Deutschland

Ärzte wollen früher gegen COVID-19 geimpft werden

In Deutschland zählen Mediziner nur zur zweiten von drei prioritär zu impfenden Gruppen. Kassenärzte fordern vor diesem Hintergrund, dass sie schneller als geplant bei der Corona-Impfung zum Zug kommen. Ihr Argument lautet: Auch die Schützer müssen geschützt sein.
Ärzte wollen früher gegen COVID-19 geimpft werdenQuelle: Reuters © FABRIZIO BENSCH

In der geltenden Impfverordnung zählen Ärzte zur zweiten von drei prioritär zu impfenden Gruppen in Deutschland. Nach einem Entwurf soll auch eine für kommende Woche erwartete Neufassung der Verordnung daran nichts ändern. Noch bis Ende März herum sollen die Impfungen der ersten Gruppe dauern.

Vor diesem Hintergrund fordern Kassenärzte in Deutschland, dass sie schneller als geplant bei der Impfung gegen das Coronavirus zum Zug kommen. Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin:

"Diejenigen, die andere jeden Tag behandeln, medizinisch versorgen und schützen, müssen auch selbst geschützt sein."

Gassen räumte ein, dass wegen des knappen Impfstoffes priorisiert werden müsse. Seiner Meinung nach müsse aber auch das ärztliche Personal in den Praxen zum Kreis der vorrangig zu Impfenden gehören.

KBV-Vize Stephan Hofmeister sagte, die Haus- und Fachärzte bildeten den "ersten Schutzwall bei der Corona-Bekämpfung". Neun von zehn COVID-19-Patienten würden ambulant behandelt:

"Es wäre fatal, wenn die Niedergelassenen diese Aufgabe nicht mehr im erforderlichen Umfang erfüllen könnten, weil sie selbst infiziert werden."

Kritik an der Impfverordnung gibt es auch vonseiten der Patienten. So bemängelte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, dass Menschen mit schweren Vorerkrankungen oft nicht vorgezogen würden und dann oft auch noch vor Gericht scheiterten. Gegen Ungerechtigkeiten sei ein transparentes, nachvollziehbares und kleinteiligeres Vorgehen gefordert. Zudem werde zu wenig der Frage nachgegangen, welche Patientengruppen von COVID-19 besonders bedroht seien:

"Somit sind jüngere Schwerstkranke den individuellen Entscheidungen eines Gesundheitsamtes vor Ort ausgeliefert."

Inzwischen meldeten die deutschen Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) 8.616 Corona-Fälle binnen eines Tages. Außerdem wurden im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit 231 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet. Vor genau einer Woche hatte das RKI 11.192 Neuinfektionen und 399 neue Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Sonntagmorgen bei 75,6. Die meisten Bundesländer verzeichnen demnach weiterhin sinkende Sieben-Tages-Inzidenzen. 

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(dpa/rt)