Deutschland

Massiver Stellenabbau bei Commerzbank, Douglas, Easyjet und anderen Unternehmen

Die Commerzbank plant den Abbau Tausender Stellen und will ihr Filialnetz in Deutschland fast halbieren. Auch der Billigflieger Easyjet spart am Personal. Andere große Unternehmen, die teilweise schon seit Längerem schwächeln, gaben ebenfalls Stellenkürzungen bekannt.
Massiver Stellenabbau bei Commerzbank, Douglas, Easyjet und anderen UnternehmenQuelle: www.globallookpress.com © Ralph Peters/www.imago-images.de

Die Commerzbank plant den Abbau Tausender Stellen und will ihr Filialnetz in Deutschland fast halbieren. Der Commerzbank-Vorstand habe dem Aufsichtsrat entsprechende Eckpunkte für die künftige Strategie vorgelegt, teilte der Frankfurter MDax-Konzern am Donnerstag mit. Das Kontrollgremium kommt am nächsten Mittwoch zu einer Sondersitzung zusammen, um die Sparpläne zu beraten. "Im Nachgang soll die neue Strategie vom Vorstand beschlossen werden", heißt es in der Commerzbank-Mitteilung.

Brutto sollen den Plänen zufolge bis 2024 rund 10.000 Vollzeitstellen wegfallen. In Deutschland würde dies jeden dritten Arbeitsplatz betreffen. Von derzeit bundesweit 790 Filialen sollen noch 450 Standorte übrig bleiben. Digitale Angebote für Kunden will die Bank, die dabei ist, ihre Online-Tochter Comdirect zu integrieren, deutlich ausbauen.

Mit dem harten Sparkurs, der sich bereits im vergangenen Jahr angedeutet hatte, will das seit der Finanzkrise 2008/2009 teilverstaatlichte Institut die Kosten deutlich senken. Bis zum Jahr 2024 sollen die Kosten im Vergleich zu 2020 um 1,4 Milliarden Euro verringert werden.

"Wir wollen uns auf die Stärken der Commerzbank konzentrieren und damit ihre Leistungsfähigkeit nachhaltig sichern. Dafür werden wir mit aller Konsequenz Komplexität reduzieren und Kosten senken", ließ der seit dem 1. Januar amtierende Vorstandschef Manfred Knof mitteilen. "Unsere Ziele sind sehr anspruchsvoll, aber wir werden alles Notwendige tun, um sie zu erreichen."

Details der Strategie sowie die konkreten Maßnahmen und Ziele für die Jahre 2021 bis 2024 wird die Commerzbank, eine positive Entscheidung des Vorstands vorausgesetzt, im Rahmen der Bilanzpressekonferenz am 11. Februar 2021 umfassend erläutern.

Ähnlich radikale Sparpläne hatte schon der bisherige Vorstand unter Führung von Martin Zielke im vergangenen Jahr entworfen. Digitalisierung und Zinstief setzen die gesamte Branche unter Druck. Doch bei der Commerzbank geriet der Konzernumbau ins Stocken, weil Zielke nach Kritik von Investoren seinen Rücktritt erklärte und zudem die Spitze des Aufsichtsrates neu besetzt werden musste.

Vor allem Geschäfte in Italien und Spanien: Schließungswelle bei Douglas

Auch Deutschlands größte Parfümeriekette Douglas will zahlreiche Filialen – fast jede siebte – schließen. Der Konzern reagiere mit dem Aus für rund 60 der mehr als 430 Filialen auf die immer schnellere Verlagerung der Umsätze ins Internet, sagte Douglas-Chefin Tina Müller am Mittwoch in Düsseldorf. Rund 600 der über 5.200 Beschäftigen in den deutschen Filialen verlieren dadurch ihre Jobs.

Europaweit schließt Douglas sogar mehr als jede fünfte Filiale – insgesamt rund 500 der bislang 2.400 Parfümerien. Betroffen sind rund 2.500 der 20.000 Douglas-Mitarbeiter. Die Schließungswelle trifft vor allem Geschäfte in Italien und Spanien.

Douglas habe in den vergangenen Monaten das gesamte Filialnetz auf den Prüfstand gestellt, weil immer mehr Kunden online einkauften, berichtete Müller. Corona habe diesen Trend noch einmal beschleunigt. Die Douglas-Chefin betonte, sie sei zuversichtlich, dass das verkleinerte Filialnetz "zukunftsfähig ist für die nächsten Jahre". Doch werde der Trend zum Online-Einkauf weitergehen – wie weit, das lasse sich aktuell nicht vorhersagen.

Das von der COVID-19-Pandemie geprägte Geschäftsjahr 2019/20 brachte für das Unternehmen ein durchwachsenes Ergebnis. Zwar konnte Douglas dank seiner starken Online-Präsenz die Auswirkungen der Pandemie auf den Umsatz in Grenzen halten. Er sank um 6,4 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Doch das operative Ergebnis ging um 16,7 Prozent auf 292 Millionen Euro zurück. Und unter dem Strich musste der Konzern nicht zuletzt wegen hoher Wertberichtigungen sogar einen Verlust von 517 Millionen Euro ausweisen.

