Deutschland

Neue VW-Strategie: weniger Arbeitsplätze, mehr Batterien

Die nächste Runde des Stellenabbaus bei VW beginnt in Deutschland. Los geht es sozialverträglich bei den 57-Jährigen. Der Plan: 5.000 Arbeitsplätze weniger bis 2023. VW-Chef Herbert Diess erklärt seine Batterie-Vision.
Neue VW-Strategie: weniger Arbeitsplätze, mehr BatterienQuelle: www.globallookpress.com © Annegret Hilse / SVEN SIMON

VW produziert zu teuer: Der Investoren-Vorwurf ist dem Wolfsburger Autohersteller nicht neu. Auch Konzernchef Herbert Diess klagt immer wieder darüber, dass besonders im Stammwerk Wolfsburg und in der Konzernverwaltung nicht effizient gearbeitet werde.

Im Dezember hat der Aufsichtsrat reagiert. Mit einem Sparprogramm sollen bis zum Jahr 2023 die Fixkosten um fünf Prozent gesenkt werden. Dabei stehen Einsparungen beim Personal an erster Stelle. Das Unternehmen und der Betriebsrat verständigten sich, wie das Programm umgesetzt werden soll. Der Stellenabbau beginnt in Deutschland. Das Handelsblatt zitiert Unternehmenskreise, nach denen bis zu 5.000 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Angebote zur Altersteilzeit soll es jetzt auch für den Jahrgang 1964, also für die derzeit 57-Jährigen, geben. Zentrale Hebel seien dabei laut einer Mitteilung von VW:

"Das Einfrieren der Personalstände auf dem Niveau vom Januar dieses Jahres sowie ein umfassendes Altersregelungs-Paket. Beschlossen wurden unter anderem die im Rahmen der Roadmap Digitale Transformation angekündigte Öffnung des Jahrgangs 1964 für die Altersteilzeit, die erneute Öffnung der Altersteilzeit für die Jahrgänge 1961 und 1962 sowie zusätzlich ein Vorruhestandsprogramm für die Jahrgänge 1956 bis 1960."

VW in Deutschland geht voraus, die anderen konzernzugehörigen Marken folgen etwas später. Betriebsbedingte Kündigungen soll es bis 2029 nicht geben. Positiver Aspekt: Diess will das Qualifizierungsbudget um 40 Millionen Euro auf insgesamt 200 Millionen Euro für Zukunftsarbeitsplätze erhöhen. 

Gleichzeitig erklärt er eine neue Batterie-Strategie bis 2030. Diess sieht E-Fahrzeuge in Europa nun mit einem Anteil von 70 Prozent allein bei der Marke VW-Pkw. Das bedeutet eine Verdoppelung der bislang geplanten Quote für rein batterieelektrische Fahrzeuge von 35 Prozent. Auch andere Konzernmarken wie Audi und Porsche werden ihren E-Anteil erhöhen.

Das werde aber nur möglich sein, wenn mehr Batteriezellen bezogen werden können. Bislang kalkuliert der Wolfsburger Autohersteller mit einem Zellbedarf für 150 Gigawattstunden (GWh) Energie allein für den europäischen Markt. Dieser Bedarf werde sich in diesem Jahrzehnt noch einmal deutlich erhöhen. Der Konzern rechnet mit zwischen 250 und 300 GWh.

Wie und wer diese herstellen soll, erklärt Diess in Wolfsburg bei seinem ersten "Power Day". Bislang ist die Zellversorgung des Konzerns nur etwa bis zum Jahr 2025 gesichert. Zu einem kleineren Teil will der Konzern Zellen selbst produzieren, der große Rest kommt von asiatischen Produzenten.

So wurde in der Vergangenheit immer wieder das ostfriesische Emden als möglicher Standort genannt. VW betreibt dort bereits eine eigene Pkw-Fabrik. Der Strom für eine Batteriefertigung könnte vergleichsweise kostengünstig aus Windkraftwerken in der Nordsee kommen. In China hat die VW-Elektrofertigung bereits in zwei Werken begonnen.

Diess erklärte die Kernpunkte seiner neuen Batterie-Strategie: Vorranging seien die Entwicklung einer Einheitszelle und Synergien, die helfen, die Batteriekosten um bis zu 50 Prozent zu reduzieren. Dazu würden sechs Gigafabriken mit insgesamt 240 GWh im Partnerschaftsmodell den Batteriebedarf auf dem Automarkt absichern. Diess will die Firma "Northvolt Ett" im schwedischen Skellefteå auf bis zu 40 GWh ausbauen.

Salzgitter soll als zweite Gigafabrik mit bis zu 40 GWh ausgebaut werden. Mit der Integration der Wertschöpfungskette sollen zusammen mit Lieferanten bis zu 95 Prozent der Rohstoffe recycelt werden. Dies sagt: 

"Bis 2030 wollen wir gemeinsam mit Partnern insgesamt sechs Zellfabriken in Europa in Betrieb nehmen und so Versorgungssicherheit garantieren. Die neuen Werke sollen im Endausbau Zellen mit einem Energiegesamtwert von 240 Gigawattstunden pro Jahr produzieren. Damit trägt Volkswagen aktiv dazu bei, die Ziele des Green Deals der Europäischen Union zu erreichen. Die ersten beiden Fabriken entstehen im schwedischen Skellefteå und in Salzgitter", erklärt Thomas Schmall. 

Diess setzt auf 18.000 Schnellladepunkte. Das europäische Netz soll gemeinsam mit Partnern verfünffacht werden. Das entspricht einer Verfünffachung des Schnellladenetzes gegenüber heute und rund einem Drittel des für 2025 prognostizierten Gesamtbedarfs auf dem Kontinent.

Dazu werden neben dem Joint-Venture IONITY auch eine Reihe von strategischen Partnerschaften beitragen. Gemeinsam mit BP will Volkswagen europaweit rund 8.000 Schnellladepunkte aufbauen. Die Schnelllader mit einer Ladeleistung von 150 kW werden an insgesamt 4.000 Tankstellen von BP und ARAL entstehen, ein Großteil davon in Deutschland und Großbritannien. In Spanien sollen in Kooperation mit Iberdrola vor allem die Hauptverkehrsachsen erschlossen werden. In Italien will Volkswagen mit Enel kooperieren, um das Schnellladenetz sowohl an Autobahnen als auch im städtischen Raum auszubauen. Für das Gesamtprogramm in Europa wird Volkswagen bis 2025 circa 400 Millionen Euro aufwenden. Weitere Umfänge werden von externen Partnern getragen.

Auch in den USA und China baut Volkswagen das öffentliche Schnellladenetz aus. Electrify America plant bis Ende des Jahres rund 3.500 Schnellladepunkte in Nordamerika. In China plant Volkswagen über das Joint-Venture CAMS mit insgesamt 17.000 Schnellladepunkten bis 2025.

Diess will ein besseren Umwelt-Image. Er spricht von einem Ökosystem Energie. Das Thema Energiemanagement soll bei VW zum neuen Geschäftsfeld werden.

Zur Einhaltung der strategischen Finanzziele werden gestaffelte Investitionen mit Partnern angestrebt. Technik-Vorstand Thomas Schmall sagt: "Unser Ziel ist es, Kosten und Komplexität der Batterie zu senken und gleichzeitig ihre Reichweite und Performance zu steigern. Damit wird die E-Mobilität endgültig erschwinglich und zur Hauptantriebstechnologie."

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