Deutschland

Umfrage: Corona-Impfbereitschaft sinkt und ist am niedrigsten unter dem Gesundheitspersonal

Zwar könnte bald ein Corona-Impfstoff in der EU zugelassen werden, aber die Impfbereitschaft in Deutschland fällt laut einer Umfrage immer geringer aus. Am niedrigsten ist die Impfbereitschaft ausgerechnet unter Menschen, die in Gesundheitsberufen arbeiten.
Umfrage: Corona-Impfbereitschaft sinkt und ist am niedrigsten unter dem GesundheitspersonalQuelle: Gettyimages.ru

Immer weniger Menschen wollen sich gegen COVID-19 impfen lassen. Anfang Dezember war nur noch die Hälfte der Befragten zu einer Impfung bereit – ein neuer Tiefstand.

Das geht aus der  COVID-19-Snapshot-Monitoring-Studie (COSMO) hervor – ein Gemeinschaftsprojekt unter anderem der Universität Erfurt, des Robert Koch-Instituts und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Die Gründe für die (fehlende) Impfbereitschaft werden mit der 5C-Skala ermittelt: Erfasst werden das Vertrauen in die Wirksamkeit und die Sicherheit der Impfung, dann die Risikowahrnehmung, d. h. wie hoch sehen die Befragten die Bedrohung durch COVID-19. Auch die Barrieren, also die Frage, wie hoch der Aufwand ist, sich impfen zu lassen, spielen bei den Antworten eine Rolle. Zudem wird geschaut, wie hoch die Befragten Kosten und Risiken einer Impfung einschätzen. Zum Schluss der Befragung wird das Verantwortungsgefühl gegenüber der Gemeinschaft ergründet.

Als die Pandemiewelle ihren ersten Höhepunkt erreicht hatte, hatten sich noch 70 Prozent der Befragten zur einer Impfung bereit erklärt. Doch bis zum Dezember ist die subjektiv empfundene Wahrscheinlichkeit, irgendwann doch angesteckt zu werden, immer stärker gesunken. Anfang Dezember fanden nur noch 37 Prozent der Befragten, dass es "extrem oder eher wahrscheinlich" sei, sich anzustecken. 41 Prozent bezeichneten eine Ansteckung als "extrem oder eher unwahrscheinlich".

Seit dem erneuten Teil-Lockdown bleibt die Anzahl derjenigen, die die Corona-Maßnahmen als "übertrieben" einschätzen, mit 27 Prozent weitgehend konstant. Für 61 Prozent sind die Maßnahmen "nicht übertrieben".

Die Sorge vor einer Überlastung des Gesundheitssystems treibt viele Menschen um. Auf einer Skala von 1 (sehr wenig Sorgen) bis 7 (sehr viel Sorgen) liegt dieser Wert seit November bei über 5.

52 Prozent der Menschen, die eine Impfbereitschaft zeigen, wollen vor allem ihre eigene Gesundheit schützen. Bei 24 Prozent von ihnen spielen die Vermeidung pandemiebedingter Nachteile wie restriktiver Corona-Maßnahmen, darunter die Kontaktreduktion, eine größere Rolle.

Gesundheitspersonal hat geringste Impfbereitschaft

Die Bereitschaft zur Impfung gegen COVID-19 fällt kaum höher aus als im Fall der Grippe-Impfung. Auf einer Skala von 1 (auf keinen Fall impfen) bis 7 (auf jeden Fall impfen) liegt der Wert für eine Corona-Impfung demnach bei 4,45 innerhalb der Gesamtbevölkerung. Bei der Grippe-Impfung fällt die Bereitschaft mit 4,2 nur geringfügig niedriger aus. Die letzte Befragung zur Impfbereitschaft fand am 17. November statt. 

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt in einem Entwurf, die Impfungen zunächst Personengruppen mit besonders hohem Risiko für schwere oder tödliche Krankheitsverläufe anzubieten sowie Gruppen, die beruflich besonders exponiert sind oder engen Kontakt zu Risikogruppen haben. 

Auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble plädiert dafür, Beschäftigte im Gesundheitssektor zu bevorzugen. "Ich persönlich würde die Menschen, die mit Infizierten arbeiten müssen oder mit Alten und Kranken zu tun haben, an der ersten Stelle priorisieren. Sie haben ein extrem hohes Risiko, sich mit Corona zu infizieren. Und wenn zu viele Ärzte und Pflegekräfte ausfallen, stehen wir vor einem riesigen Problem", sagte Schäuble in der Welt am Sonntag.

Doch ausgerechnet in der Gruppe, die einen Gesundheitsberuf ausübt – darunter zählen Ärzte, Krankenpfleger oder auch Apotheker – ist die Impfbereitschaft laut der Umfrage mit einem Wert von 3,98 mit Abstand am geringsten. 

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