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Sputnik V – demnächst aus Sachsen-Anhalt?

Eine deutsche Pharmafirma aus Sachsen-Anhalt könnte die Lösung für das Impfdebakel in Deutschland bringen. Quellen bestätigen bereits, dass es Anfragen beim Pharmaunternehmen IDT Biologika in Dessau zu einer Zusammenarbeit mit den Herstellern von Sputnik V gab.
Sputnik V – demnächst aus Sachsen-Anhalt?Quelle: www.globallookpress.com © www.imago/www.imago-images.de

Um das deutsche Impfdebakel zu lindern, könnte der russische Impfstoff Sputnik V auch in Deutschland eingesetzt werden. Der Impfstoffentwickler stellte im Januar eine Anfrage an IDT Biologika im sachsen-anhaltinischen Dessau-Roßlau. Die Staatskanzlei von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bestätigte dies gegenüber der Zeitung Welt. Russland hat im Herbst für sein Vakzin viel Kritik bekommen. Jetzt liegen Ergebnisse zu Sputnik V vor und diese zeigen eine sehr hohe Wirksamkeit von 91,6 Prozent auf.

Der Impfstoff, der im Moskauer Gamaleja-Institut entwickelte wurde, hat im international anerkannten Fachmagazin The Lancet diese sehr hohe Wirksamkeit bestätigt bekommen, ebenso wie die Wirkstoffe von BioNTech und Moderna.

Dies ergaben Zwischenergebnisse der Phase-III-Testung. Damit sei er noch wirksamer als der des schwedisch-britischen Herstellers AstraZeneca, der auch auf Adenoviren als Träger beruht.

Sputnik variiere die Virenstränge jedoch zwischen den beiden zu verabreichenden Dosen. Das würde die Wirksamkeit erhöhen. Einzig die Zulassung von Sputnik V steht noch aus. Der Geschäftsführer des angefragten Pharmaunternehmens in Dessau-Roßlau, Jürgen Betzing, äußerte sich bisher nicht zu der Anfrage aus Moskau.

Seit Januar hat das sachsen-anhaltinische Unternehmen den AstraZeneca-Impfstoff abgefüllt und verpackt. Acht Millionen Dosen seien bisher ausgeliefert worden. Einen Beginn der Produktion des russischen Impfstoffs hält Geschäftsführer Betzing nach Welt-Angaben jedoch erst in vier bis fünf Monaten für möglich. Dann müsste er noch von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA genehmigt werden. 

Bei MRNA-Impfstoffen wie BioNTech und Moderna dauere es nicht so lange. Bei herkömmlichen biologischen Verfahren, wie die, mit denen Sputnik V hergestellt werde, seien die Anforderungen an die Entwicklung sehr groß.

IDT Biologika beschäftigt 1.400 Mitarbeiter im Bereich der Biotechnologie. Im vergangenen Jahr erhielt die Firma 114 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium an Fördergeldern zur Entwicklung eines Impfstoffs. Das Projekt wurde Anfang Januar gestoppt, da in einer ersten Studie die Immunantwort geringer ausfiel als erwartet. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bestätigte Überlegungen zur Produktion des russischen Impfstoffs in Europa.

Unterdessen erklärte Thomas Mertens, der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, dass er mit einem ordnungsgemäßen EU-Zulassungsverfahren für Sputnik V rechne. Dem SWR sagte Mertens, er gehe davon aus, dass die russische Seite der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA die notwendigen Originaldaten vorgelegt habe.

Mertens begrüßte den russischen Zulassungsantrag für Sputnik V bei der EMA gestellt: "Ich wäre sehr glücklich, wenn wir über diesen Impfstoff die Möglichkeit hätten, unser Impfstoff-Portfolio zu erweitern."

Kirill Dmitrijew, CEO des Staatsfonds Russian Direct Investment Funds (RDIF) gab am Mittwoch bekannt, dass "Sputnik V" in der EU im März zugelassen werden könnte. Man habe den Antrag bei der EMA eingereicht und gehe von einer Überprüfung im Februar oder Anfang März aus.

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