Deutschland

Ärztepräsident fordert frühe Impfung niedergelassener Ärzte

Obwohl die Impfbereitschaft unter dem medizinischen Personal gering ist, fordert Ärztepräsident Klaus Reinhardt, dass die Impfung niedergelassener Ärzte schneller geschehen müsse. Denn diese bilden laut Reinhardt einen wichtigen "Schutzwall" für die überlasteten Kliniken.
Ärztepräsident fordert frühe Impfung niedergelassener ÄrzteQuelle: www.globallookpress.com © Wolfgang Kumm/dpa

Ärztepräsident Klaus Reinhardt fordert, dass die Impfung der niedergelassenen Ärzte schneller geschehen müsse als von der Bundesregierung geplant. Dass niedergelassenen Ärzte in der Prioritätenliste weiter unten stünden, sei für die Bewältigung der Corona-Krise riskant, erklärte er gegenüber der Rheinischen Post. Die Praxen würden "einen wichtigen Schutzwall" für die ohnehin überlasteten Kliniken bilden, der keine "Risse" durch mutmaßlich krankheitsbedingte Ausfälle bekommen dürfe.

Ärzte und auch ihre Mitarbeiter sollten deshalb "so früh wie möglich" geimpft werden. Auch ambulant tätige Ärzte sollten laut Reinhardt frühzeitig geimpft werden, da diese auch bei der Versorgung von Krankheitsfällen mit Bezug zu Corona in der ersten Reihe stünden. Dabei lässt Reinhardt jedoch außer acht, dass die Impfung, zumindest bisher, freiwillig sein soll – und die Impfbereitschaft unter dem medizinischen Personal gering ist.

Laut einer Umfrage vom 17. November liegt der Wert auf einer Skala von 1 (auf keinen Fall impfen) bis 7 (auf jeden Fall impfen) für eine Corona-Impfung demnach bei 4,45 innerhalb der Gesamtbevölkerung. In der Gruppe, die einen Gesundheitsberuf ausübt – darunter zählen Ärzte, Krankenpfleger oder auch Apotheker – ist die Impfbereitschaft laut der Umfrage mit einem Wert von 3,98 mit Abstand am geringsten.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble fordert eine höhere Priorisierung für Bundestagsabgeordnete, da der Staat "handlungsfähig bleiben müsse". Er setzte sich auch dafür ein, bestimmte Gruppen des medizinischen Personals von der zweiten in die erste Gruppe der Prioritätenliste zu versetzen. Der Sprecher der Deutschen Polizeigewerkschaft, Jürgen Köhnlein, fordert indes eine höhere Priorisierung für Polizeibeamte:

"Insbesondere die Polizeibeamtinnen und -beamten im Streifendienst kommen häufig mit vielen Menschen in näheren Kontakt und haben daher ein höheres Ansteckungsrisiko."

Unterdessen steht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in der Kritik, da es nur eine Rechtsverordnung für die Prioritätenliste der Massenimpfungen gebe. Vertreter der FDP und der Linken forderten, dass man die Parlamente in die Entscheidungen mit einbindet, um so mehr Vertrauen zu schaffen. Doch laut Spahn sei das Verhalten bereits transparent, da man mit dem Bevölkerungsschutzgesetz bereits eine rechtliche Grundlage habe.

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