Deutschland

Deutsche Schwimmverbände warnen: Generation von Nichtschwimmern als Folge der Corona-Maßnahmen

Die Schließung der öffentlichen Schwimmbäder gefährdet deren Weiterexistenz. Die DLRG warnt: "Schon jetzt können nur 41 Prozent der Kinder schwimmen". Der Lockdown bewirke eine Entwöhnung von Sport und Schwimmen. Staatliche Entschädigungen für Bäder werden gefordert.
Deutsche Schwimmverbände warnen: Generation von Nichtschwimmern als Folge der Corona-MaßnahmenQuelle: Gettyimages.ru © miljko / E+ / Getty Images

Seit dem 2. November sind die Schwimmbäder in Deutschland geschlossen. In manchen Bundesländern hatten diese erst seit Juni wieder geöffnet – teilweise mit sehr limitierten Zugangskontingenten, um Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Die neue Schließung bedroht grundsätzlich den Weiterbetrieb kommunaler Bäder.

Der Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Achim Wiese, äußerte sich besorgt über die aktuelle Lage – es drohe eine Generation von Nichtschwimmern:

Die Schwimmfertigkeit in Deutschland nimmt noch mal einen heftigen Knick nach unten, das ist eine dramatische Entwicklung. Schon jetzt können nur 41 Prozent der Kinder, die die Grundschule verlassen, sicher schwimmen. Da haben wir einen riesigen Nachholbedarf nach Corona.

Der Vizepräsident des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), Wolfgang Hein, sprach von einem "deutlichen Einschnitt". Das zeige sich besonders bei Kindern, diese seien von der Bewegung entwöhnt. Schwimm- und Sportvereine haben ihre Angebote eingestellt. Die Folge sei ein zunehmender Medienkonsum. Hein forderte, nach dem Teil-Lockdown müssten die Bäder den Vereinen mehr Zeit für Schwimmkurse einräumen.

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Zahlreiche Schwimmbäder in ihrer Existenz bedroht

Die im Rahmen von Corona-Maßnahmen angeordneten Schließungen bedrohen die Existenz vieler kommunaler Schwimmbäder. Ihr Weiterbetrieb ist ohne die Einnahmen der öffentlichen Nutzung nicht gesichert. Schon vor der Corona-Krise nahm die Zahl der öffentlichen Schwimmbäder kontinuierlich ab. Nach Angaben der DLRG haben seit dem Jahr 2002 1.400 von 7.700 Schwimmbädern in Deutschland geschlossen. Jedes Jahr schließen etwa 80 Schwimmbäder. Der "Sanierungsstau im Bereich der Bäder" liege etwa bei 4,5 Milliarden Euro.

Mit der Kampagne "Rettet die Bäder" versuchte die DLRG, dem entgegenzuwirken. Eine von 120.000 Menschen unterzeichnete Petition wurde im Juli 2020 dem Bundestag übergeben.

Schwimmbäder sind eine Daseinsvorsorge. Die Kultusministerkonferenz hat klargestellt, dass das sichere Schwimmen zur Ausbildung im Schulunterricht gehört. Wie soll das durchgeführt werden, wenn keine Schwimmbäder vorhanden sind?", sagte DLRG-Sprecher Wiese.

Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) sprach sich Ende Oktober – im Vorfeld der Einführung der Corona-Maßnahmen – deutlich für einen Weiterbetrieb der Schwimmbäder aus. Mit aufwendigen Hygienekonzepten hätten die Mitarbeiter der Schwimmbäder den Betrieb im Mai beziehungsweise Juni wieder aufgenommen.

Dabei hat sich gezeigt, dass die Gäste sich wohl und sicher fühlen können – es gab weder Infektionsherde noch 'Hotspots' in den öffentlichen Bädern. Diese tun alles für die Sicherheit ihrer Besucher und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Der zweite Lockdown der Schwimmbäder sei "nicht nur ein direkter wirtschaftlicher Schaden" – auch "volkswirtschaftlich ist der Schaden bei einer erneuten Schließung unermesslich (Stichwort: Public Health)". Die DGfdB spricht sich für staatliche Entschädigungen für die Folgen des Lockdowns aus. "Nur so können weitere Schließungen von Bädern und Insolvenzen bei deren Dienstleistern und Zulieferbetrieben verhindert werden".

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(rt/dpa)