Deutschland

WHO-Beauftragter will "Jürgen-Klopp-Effekt" für Deutschland

Der COVID-19-Beauftragte der WHO forderte Deutschlands Politiker in der Corona-Krise zu einer einheitlichen Linie auf. Deutschland benötige einen "Jürgen-Klopp-Effekt": Man müsse die Solidarität der Bevölkerung fördern, damit sie die Maßnahmen mittrage.
WHO-Beauftragter will "Jürgen-Klopp-Effekt" für DeutschlandQuelle: www.globallookpress.com © imago sportfotodienst

Ein Jahr, nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgrund der ersten COVID-19-Fälle in China eine "Notlage von internationaler Tragweite" – die höchsten Warnstufe der WHO – ausrief, mahnt der COVID-19-Beauftragte der Organisation, David Nabarro, Politiker in Deutschland zu mehr Einheit in der Gesundheitskrise. Deren Ende sei noch nicht abzusehen. Er rechne damit, dass diese noch lange andauert, sagte Nabarro der dpa:

"Wir sind dem Ende noch lange nicht nahe."

Um die Menschen in Deutschland von den Corona-Maßnahmen zu überzeugen, benötige man einen Jürgen-Klopp-Effekt, erklärte Nabarro mit Verweis auf den früheren Fußballtrainer von Mainz 05 und Borussia Dortmund, der heute für den FC Liverpool arbeitet:

"Klopp weiß, wie man Menschen berührt und Massen zusammenbringt. Er hätte sicher gute Ideen."

Statt hier und da über Lockerungen nachzudenken, sollten die Politiker eine einheitliche Botschaft senden, die gemäß WHO lauten soll: eine Maske (notfalls auch draußen) tragen, Abstand halten, Handhygiene betreiben und Erkrankte sowie Kontaktpersonen isolieren.

Nabarro wies darauf hin, dass die Gruppe der Gegner von Corona-Schutzmaßnahmen seiner Meinung nach klein ist, aber "wenn Politiker streiten, wächst sie". Man müsse die Solidarität und Nachbarschaftshilfe so fördern, dass die Bevölkerung die Maßnahmen mittrage.

Der erfolgreiche "Kampf gegen das Virus" hat dem WHO-Experten zufolge angeblich auch nichts mit autoritären Strukturen zu tun. Die konsequente Isolation von Symptomen sei die "Voraussetzung für die Freiheit" – auch, wenn man in Europa Angst vor einem Polizeistaat habe. Deutschland sei mit seinen strikten Maßnahmen im vergangenen Jahr relativ gut gestartet. Nabarro vermutet, die reichen Länder denken sich, sie "kämen auch ohne harte Arbeit durch die Pandemie":

"Warum haben sie diese Gründlichkeit nicht beibehalten?"

Dem WHO-Beauftragten zufolge könne man diesbezüglich von Ländern wie Kambodscha, Thailand oder den Inselstaaten Australien und Neuseeland lernen. Auch Streitereien, das Horten von Impfstoffen und ein Wettlauf bei den Massenimpfungen sind Nabarro zufolge alles andere als produktiv. Die bisher geringen Mengen an Impfstoffen sollten für die gefährdeten Bevölkerungsgruppen auf der ganzen Welt verwendet werden. Wenn sich das Virus in anderen Ländern ausbreite, steige das Risiko neuer Mutationen, die noch gefährlicher seien und dann wieder die ganze Welt betreffen könnten.

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(rt/dpa)