Deutschland

"Leuchtturm in der Dunkelheit" – Vater von Julian Assange nimmt Kölner Karlspreis in Empfang

In Köln nahm John Shipton stellvertretend für seinen Sohn Julian Assange den diesjährigen Karlspreis der Neuen Rheinischen Zeitung entgegen. Im Gespräch mit RT Deutsch bedankte sich Shipton bei den vielen Unterstützern aus Deutschland, die sich für seinen Sohn einsetzen.
"Leuchtturm in der Dunkelheit" – Vater von Julian Assange nimmt Kölner Karlspreis in EmpfangQuelle: RT © Felicitas Rabe

Der Kölner Karlspreis für engagierte Literatur und Publizistik wird alljährlich von der Redaktion der Neuen Rheinischen Zeitung (NRhZ) vergeben. Es werden Personen ausgezeichnet, die mit ihrer journalistischen und publizistischen Arbeit einen besonderen Beitrag zur Aufklärung der Öffentlichkeit leisten und sich für eine gerechtere und friedlichere Welt einsetzen. 

Am Freitag wurde der diesjährige Kölner Karlspreis an die Eventmanagerin und Sängerin Sabiene Jahn aus Koblenz und den australischen Medienaktivisten und Journalisten Julian Assange verliehen. Die Auszeichnung fand während der Ausstellungseröffnung für das Kunstwerk "Anything to Say?" des italienischen Bildhauers Davide Dormina vor dem Kölner Dom statt. Die Skulptur thematisiert ebenfalls den Mut und die Risikobereitschaft der drei bekanntesten Whistleblower unserer Zeit: Edward Snowden, Chelsea Manning und Julian Assange. Lebensgroß nachgebildet werden sie auf Stühlen stehend präsentiert.  

Die Präsentation der Skulptur und die Preisverleihung wurden von Anneliese Fikenscher von der NRhZ unter Anteilnahme der Öffentlichkeit moderiert. Engagierte Redner, wie zum Beispiel der Publizist Herrman Ploppa, würdigten das Engagement der Whistleblower und deren Bedeutung für die Gesellschaft. Es nahmen auch einige Vertreter von Assange-Unterstützergruppen aus ganz Deutschland teil, auch sie repräsentieren die große Wertschätzung für Assanges Engagement und dessen Kampfgeist. Die Stadt Köln sorgte mit ihrer völligen Zurückhaltung von Polizei und Ordnungshütern für eine würdige Atmosphäre bei der Ehrung von mutigen Menschenrechtsaktivisten unserer Zeit. 

Julian Assange erhält den Kölner Karlspreis vor allem für seine Bereitschaft, sich auch unter großen persönlichen Opfern dafür einzusetzen, dass die Menschen die Wahrheit über Missstände in der Welt erfahren. So wird er seit mittlerweile seit elf Jahren in England gefangen gehalten, weil er über die Internetplattform WikiLeaks geheime Dokumente veröffentlichte, die Kriegsverbrechen des US-Militärs im Irak belegen. Seit eineinhalb Jahren befindet er sich im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh in London in Isolationshaft. Dem Australier droht weiterhin die Auslieferung in die USA, wo ihn eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Hochverrats erwartet. 

Stellvertretend für Julian Assange nahm dessen Vater John Shipton den Preis in Köln in Empfang. Auf der Veranstaltung berichtete Shipton, warum jede Auszeichnung für seinen Sohn wichtig sei. Mittlerweile habe er 26 Preise für engagierten Journalismus erhalten. Dies sei ein Beleg für die große Anerkennung, die die Arbeit von WikiLeaks in der Öffentlichkeit erfahre. Die Informationen von Edward Snowden, Chelsea Manning und Julian Assange seien für die Menschen von existentieller Bedeutung – für das Leben von Müttern, Vätern und Kindern. Dies würde durch die Preisverleihungen verdeutlicht und sei der Grund, warum jeder Preis zähle. 

