

Eine Videobotschaft der Publizistin Carolin Emcke beim Grünen-Parteitag hat für Irritation bei CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak gesorgt. Für seinen auf Twitter geäußerten Vorwurf, Emcke sei eine "geschichtsvergessene Entgleisung" unterlaufen, wurde Ziemiak aber ebenfalls von mehreren Seiten kritisiert.

Carolin Emcke, die unter anderem mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, wandte sich mit einer Videobotschaft an den Parteitag der Grünen. Darin sagte sie (Rechtschreibung wie von Phoenix transkribiert):

"Die radikale Wissenschaftsfeindlichkeit, die zynische Ausbeutung sozialer Unsicherheit, die populistische Mobilisierung und die Bereitschaft zu Ressentiment und Gewalt werden bleiben. Es wird sicher wieder von Elite gesprochen werden. Und vermutlich werden es dann nicht die Juden und Kosmopoliten, nicht die Feminist:innen und Virolog:innen sein, vor denen gewarnt wird, sondern die Klimaforscher:innen." 

Emcke zeigte bei dem kritisierten Zitat im Video Gänsefüßchen, etwa vor der Formulierung "Eliten" oder "Juden und Kosmopoliten".

Ziemiak schrieb dazu am Samstag auf Twitter: "Das ist eine unglaubliche + geschichtsvergessene Entgleisung auf dem Parteitag der Grünen." Er erwarte von Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock dazu "absolute Klarheit". Beim Thema Antisemitismus dürfe es keinen Raum für Interpretation geben. 

Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner reagierte wiederum auf Ziemiaks Kritik – ebenfalls auf Twitter. "Dass Paul Ziemiak Carolin Emcke und den Antisemitismus-Vorwurf für ein billiges Wahlkampfmanöver instrumentalisiert, ist daneben. Dafür ist der Kampf gegen Antisemitismus zu wichtig und zu ernst. Ich erwarte eine Entschuldigung an Carolin Emcke, die in ihrer Haltung glasklar ist." Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz nannte Emcke "einen der integersten Menschen". "Ihre Stimme ist immer eine für die Achtung der Menschenwürde, gegen Rassismus und Antisemitismus!"

Aber nicht nur aus den Reihen der Grünen wurde Emcke für ihren fragwürdigen Vergleich in Schutz genommen. So erklärte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil in einem Tweet: "Ich kenne und schätze Carolin Emcke. Ihr Antisemitismus zu unterstellen ist wirklich schäbig." Die CDU solle mal ein bisschen runter kochen, riet er.

Es sei Zeit, "diese Debatte rasch zu beenden", da sie "zwischenzeitlich völlig unangemessene Züge" annehme, ließ der Zentralrat der Juden in Deutschland in einem Tweet verlauten.

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(rt/dpa)