Deutschland

Vorsorgeuntersuchungen wegen Angst vor Coronavirus vermieden – Tausende Krebsfälle später entdeckt

Nicht nur Kliniken verschieben Operationen wegen der COVID-19-Pandemie, auch viele Menschen selbst zögern mit dem Gang zum Arzt. Besonders bei Vorsorgeuntersuchungen etwa zu Krebs könnte dies gravierende Folgen haben. Die Daten einer Krankenkasse sind beunruhigend.
Vorsorgeuntersuchungen wegen Angst vor Coronavirus vermieden – Tausende Krebsfälle später entdeckt© Luis Robayo

Bereits mehrmals im vergangenen Jahr warnten Ärzte davor, dass während der Pandemie, vor allem in der ersten Corona-Welle, viele Menschen aus Angst vor dem Virus auf Vorsorgeuntersuchungen verzichteten oder sie nach hinten verschieben. Besonders bei Krebserkrankungen könnte dies gravierende Folgen haben. Das Aussetzen der sogenannten Früherkennungs- und Aufklärungsmaßnahmen könnte laut Ärzten dazu führen, dass Tumore erst in einem fortgeschrittenen Stadium mit dann schlechterer Prognose erkannt werden. 

Nun zeigen die Daten einer Krankenkasse, dass die Sorge der Experten nicht unbegründet war. Wie aus einer Analyse  der Barmer Krankenkasse hervorgeht, sollen in der ersten Pandemie-Welle Tausende Krebsfälle unentdeckt geblieben sein.

Die Analyse, in die das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) Einsicht hatte, zeige etwa, dass in der ersten Corona-Welle 2.600 Krebserkrankungen unentdeckt geblieben waren, davon allein rund 1.600 Brustkrebsfälle. Auch die Zahl der Eingriffe in der Zeit von April bis Juni 2020 sei insgesamt zurückgegangen.

Wie es in dem RND-Bericht heißt, wurde auch im Rahmen der Analyse seitens der Krankenkasse auch die Zahl größerer Operationen bei neun häufigen Krebsarten aus der genannten Zeit mit den entsprechenden Zeiträumen der Vorjahre verglichen. So sei im Corona-Jahr die Zahl der Eingriffe gegenüber dem Durchschnitt von 2017, 2018 und 2019 um knapp 17 Prozent zurückgegangen. Noch größer war der Rückgang bei Brustkrebs sowie Mast- und Dickdarmkrebs. Dort betrug das Minus sogar mehr als 20 Prozent.

Demnach zeigten die Daten der Krankenkasse auch, dass nach der ersten Pandemie-Welle die Zahl der Krebsoperationen gestiegen war, doch der vorherige Rückgang konnte demnach nicht ausgeglichen werden.

Auch in den Monaten vor der sogenannten zweiten Pandemie-Welle kam es zu Rückgängen bei Eingriffen. Laut Daten von Barmer betraf dieser vor allem Operationen gegen Magenkrebs. So gab es von Juli bis Oktober 2020 gar 28 Prozent weniger Eingriffe gegen Magenkrebs im Vergleich zum gleichen Zeitraum der Vorjahre. Gegen Mastdarmkrebs war ein Rückgang an Operationen von knapp 25 Prozent und gegen Dickdarmkrebs von 12,5 Prozent verzeichnet worden.

Armin Wiegering vom Universitätsklinikum Würzburg, der die Analyse für die Krankenkasse durchgeführt hatte, sagte dem RND: "Die Corona-Pandemie wird zu verzögerten Krebsdiagnosen mit schlechteren Heilungsaussichten führen."

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