Deutschland

Urteil im größten Doping-Prozess in Deutschland: Fast fünf Jahre Haft für Erfurter Arzt

Im größten Doping-Prozess in Deutschland ist ein Urteil gefallen. Der Hauptangeklagte, ein Erfurter Arzt, erhielt eine Haftstrafe von knapp fünf Jahren, seine Helfer wurden ebenfalls schuldig gesprochen. Mehr als 20 Athleten waren mit Blutdoping versorgt worden.
Urteil im größten Doping-Prozess in Deutschland: Fast fünf Jahre Haft für Erfurter ArztQuelle: www.globallookpress.com © Christian Ohde/face to face

Bei der nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Seefeld teilte der Langläufer Johannes Dürr Ermittlern mit, sein Arzt Mark Schmidt habe ihn mit Doping versorgt. Es folgten Razzien in Erfurt unter dem Titel "Operation Aderlass". Vor dem Landgericht München II war drei Monate lang verhandelt worden. Der Vorwurf gegen Schmidt und dessen vier Helfer lautete, er habe mehr als 20 Athleten des Winter- und Radsports über Jahre mit Blutdoping behandelt. An diesem Freitag fiel das Urteil. 

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Schmidt mehrere Winter- und Radsportler über Jahre mit Blutdoping behandelte. Zudem verabreichte er einer österreichischen Mountainbikerin in einem Fall ein Präparat, das nicht für den Gebrauch an Menschen zugelassen war. Der 42-Jährige wurde deshalb von der Strafkammer unter dem Vorsitz von Richterin Marion Tischler auch wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Als wichtigster Helfer des Mediziners erhielt der Handwerker Dirk Q. eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Die Krankenschwester Diana S. wurde zu einem Jahr und vier Monate auf Bewährung verurteilt. Der Notfallsanitäter Sven M. und Ansgard S. erhielten Geldstrafen. Gegen die Urteile sind Rechtsmittel möglich, sie sind noch nicht rechtskräftig. Alle fünf hatten – teils umfassende – Geständnisse abgelegt. 

Doping-Arzt als Helfer

Einen Gewinn, so Schmidt, habe er damit nicht machen wollen. Er habe nur seine Unkosten des aufwendigen Verfahrens decken wollen. Seine Athleten hätten meistens 5.000 Euro pro Jahr zahlen müssen. Dem entgegen stand etwa die Aussage des Radprofis Georg Preidler. Dieser gab an, der Arzt habe den Preis des Dopings an den Einkünften der Sportler festgemacht. Preidler selbst hätte zu Beginn zwei kostenlose Spritzen erhalten. Seine Kunden hatten Tarnnamen. 

Bei dem Blutdopingverfahren wird das Blut aus dem Körper des Sportlers entnommen, Blutkörperchen mit einer Zentrifuge vom Blutplasma getrennt, dann mit Glycerol haltbar gemacht und vor dem Wettkampf wieder injiziert. Dabei könnte es auch zum Einsatz von Genpräparaten gekommen sein. 

Mit Schmidts Hilfe wurde nicht nur in Deutschland gedopt, sondern auch in Österreich, der Schweiz, Estland, Kasachstan, Kroatien, Slowenien und Italien. Der Allgemeinmediziner hatte die Vorwürfe bereits eingeräumt, und sein Verteidiger gab an, sein Ziel sei es schlicht gewesen, den Sportlern zu helfen. Doping sei nun mal Teil des professionellen Sports und eine nicht-professionelle Hilfe bringe eine große Gesundheitsgefahr mit sich. 

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, blickte gespannt auf das Urteil: 

"Das Urteil dürfte Auswirkungen auf den gesamten Weltsport haben." 

Die Karriere des Arztes als Doping-Helfer begann, nachdem er nicht mehr Teamarzt des Profi-Radteams Milram war. Ebenfalls vor Gericht standen vier Helfer. Es handelte sich hierbei seit Inkrafttreten des Anti-Doping-Gesetzes in Deutschland Ende 2015 um den größten deutschen Anti-Doping-Prozess. Der Verteidiger des Arztes hatte eine dreijährige Haftstrafe für seinen Mandanten gefordert. Die Staatsanwaltschaft hatte fünfeinhalb Jahre gefordert. Seit Februar 2019 saß Schmidt in Untersuchungshaft. 

Das Sportlerbündnis Athleten Deutschland forderte harte Strafen. Ihr Geschäftsführer Johannes Herber teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: 

"Ein effektiver Anti-Doping-Kampf muss sich zwingend mit den Netzwerken und Personen, die Doping ermöglichen, auseinandersetzen."

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(rt/dpa)