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"Lockdown fürs kapitalistische Patriarchat!": Mutmaßlicher Brandanschlag auf Berliner S-Bahn

Am Montagmorgen kam es zu andauernden Zugausfällen und Verspätungen der Berliner S-Bahn. Hierfür soll ein mutmaßlicher Brandanschlag verantwortlich sein. Im Zusammenhang zu einer geplanten Räumung in Friedrichshain ist ein Bekennerschreiben aufgetaucht.
"Lockdown fürs kapitalistische Patriarchat!": Mutmaßlicher Brandanschlag auf Berliner S-BahnQuelle: Gettyimages.ru © Dusan Bartolovic, gettyimages

Am Montagmorgen hat ein Feuer an einem zentralen Kabelkasten der S-Bahn in der Nähe von Ostkreuz und Frankfurter Allee zu einem Ausfall im Nahverkehr geführt. Es soll zu massiven Beeinträchtigungen des S-Bahn-Verkehrs gekommen sein sowie zu Unterbrechungen auf dem östlichen Bahnring. Zum Teil wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingesetzt.

Der Staatsschutz der Berliner Polizei, zuständig für politisch motivierte Delikte, hatte bereits am Vormittag die Ermittlungen wegen des Kabelbrandes aufgenommen. Diese sollen ergeben haben, dass der Brand vorsätzlich gegen 5 Uhr morgens gelegt worden sei.

Auf der Internetplattform de.indymedia.org wurde gegen 13 Uhr ein "Bekennerschreiben" veröffentlicht. In dem Schreiben mit dem Titel "Lockdown fürs kapitalistische Patriarchat!" wird auch auf die geplante Räumung der Liebigstraße 34, einem linken Hausprojekt mit Symbolcharakter in Berlin-Friedrichshain, hingewiesen. In dem "Bekennerschreiben" heißt es:

Sie machen so weiter wie bisher? Wir sabotieren die immer katastrophaler werdende Normalität. Sie wollen die Stadt am liebsten hochgefahren, wir fahren sie kurzfristig runter.

Gestörte Arbeitsabläufe, Verspätungen, kaputte Infrastruktur, economic damage: Jede Räumung, jede Zwangsräumung wird teuer werden für die Stadt. Eine Stadt, die alles vermarkten lässt. Die mit hohler HipsterCulture die Kieze kaputt macht. Eine Stadt, die weltoffen tut – für diejenigen, die Geld haben. Wir haben schon lange die Nase gestrichen voll von dem verlogenen liberalen Mist. (…)

Wir haben heute morgen an der Frankfurter Allee einen Brand an der Bahntrasse gelegt.
Eine Gefahr für Menschen haben wir ausgeschlossen. Zur Sicherheit haben wir den Brand in einen Abstand von mindestens 20 Metern zu dem Trafohaus gelegt, an dem ein wohnungsloser Refugee lebt. Zwei Zuleitungen zum Trafohaus von vier Kabelschächten waren unser Ziel. Zerstört hat das Feuer Signalkabel, Kommunikationskabel und Starkstromleitungen.

Im kapitalistischen Patriarchat ist es Gang und Gebe Rechnungen zu stellen. Eine militante Gruppe hat 34 Millionen Euro für die Räumung der Liebig 34 veranschlagt. Wir greifen diese Aufforderung auf. Da dies die einzige Sprache ist, die verstanden wird, servieren wir die dazugehörige Quittung. (…)

Der Zugbetrieb war zwischen den Bahnhöfen Neukölln und Frankfurter Allee über Ostkreuz am Montag unterbrochen, teilte die S-Bahn auf ihrer Internetseite mit.

Nach dem Brand kam es am Montag laut Auskunft der S-Bahn auf den Linien S41, S42, S45, S46, S47, S8, S85, S9, zu vermehrten Ausfällen und Verspätungen. Zwischen Neukölln und Frankfurter Allee wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, hierfür sollen 40 Busse bereitgestellt worden sein.

Zwischen Treptower Park und Neukölln fuhren die Buslinien 104 und 166. Diese halten auch am U-Bahnhof Rathaus Neukölln.

Zwischen Frankfurter Allee und Neukölln fuhren die Ringbahnlinien S41 und S42 im Zehn-Minuten-Takt über Gesundbrunnen und Südkreuz.

Voraussichtlich sollen erst ab Dienstag, 14 Uhr auf dem Abschnitt zwischen Frankfurter Allee und Neukölln wieder Züge fahren. Der südliche Abschnitt sei vom Kabelbrand stärker betroffen.

S45, S46, und S47 sollen planmäßig fahren. Die S8 verkehre zwischen Birkenwerder und Blankenburg sowie Grünau und Schöneweide. Die S9 soll zwischen den Bahnhöfen Flughafen Schönefeld und Schöneweide ebenso wie zwischen dem Ostbahnhof und Spandau fahren. Der Linienverkehr der S85 bliebe vorläufig eingestellt, heißt es auf der Internetseite der S-Bahn Berlin GmbH.

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