Hervorragend liefen vor allem die Geschäfte im Internet. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr stiegen die E-Commerce-Umsätze um 40,6 Prozent auf 822 Millionen Euro. Im Kalenderjahr 2020 habe die Parfümeriekette sogar erstmals mehr als eine Milliarde Euro Umsatz im Internet gemacht, sagte Müller. Dabei sei das E-Commerce-Geschäft genauso profitabel wie das Geschäft in den Filialen. Europaweit liegt der Umsatzanteil des Onlinehandels bei Douglas mittlerweile bei 25,4 Prozent, im wichtigen Heimatmarkt Deutschland sogar bei 39,9 Prozent.

"Kahlschlag" versus Restrukturierung bei MAN

Auch der Lastwagenbauer MAN verkündete am Dienstag den Abbau von 3.500 Stellen in Deutschland bis Ende nächsten Jahres. Ursprünglich hatte MAN den Abbau von 9.500 der 36.000 Stellen in Deutschland und Österreich geplant – davon etwa 5.600 im Lkw-Werk München, im Dieselmotorenwerk Nürnberg und im Komponentenwerk Salzgitter.

MAN soll völlig neu ausgerichtet und zu einem "führenden Nutzfahrzeughersteller im Bereich Elektro- und Wasserstoffantriebe" umgebaut werden. Der Standort Wittlich in Rheinland-Pfalz wird verkleinert, bleibt aber erhalten. Ziel sei, das Ergebnis von MAN mit der Neuaufstellung um "bis zu 1,7 Milliarden Euro" zu verbessern.

Betriebsratschef Saki Stimoniaris sagte, das Eckpunktepapier sichere die Zukunft der Arbeitsplätze und des Unternehmens: "Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in die einzelnen Standorte sind festgelegt." Die Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen sollen in diesem Jahr abgeschlossen werden.

MAN schwächelt bereits seit Jahren. Die EU-Klimavorgabe, bei Lastwagen bis 2025 um 15 Prozent und bis 2030 mindestens 30 Prozent weniger Kohlendioxid auszustoßen, erhöht den Druck. Dazu kommt die Corona-Krise.

Der Betriebsrat hatte die ursprünglichen Pläne zum Stellenabbau als "Kahlschlag" bezeichnet und war vor Gericht gegangen. Der Vorstand hatte sie als notwendige Restrukturierung bezeichnet, um mit dem eingesparten Geld in alternative Antriebe und die Digitalisierung investieren zu können.

Billigflieger Easyjet spart ebenfalls am Personal

Am Donnerstag verkündete auch der Billigflieger Easyjet Pläne, durch Stellenabbau zu sparen. Angesichts der Corona-Beschränkungen werde die Airline von Januar bis März höchstens zehn Prozent der eigentlich möglichen Flüge durchführen, wie die britische Fluggesellschaft am Donnerstag mitteilte. Easyjet bleibe aber flexibel, um Kapazitäten kurzfristig zu erhöhen, hieß es in einer Mitteilung. Umsatz und Passagierzahlen sind im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres (per Ende Dezember) massiv eingebrochen. Um Kosten zu sparen, baut die Airline Stellen ab.

Die Aktie gab am Donnerstag weiter nach. Sie war die vergangenen Tage genauso wie die anderer Airlines unter Druck geraten, weil die Aussicht auf längere Corona-Beschränkungen derzeit nicht einschätzen lässt, wann sich der Reiseverkehr normalisiert. Im Schnitt hat Easyjet die Erwartungen der Analysten sowohl beim Umsatz als auch bei den Passagierzahlen verfehlt.

Wegen der andauernden Unsicherheit traut sich Easyjet abgesehen von der Anzahl der Flüge im zweiten Quartal für das laufende Jahr keine konkrete Prognose zu. Im ersten Quartal brachen die Passagierzahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 87 Prozent auf 2,9 Millionen ein. Die Erlöse verringerten sich um 88 Prozent auf 165 Millionen Pfund (187 Millionen Euro). Aus Sicht von Easyjet fielen die Zahlen wie erwartet aus. Die Corona-Beschränkungen seien der Hauptgrund für die geringe Nachfrage, erklärte Easyjet-Chef Johan Lundgren.

Das bereits im vergangenen Jahr angekündigte Sparprogramm sei auf dem richtigen Weg, hieß es nun. Dazu gehöre auch, Stellen abzubauen, was zum großen Teil bereits erfolgt sei. 1.400 Mitarbeiter haben laut Easyjet in Großbritannien bereits das Unternehmen verlassen. Zudem habe die Mehrheit der in Großbritannien stationierten Piloten Saisonverträge erhalten.

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(dpa/rt)

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