Deutschland

Impf- und Testskepsis unter Russlanddeutschen? – Eröffnung einer Teststation in Berlin-Marzahn

Neulich wurde von deutschen Medien suggeriert, dass Russlanddeutsche besonders anfällig für die sogenannte Impf- und Testmüdigkeit seien. Daraufhin errichtete eine zivilgesellschaftliche Organisation ein Testzentrum in Berlin-Marzahn.

Die Regierung sei besorgt, dass bestimmte Migranten-Gruppen keine Corona-Impfung wollen, berichtete der Tagesspiegel in einem Artikel, der nun unter anderem dafür sorgte, dass in Berlin-Marzahn vor der russisch-orthodoxen Kirche eine Corona-Teststation eröffnet wurde.

Marzahn wurde in dem Artikel als Berliner Stadtteil mit einem besonders großen Anteil russlanddeutscher Migranten und mit einer sehr großen Impfskepsis beschrieben. Der Artikel führte zu einer Kontroverse.

Die von Russlanddeutschen gegründete gemeinnützige Organisation Lyra e.V. initiierte daraufhin den Aufbau einer Corona-Teststation, die sich auf einem von der russisch-orthodoxen Kirche bereitgestellten Gelände befindet. Finanziert wird das Projekt von der Bundesregierung. Die Tests werden den Interessenten kostenlos bereitgestellt. Sollten Bundesgelder übrig bleiben, werden diese an andere gemeinnützige Organisationen in der Umgebung gespendet, erklärte gegenüber RT DE Walter Gauks, der Vorsitzende von Lyra e.V.

Gauks ist der Meinung, dass die Menschen Aufklärung bezüglich des Themas Corona brauchen. Es gebe zwar einen Überfluss an Informationen in den Medien, aber der menschliche Kontakt fehle.

Sind Russlanddeutsche nun tatsächlich impf- und testmüder als der Rest der Bevölkerung?

Mario Czaja, Verantwortlicher des Deutschen Roten Kreuzes, meint:

"Mein Eindruck ist, dass vor allem das Angebot fehlt, geimpft zu werden und die Testmöglichkeit zu haben."

Bernd Fabritius, der Beauftragte der Bundesregierung für Spätaussiedler, gibt an:

"Es gibt alle Positionen, die wir in der bundesdeutschen Gesellschaft finden, auch bei den Russlanddeutschen." 

Beide verneinten die These, dass Russlanddeutsche besonders anfällig seien für "Impf- und Testmüdigkeit". Fabritius sprach von einem "Angebotsproblem" in Bezug auf Impfkapazitäten. Auch Czaja bestätigte dies.

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