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Nach Wahl in Sachsen-Anhalt: Wagenknecht nimmt sich AfD-Parteichef Chrupalla zur Brust

Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt fand die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht im TV deutliche Worte gegenüber dem AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla. Ausgerechnet Wagenknecht, der zuvor allzu oft vorgeworfen wurde, selbst "rechte Positionen" zu bedienen.
Nach Wahl in Sachsen-Anhalt: Wagenknecht nimmt sich AfD-Parteichef Chrupalla zur BrustQuelle: www.globallookpress.com

Was wurde der ehemaligen Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, nicht alles in den vergangenen Monaten vorgeworfen? Der wohl am vehementesten vorgetragene Vorwurf lautete, sie bediene "rechte" Positionen und stärke damit die AfD.

Umso erstaunlicher mutet es da an, dass nun ausgerechnet Wagenknecht nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sehr deutlich Worte gegenüber der AfD fand.

So geschehen in der Politik-Talkshow Anne Will am Sonntagabend. Dort stieß es Wagenknecht bitter auf, wie sich die AfD nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als "einzige Opposition" inszenieren wollte, indem der AfD-Parteivorsitzende Tino Chrupalla seine Partei als die "einzig wahrnehmbaren Oppositionspartei" gelobt hatte.

"Herr Chrupalla, wenn Sie sich hier als einzige Opposition inszenieren, dann muss ich ja wirklich mal sagen: Wer hat denn im Bundestag soziale Themen angesprochen? Doch nicht Ihre Partei!"

Die selbsternannte "Alternative für Deutschland" positioniere sich vielmehr regelmäßig dagegen, wenn es etwa um innenpolitische und soziale Themen wie den Mindestlohn, höhere Hartz IV-Sätze oder eine Mietpreisbremse geht.

"Sie tun hier so, als seien Sie hier die große Opposition. Also in sozialen Fragen sind sie der Totalausfall."

Einmal in Fahrt gekommen, nahm sich Wagenknecht auch ganz speziell die AfD in Sachsen-Anhalt zur Brust. Der Landesverband sei ein Paradebeispiel dafür, wie in "extremer Weise die Neonazi-Szene präsent" ist. So sei der AfD-Spitzenkandidat Oliver Kirchner Mitglied einer Facebook-Gruppe gewesen, in der man sich über eine Fotomontage mit dem Konterfei von Anne Frank auf einer Pizzaschachtel amüsiert habe. Unter dem Bild war der Kommentar "Die Ofenfrische" zu lesen gewesen.

Die von der eigenen Partei Die Linke mittlerweile weitgehend kaltgestellte Wagenknecht bezog sich damit auf einen im November 2017 bekannt gewordenen und wenig beachteten Skandal um die geschlossene Facebook-Gruppe "Die Patrioten", in der demzufolge neben NPD-Funktionären auch Dutzende von AfD-Abgeordneten Mitglieder waren, darunter auch Kirchner. Das kommentierte Wagenknecht gestern Abend noch einmal:

"Das finde ich so widerwärtig, das finde ich so ekelhaft. Und wenn Sie mit solchen Leuten antreten, dann können Sie sich nicht hierhersetzen und so tun, als seien Sie hier die große bürgerliche, konservative Opposition. Das sind Sie nicht!"

Die AfD distanziere sich ganz bewusst nicht von Leuten wie Kirchner und deren Gedankengut, setzt Wagenknecht nach. Denn zu wichtig sei das entsprechende Milieu für ihren Stimmenfang. Was Wagenknecht allerdings noch "viel schlimmer" finde, sei, dass die AfD dennoch vom verbreiteten Unmut und Frust in der Bevölkerung profitieren kann.

Nicht ohne Grund habe etwa die Hälfte der wahlberechtigten Bevölkerung Sachsen-Anhalts nicht gewählt. Und das sei keineswegs ein "Ostproblem", meint Wagenknecht. Allzu viele Menschen fühlten sich schlicht von der Politik im Stich gelassen.

Die übrigen Gäste in der Talkrunde setzten sich aus dem hessischen Ministerpräsident Volker Bouffier, dem Co-Vorsitzenden der Grünen Robert Habeck und eben dem AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla zusammen. Ähnlich deutliche Worte wie Wagenknecht findet niemand. Erst Moderatorin Anne Will bricht schließlich die harsche Analyse der ehemaligen Galionsfigur der Partei Die Linke ab.

Für viele Beobachter und Analysten überraschend, konnte sich bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt der amtierende CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff mit seiner Partei überdeutlich gegenüber der AfD durchsetzen – obwohl bis zum Schluss ein "Kopf an Kopf-Rennen" prognostiziert worden war. Die anderen Parteien wurden ziemlich unverändert oder mit mehr oder weniger deutlichen Einbußen auf die Plätze verwiesen. Die Linke etwa fuhr mit nur noch 11 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis in dem ostdeutschen Bundesland ein.

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