Deutschland

Vonovia will Deutsche Wohnen für 18 Milliarden kaufen und Europas größter Immobilienkonzern werden

Für die Übernahme von Deutsche Wohnen will Vonovia 18 Milliarden Euro bezahlen. Bei einem Zusammenschluss entstünde Europas größter Immobilienkonzern mit einem Immobilienportfoliowert von 90 Milliarden Euro und einer Marktkapitalisierung von 45 Milliarden Euro.
Vonovia will Deutsche Wohnen für 18 Milliarden kaufen und Europas größter Immobilienkonzern werdenQuelle: www.globallookpress.com © imago stock&people

Der größte deutsche Immobilienkonzern Vonovia greift erneut nach dem Branchenzweiten Deutsche Wohnen. Vonovia gab in einer Mitteilung am Montagabend die Absicht bekannt, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot im Gesamtwert von rund 18 Milliarden Euro oder 53,03 Euro je Deutsche-Wohnen-Aktie abzugeben. Dies entspreche einer Prämie von knapp 18 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag und von 25 Prozent auf den volumengewichteten Drei-Monats-Durchschnittskurs. Anders als bei den bisherigen Versuchen konnte sich Vonovia die Unterstützung durch Deutsche Wohnen sichern.

Beide Konzerne unterzeichneten eine Grundsatzvereinbarung über den Zusammenschluss. Zur Finanzierung der Übernahme will Vonovia neue Aktien für bis zu acht Milliarden Euro ausgeben. Vonovia selbst kommt an der Börse derzeit auf einen Marktwert von knapp 30 Milliarden Euro. Durch den Zusammenschluss sollen die jährlichen Kosten um 105 Millionen Euro gedrückt werden. Das Sparziel soll bis Ende 2024 erreicht werden.

Die Offerte stehe unter dem Vorbehalt einer Mindestannahmequote von 50 Prozent aller ausstehenden Deutsche-Wohnen-Aktien, der Erteilung der fusionskontrollrechtlichen Freigabe "sowie weiterer üblicher Bedingungen". Beide Unternehmen erwarteten, dass die fusionskontrollrechtliche Freigabe vor Ende der Annahmefrist des geplanten Übernahmeangebots erfolge, hieß es. Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen begrüßten das Übernahmeangebot und beabsichtigten dieses, vorbehaltlich der Prüfung der finalen Angebotsunterlage, zu unterstützen und den Aktionären die Annahme zu empfehlen.

Durch den Zusammenschluss entsteht den Angaben zufolge Europas größter Wohnimmobilienkonzern mit einer gemeinsamen Marktkapitalisierung von voraussichtlich rund 45 Milliarden Euro. Dabei ist Vonovia trotz eines Kursrutsches von 13 Prozent seit Jahresbeginn fast doppelt so viel wert wie Deutsche Wohnen, die um 3 Prozent zulegen konnten. Die beiden größten deutschen Vermieter bringen es zusammen auf mehr als 500.000 Wohnungen. Der gemeinsame Immobilienportfoliowert wurde auf knapp 90 Milliarden Euro beziffert.

Das künftige Unternehmen soll dann den Namen Vonovia SE führen, wie mitgeteilt wurde. Der Sitz soll in Bochum bleiben, das Unternehmen aber aus Bochum und Berlin geführt werden. Außerdem haben die Parteien vereinbart, dass sie im Zusammenhang mit der Transaktion keine betriebsbedingten Kündigungen zu früher als 1. Januar 2024 aussprechen werden.

Der erste Übernahmeversuch war 2016 unter anderem am Widerstand der Deutsche-Wohnen-Führungsspitze. Der Übernahmekandidat hatte die Offerte als feindlich bezeichnet und als nicht im besten Interesse seiner Investoren. Damals hatte laut der Tagesschau besonders der Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn gegen die Übernahme gekämpft. Beim neuen Anlauf hat Vonovia-Chef Rolf Buch ihn ins Boot geholt. Zahn soll sein Stellvertreter im Vorstand des fusionierten Konzerns werden.

Der stellvertretende Vorsitzende und finanzpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Fabio De Masi, äußerte bezüglich der geplanten Übernahme von Deutsche Wohnen durch Vonovia gegenüber RT DE:

"Die angestrebte Fusion von Deutsche Wohnen und Vonovia sollte von Kartellbehörden unterbunden werden. Die Feststellung der Kartellbehörde aus dem Jahr 2015, dass ein hinreichender Wettbewerb durch kommunale und private Vermieter gegeben sei, überzeugt nicht. Der Wohnungsmarkt ist vermachtet und gestört. Angebot und Nachfrage passen sich durch die langen Bauzyklen und die begrenzte Verfügbarkeit von Boden auch nicht einfach an wie auf dem Kartoffelmarkt!"

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(rt/dpa)

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