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Medienbericht: Wirtschaftsministerium plant erzwungene Ladepausen für Elektroautos

Einem Bericht der "Welt am Sonntag" zufolge plant das Bundeswirtschaftsministerium, Stromanbietern einen zeitlich begrenzten "Blackout" zu gestatten, wenn eine Überlastung des Stromnetzes droht. Betroffen wären davon vor allem Besitzer von Elektroautos.
Medienbericht: Wirtschaftsministerium plant erzwungene Ladepausen für ElektroautosQuelle: AFP © Daniel Leal-Olivas

Der Welt am Sonntag zufolge will das Bundeswirtschaftsministerium Stromanbietern durch eine Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes die Möglichkeit einräumen, große Verbraucher wie Elektroautos und Wärmepumpen zeitweise ferngesteuert vom Netz zu nehmen. Das gehe aus einem Gesetzentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums hervor, der der Redaktion von Welt am Sonntag vorliegen soll.

In dem geplanten Gesetz soll unter dem Paragrafen 14a die sogenannte Spitzenglättung geregelt sein. Dieser sehe vor, dass "steuerbare Verbrauchseinrichtungen", zu denen Elektroautoladestationen und Wärmepumpen gehören sollen, für bis zu zwei Stunden pro Tag keinen Strom mehr bekommen, wenn andernfalls eine Überlastung des Netzes drohen würde, wie die Welt am Sonntag schreibt.

Die Zeitung zitiert die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) Hildegard Müller, die das Vorhaben scharf kritisiert: "Was Spitzenglättung genannt wird, bedeutet für die Kunden leider Abschalten", so Müller in der Welt am Sonntag. Und weiter: "Wenn das kommt, wäre es sehr schlecht für alle Besitzer von E-Autos und die Unternehmen, die jetzt E-Autos auf den Markt bringen."

Das Wirtschaftsministerium habe einen "einseitigen Vorschlag zugunsten der Energiewirtschaft" vorgelegt. Das gefährde die Akzeptanz von E-Autos. "Wenn das Gesetz so beschlossen wird, wirft es Deutschland klar zurück auf dem Weg zur klimaneutralen Mobilität", so Müller weiter gegenüber der Welt am Sonntag. Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (VZBV) kritisiere den Gesetzentwurf laut der Zeitung. Er müsse nachgebessert werden.

Begrüßt werde der Entwurf hingegen vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), so der Bericht weiter. "Die Spitzenglättung ist das Ergebnis eines langen, gutachterlich gestützten Prozesses im Bundeswirtschaftsministerium", erklärte BDEW-Chefin Kerstin Andreae, bis vor gut einem Jahr 17 Jahre lang Abgeordnete für Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag. "Dabei wurden auch Alternativen diskutiert, aber wir sind überzeugt, dass die Spitzenglättung das am besten geeignete Instrument ist, um die Netzstabilität zu gewährleisten."

Dem Energieverband BDEW gehe es darum, die Kosten für den Netzausbau gering zu halten, so Andreae weiter. "Es ist ineffizient, die Netze so auszubauen, dass auch noch in absoluten Spitzenzeiten die letzte Kilowattstunde geliefert werden kann, wenn eine kleine zeitliche Verschiebung des Verbrauchs ohne Komforteinbußen für die Kunden möglich ist", so die BDEW-Chefin weiter in der Welt am Sonntag. "Dass wir unsere Netze weiter ausbauen müssen und werden, ist klar."

Es gebe derzeit "verschiedene Ansätze und Diskussionsvorschläge", wie man die Stabilität der Stromnetze aufrechterhalten könne, erklärte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums gegenüber der Zeitung. "Aktuell gibt es noch keine abschließende Entscheidung, mit welchem Ansatz das Ziel bestmöglich erreicht werden kann."

Laut Welt am Sonntag, die sich auf Regierungskreise bezieht, könnte der Entwurf noch einmal überarbeitet werden. Die Spitzenglättung werde wohl im Gesetz bleiben, allerdings könnte die Definition geändert werden, welche Verbraucher abgeschaltet werden dürfen. Elektroautos und Wärmepumpen könnten herausgenommen werden, so der Bericht.

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