Deutschland

Lehrkräfte verärgert über erneute Schließung: "Was hier abläuft, ist nicht zu verstehen"

Nach einer kurzen Öffnungsphase müssen einige Schulen, etwa in Sachsen, wieder schließen. Bürgermeister, Lehrer, Eltern, und nicht zuletzt die Schüler haben nur noch wenig Verständnis für diese "Maßnahmen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie".

Gerade durften sie endlich wieder öffnen, da müssen sie auch schon wieder schließen. In einigen Ländern Deutschlands mussten die Kitas und Schulen aufgrund der entsprechenden Inzidenzzahlen ab Montag ein weiteres Mal dichtmachen. Etwa in Zwönitz in Sachsen, wo sowohl Eltern als auch Lehr- und Erziehungskräfte am Ende ihrer Geduld sind.

"Wir können Homeoffice und Homeschooling nicht nebenher stemmen. Wir brauchen da Hilfe von Pädagogen, die das gelernt haben. Uns sind da Grenzen gesetzt", meint die Elternsprecherin Heike Pelloth.

Die Lehrerin Martina Scherf findet:

"Was hier zurzeit abläuft, ist nicht zu verstehen. Schulöffnungen und Schulschließungen im ständigen Wechsel. Wir Lehrer fragen uns, was aus unseren Kindern werden soll. Homeschooling ist schön und gut, aber nicht zu vergleichen mit dem Unterricht in der Klasse."

Auch der Bürgermeister von Zwönitz Wolfgang Triebert sieht die Schließungen kritisch. Er setzte sich zusammen mit anderen Bürgermeistern auf einer Konferenz mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer für eine verlässliche Schul- und Kitaöffnung ein. Allerdings ohne Erfolg. Er versichert:

"Wir Bürgermeister müssen jetzt an der Basis das aushalten, für das wir nichts können. Wir haben gekämpft und dort nichts erreichen können. Nun sind die Leute aufgebracht und haben uns die Eingangstür des Rathauses voll Schuhe gestellt. Ich kann als Bürgermeister auch nur sagen, es ist verständlich."

Hierbei verweist Triebert auf eine Aktion, die am Wochenende von Eltern, Lehr- und Erziehungskräften ins Leben gerufen wurde. Dutzende von Kinderschuhen haben sie dort auf die Stufen gelegt, um ihrem Unmut über die Corona-Maßnahmen der Regierung für Schulen und Kitas Ausdruck zu verleihen.

Neben den Schuhen wurden auch Bilder von Kindern und Plakate mit den Aufschriften "Kinder brauchen eine Zukunft" und "Nicht der Virus macht die Kinder krank, sondern die Regierung" niedergelegt. Auch in Berlin wird das ewige Hin und Her zwischen Schulschließungen und Öffnungen infrage gestellt. Der Lehrer Michael Gromotka findet:

"Ich hätte mir mehr Planung gewünscht. Wir hatten zu wenig Vorlaufzeit für den Präsenzunterricht. Schüler und Lehrer fragen sich, wie lange denn dieses Mal die Schulen offen bleiben werde."

Familienministerin Franziska Giffey äußerte sich:

"Die große Sorge besteht zurzeit darin, dass Öffnungen zurückgenommen werden müssen. Um dem vorzubeugen, müssen wir, solange das Impfen noch nicht geht, diese Sicherheitsbrücke einbauen, und das ist das Testen."

Der Schüler Georg Gromotka dagegen meint:

"Ich fände es cool, wenn einfach das normale Leben ohne Maske und so wieder losgehen würde und man einfach wieder alles machen könnte, ohne Angst vor diesem blöden Virus haben zu müssen."

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