In seiner Dankesrede erläuterte John Shipton auch, welchen Wert jedes einzelne Leben für WikiLeaks und Julian Assange habe. Als der WikiLeaks-Redakteur Patrick Hennigsen die Veröffentlichung des "Collateral Murder"-Videos vorbereitete, reiste er 2010 unter großen Gefahren nach Bagdad, um die Namen der 18 von den US-Militärs ermordeten Zivilisten heraus zu finden. Er wollte ihre Namen im Video aufführen, weil es uns als Menschen ausmache, dass wir uns an die Namen unserer Verstorbenen erinnern. Menschlichkeit zeichne sich dadurch aus, dass der Wert eines jeden Leben zählt, so Shipton. 

Anlässlich der Preisverleihung sprach Felicitas Rabe mit John Shipton. 

Herr Shipton, wie sieht die aktuelle Situation von Julian Assange aus?

Im Moment wird er weiter als Inhaftierter der Klasse B im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh in London gefangen gehalten. Seine Inhaftierung wird andauern, bis ihn entweder der High Court (Oberste Gerichtshof) gegen Kaution frei lässt, die Auslieferungsklage scheitert oder der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ihn frei lässt. Seine Anwälte gehen davon aus, dass der High Court in England die Auslieferung abschmettern wird, da der Staatsanwalt keine Klage vorliegt. 

Wie können Sie zurzeit mit ihm den Kontakt halten? Erfahren Sie regelmäßig, wie es ihm geht?

Aktuell bekomme ich aufgrund der COVID-19-Pandemie keine Besuchserlaubnis. Es ist uns aber häufiger gestattet, für die Dauer von zehn Minuten zu telefonieren. Seitdem er elf Jahre in Gefangenschaft lebt, davon eineinhalb Jahre in Hausarrest, siebeneinhalb Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London und nun eineinhalb Jahre im Hochsicherheitsgefängnis in Belmarsh, geht es Julian nicht gut. Er ist psychisch sehr beeinträchtigt und leidet an Depressionen. Außerdem ist er auch körperlich krank.   

Wie hat Julian Assange es aufgenommen, dass er den Kölner Karlspreis für engagierten Journalismus verliehen bekommt? 

Julian hat sich sehr über die Auszeichnung gefreut. Er weiß, dass ich gerade in Köln bin und den Preis an seiner Stelle entgegennehme. Für ihn zählt jeder einzelne Mensch, der sich für einen aufrechten und wahrheitsgemäßen Journalismus einsetzt. Und für ihn zählt jede Stimme, die Öffentlichkeit für seine Situation herstellt und sich für ihn einsetzt. 

Wie bewerten Sie die Unterstützung und das Engagement für die Freilassung von Julian Assange in Deutschland?

Wenn es überall soviel Unterstützung für Julian gäbe wie in Deutschland, wäre Julian schon frei. Die deutschen Unterstützer sind so wunderbar – sie üben einen besonders großen Druck aus und sorgen für sehr viel Öffentlichkeit. Für mich sind Sie wie ein Leuchtturm in der Dunkelheit. In 29 deutschen Städten gibt es Mahnwachen und Komitees für Julian. 

Was möchten Sie unseren Lesern noch gerne mitteilen? 

Wir sollten uns immer bewusst sein, dass es bei der Verfolgung von Julian darum geht, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu vertuschen. Es handelt sich bei diesen Verbrechen um Verbrechen gegen uns als Menschheit. Es handelt sich um Verbrechen gegen uns, gegen unsere Brüder und unsere Schwestern. 

In den letzten 20 Jahren hat die Regierung in Washington sieben Länder terrorisiert und zerstört – Afghanistan, Irak, Sudan, Jemen, Libyen, Syrien. Dabei starben Millionen unschuldiger Kinder, Mütter und Väter. 38 Millionen Menschen mussten fliehen und wurden zu Vertriebenen. Ihre Leben wurden zerstört. Vergesst daher nie, worum es bei der Arbeit von WikiLeaks geht.

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