Deutschland

Lauterbach für "schnellen und harten Lockdown" – Spahn spricht von "Schritten rückwärts"

Die Corona-Zahlen steigen. In wenigen Tagen sollen Beratungen von Bundeskanzlerin Merkel mit den Länderchefs stattfinden. SPD-Politiker Lauterbach forderte am Freitag ein Zurück in den Lockdown. Auch Gesundheitsminister Spahn deutete mögliche "Schritte rückwärts" an.
Lauterbach für "schnellen und harten Lockdown" – Spahn spricht von "Schritten rückwärts"© Michael Kappeler / dpa

Bei der Pressekonferenz am Freitag in Berlin wurde erneut auf die steigenden Corona-Fälle verwiesen. Der Vize-Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade, sagte, die Zahl steige bereits wieder exponentiell. Grund sei die Virusvariante B.1.1.7. Zudem steige auch die Zahl von Patienten mit einer COVID-19-Erkrankung auf Intensivstationen wieder an. Schaade ergänzte: 

"Wir müssen damit rechnen, dass wieder mehr Menschen in Verbindung mit COVID-19 sterben."

Demnach stünden Deutschland "leider wieder schwere Wochen bevor", so Schaade weiter. Auch SPD-Politiker Karl Lauterbach nahm an der Pressekonferenz zur Corona-Lage in Deutschland teil und warnte vor einer "fulminanten dritten Welle", die bereits begonnen hat. Der SPD-Mann sprach sich erneut dafür aus, die Corona-Maßnahmen schnell wieder zu verschärfen. Lauterbach forderte: 

"Man kann es drehen und wenden wie man will, wir müssen zurück in den Lockdown."

Entweder entscheide man sich für einen sofortigen "schnellen und harten" Lockdown, wenn man aber den Lockdown verzögere, werde er letztlich länger dauern, betonte Lauterbach. Es mache keinen Sinn zu warten. Je früher man reagiere, desto kürzer müsse der Lockdown sein, um wieder auf eine beherrschbare Fallzahl zu kommen. Seinen Angaben nach ist durch die stattfindende Verdrängung der alten Virusvariante durch neue "Mutanten" Mitte April mit einer bundesweiten Inzidenzzahl von 200 zu rechnen. Wenn die Fallzahlen nicht abgebremst würden, sei eine Überlastung der Intensivstationen in wenigen Wochen zu erwarten.

Zeitgleich begrüßte der SPD-Politiker die Entscheidung, mit den AstraZeneca-Impfungen wieder starten zu wollen.

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) erneuerte am Donnerstag ihre Haltung, dass der Nutzen des Impfstoffs die Risiken übersteige. Daraufhin kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn noch am Abend an, dass in die Informationen zu dem Präparat des britisch-schwedischen Konzerns ein Warnhinweis aufgenommen werde. Spahn sprach sich für eine rasche Fortsetzung der Impfungen aus. Er hatte nach dem Auftreten mehrerer Fälle von Blutgerinnseln in Venen die Impfungen mit dem Präparat am Montag vorübergehend gestoppt.

Lauterbach betonte ebenfalls erneut, dass es sich bei AstraZeneca um einen sehr wirksamen Impfstoff handele, der bei den älteren Menschen die Krankenhauseinweisungen und den Tod sehr sicher verhindern könne. Er ergänzte: 

"Daher ist der Impfstoff sicher, und der Nutzen ist gewährleistet, und ich begrüße ausdrücklich, dass in Deutschland die Impfung wieder begonnen hat."

Er würde diesen Impfstoff jederzeit nehmen, so Lauterbach weiter. Auch Gesundheitsminister Spahn betonte, dass für ihn das Impfen ein "zentraler Schritt raus aus der Pandemie" sei. Demnach gebe es in Europa noch nicht genug Impfstoff, um die dritte Welle allein durch Impfen zu stoppen. Es werde "noch einige Wochen dauern, bis die Risikogruppen vollständig geimpft sind". Deshalb seien gerade flächendeckende Testungen ein sehr wichtiges Werkzeug, um die Pandemie einzudämmen, aber "nicht die Lösung der Probleme".

Auch Spahn äußerte sich besorgt über die steigende Zahl der Corona-Fälle. Demnach könnte der Anstieg dazu führen, dass "wir in den kommenden Wochen keine weiteren Öffnungsschritte vornehmen können". Spahn betonte, dass – ganz im Gegenteil – vielleicht sogar "Schritte rückwärts" erforderlich sein werden. Um das Verständnis dafür in der Bevölkerung zu erhalten, sollte es aber einheitliche Regeln geben, betonte der CDU-Politiker.

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