Deutschland

Recherche: Familie von Sawsan Chebli in umstrittene Krankenhaus-Geschäfte verwickelt

Der Ehemann der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli nahm an "sittenwidrigen" Geschäften im Krankenhaus-Sektor teil, berichtet die Welt am Sonntag mit Verweis auf eigene Recherchen. Auch Cheblis Nichten sollen sich auf Kosten der Patienten bereichert haben.
Recherche: Familie von Sawsan Chebli in umstrittene Krankenhaus-Geschäfte verwickeltQuelle: www.globallookpress.com © www.imago-images.de

Sawsan Chebli (SPD) ist seit Ende 2016 Berliner Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales. Dank ihrer Twitter-Aktivität und der Teilnahme an zahlreichen Gala-Veranstaltungen in Berlin ist sie wohl eines der bekanntesten Gesichter der Senatskanzlei.

Nun könnten Details aus den umstrittenen Deals ihrer Familienangehörigen für die SPD-Politikerin zur Belastung werden. Nizar Maarouf, Geschäftsmann und Cheblis Ehepartner, war jahrelang in zweifelhafte Geschäfte mit Partnern in Golfstaaten verwickelt, schreibt die Welt am Sonntag (WamS) mit Verweis auf eigene Recherchen.

Demnach verdiente Maarouf für die Vermittlung von wohlhabenden Gesundheitstouristen für den kommunalen Berliner Krankenhauskonzern Vivantes im Jahr 2008 Provisionen, die laut einem Gerichtsurteil und Gutachten als "sittenwidrig" gelten. In einem Fall zeigen Dokumente, dass Maarouf so 27.000 Euro von Vivantes erhielt. Kurz darauf wurde der ehemalige Medizinstudent laut der WamS Vizedirektor der Auslandssparte des Klinikkonzerns.

Auch weitere Angehörige von Berlins bekanntester Staatssekretärin stehen in der Kritik. So wurden unter Maaroufs Leitung den Recherchen zufolge zwei Nichten seiner Ehefrau bei Vivantes International eingestellt. Im Sommer 2017 gerieten die beiden Frauen und eine weitere Mitarbeiterin demnach in den Fokus der internen Revision. Zusammen sollen sie über einen längeren Zeitraum Geldbeträge in Höhe von insgesamt mehr als 100.000 Euro von Patientenkonten an sich selbst ausgezahlt haben.

Laut der WamS hat Vivantes die Vorgänge grundsätzlich eingeräumt. Das Arbeitsverhältnis der Frauen sei beendet worden. Daraufhin habe das Unternehmen seine Compliance-Bestimmungen überarbeitet. Laut dem Tagesspiegel hat Maarouf Vivantes kurz nach der Auflösung der Tochterfirma des Unternehmens verlassen. Weder er selbst noch Chebli äußerten sich auf Anfrage zu den Vorwürfen.

Die WamS berichtet auch über ein weiteres Geschäft des Ehepartners von Chebli, das allerdings nicht realisiert wurde. So vermittelte Maarouf im Frühjahr 2020 die beiden CDU-Abgeordneten Nikolas Löbel und Mark Hauptmann an die Geschäftsführung seines damaligen Arbeitgebers Sana. Die dem Krankenhauskonzern von den Abgeordneten angebotenen Geschäfte, im Falle Löbels eine Schutzmaskenbeschaffung gegen Provision, kamen nicht zustande. Löbel und Hauptmann mussten wegen umstrittener Geschäfte mit anderen Partnern später zurücktreten. Maaroufs Anwalt teilte mit, sein Mandant sei für derartige Geschäfte bei Sana nicht zuständig gewesen.

Cheblis Eltern sind palästinensische Flüchtlinge, die 1970 nach Deutschland kamen. Die SPD-Politikerin und Maarouf sind seit 15 Jahren verheiratet und haben ein 2020 geborenes Kind. Die SPD-Politikerin thematisiert Herkunft, Werdegang und Erfolge ihrer Familie regelmäßig öffentlich – insofern muss Chebli damit rechnen, zur aktuellen Causa befragt zu werden. Ob gegen Angehörige von Chebli ermittelt werde, war am Sonntag noch nicht zu erfahren.

Seit der Veröffentlichung wurde Chebli in den sozialen Medien bereits heftig kritisiert. Vor allem mehrere AfD-Politiker warfen der Berliner Staatssekretärin Korruption, Vetternwirtschaft und Amtsmissbrauch vor, Medien berichten von "Hetze im Internet".

Mehr zum Thema - Showdown in Berliner SPD: Müller gewinnt gegen Chebli im Zweikampf um Bundestagskanditatur

Sehr geehrte RT DE-Leser,

wir sind auf einen neuen Dienst für die Kommentarfunktion umgestiegen.

Da wir die Privatsphäre unserer Leser respektieren und Ihre Daten nicht an eine Drittplattform übermitteln werden, müssen Sie sich erneut registrieren. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeit und hoffen, dass sie sich weiterhin mittels der Kommentarfunktion über aktuelle Themen austauschen und informieren können.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre RT DE-Redaktion