Deutschland

Verkauf von Erkältungsmitteln bricht in Deutschland ein – Experten sehen Corona-Regeln dahinter

Corona-Einschränkungen wirken sich nicht nur auf den Alltag der Deutschen aus, sondern offenbar auch auf das Geschäft der Hersteller von Erkältungsmitteln. Weil die Menschen jetzt Abstand halten, stecken sie sich weniger an und haben weniger Husten oder Schnupfen.
Verkauf von Erkältungsmitteln bricht in Deutschland ein – Experten sehen Corona-Regeln dahinterQuelle: www.globallookpress.com © Frank Hoermann / SVEN SIMON

Weil die Menschen in Corona-Zeiten auf Abstand gehen und sich dadurch weniger mit Husten und Schnupfen anstecken, ist der Verkauf von rezeptfreien Arzneimitteln in Deutschland deutlich abgesackt. Bayer-Chef Werner Baumann nannte bei Erkältungspräparaten ein Marktminus von über 20 Prozent im Jahr 2020. Baumann zufolge betraf diese Entwicklung auch seine Firma. Procter & Gamble, Stada und Sanofi vermeldeten ebenfalls Einbußen, ohne dies jedoch mit Zahlen zu konkretisieren.

Die gesunkene Nachfrage bekamen auch die Apotheken in Deutschland zu spüren. Die Apothekervereinigung ABDA teilte der Nachrichtenagentur dpa mit, dass bei Erkältungs-, Durchfall- und Läusemitteln in den ersten drei Quartalen 2020 der Absatz rezeptfreier Medikamente deutlich gefallen sei. Dabei bezog sich die Vereinigung auf Daten des Marktforschers Insight Health. Demnach wurden bei Durchfallmitteln in den ersten neun Monaten der Vorjahre etwa 15 Millionen Packungen nachgefragt. Im Jahr 2020 waren es dagegen nur knapp 12 Millionen, also ein Fünftel weniger. Auch bei Erkältungsmitteln gab es Rückgänge: Fragten Apothekenkunden normalerweise knapp 150 Millionen Arzneimittel in den ersten drei Quartalen nach, waren es im Jahr 2020 noch knapp 130 Millionen. Bei Läusemitteln ging zudem der Absatz von etwa zwei Millionen auf 1,2 Millionen Medikamente fast um die Hälfte zurück.

ABDA erklärte die Tendenz damit, dass die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln in der Corona-Pandemie vermutlich für den Rückgang der Ansteckungen im Bereich von Durchfallerkrankungen und Erkältungen gesorgt habe. Zudem könne wegen der AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) ein Rückgang der Übertragung von Parasiten wie Läusen angenommen werden. Die Pandemie mit Lockdowns und Kontaktbeschränkungen habe für ein Auf und Ab der Nachfrage in den Apotheken gesorgt.

Die Corona-Einschränkungen hatten für die Arzneihersteller wirtschaftlich gesehen allerdings nicht nur negative, sondern auch positive Folgen. Denn die Nachfrage nach Nahrungsergänzungsmitteln – etwa nach Vitamintabletten zur Stärkung der Abwehrkräfte – stieg. Bayer-Chef Baumann sagte, dieses Geschäft habe von der Corona-Situation "sehr profitiert". Procter & Gamble verzeichnete ebenfalls ein zunehmendes Interesse an Nahrungsergänzungsmitteln:

"Wir haben einen deutlichen Trend zur aktiven Gesundheitsvorsorge beobachtet. Viele Menschen sind sich bewusst geworden, welchen Einfluss sie selbst auf ihre eigene Gesundheit haben können."

Komplette Umsatz- und Absatzzahlen der Apotheken für das gesamte vergangene Jahr lagen noch nicht vor. Die Apotheken in Deutschland hatten im Jahr 2019 einen Umsatz von mehr als 54 Milliarden Euro erzielt, den Großteil mit verschreibungspflichtigen Arzneien.

In den kommenden Monaten dürften die Erkältungszahlen auch witterungsbedingt relativ niedrig bleiben. Im Herbst könnte die Erkältungssaison wieder losgehen. Sollten die Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen bis dahin wesentlich gelockert werden, könnten die Arzneihersteller und Apotheken dann wieder Kasse machen. 

Mehr zum Thema - Apotheker: Grippe-Impfstoff wird in Norddeutschland knapp

(rt/dpa)