Deutschland

Spahn: Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten kommt diese Woche

Gesundheitsminister Spahn kündigt eine Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer an. Auch Lehrer und Erzieher sollen bald getestet werden. Vor einigen Monaten hatte Spahn noch gewarnt, dass man mit der Durchführung von Massentests zu viele "falsch Positive" angezeigt bekomme.
Spahn: Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten kommt diese WocheQuelle: Reuters © / Fabrizio Bensch

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat bekräftigt, dass die Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten im Laufe dieser Woche in Kraft treten soll. Einen genauen Termin nannte er aber am Montag im ARD-Morgenmagazin noch nicht. Spahn erklärte:

Wir haben erste Entwürfe. Wir wollen das gut abstimmen, auch mit den Ländern, da das ja auch vor Ort dann an den Flughäfen zum Beispiel oder an den Bahnhöfen gelebt werden können muss. Und deswegen finde ich es wichtig, es gut zu machen.

Er betonte, bis dahin gelte für alle Einreisenden aus Risikogebieten die Pflicht zu zwei Wochen Quarantäne. Er verwies zudem darauf, dass sich seit Samstag alle Einreisenden innerhalb von 72 Stunden nach der Ankunft in Deutschland auch ohne Krankheitsanzeichen kostenlos testen lassen können.

Auf die Frage, warum solche Testmöglichkeiten für Reiserückkehrer nicht schon früher geschaffen wurden, verwies Spahn darauf, dass man erst einmal Testkapazitäten habe aufbauen müssen.

Wir haben jetzt 1,2 Millionen Tests, die wir pro Woche schaffen können. Es wird im Moment etwa die Hälfte abgerufen.

Spahn rechnet mit einer Zunahme der Tests, neben Reiserückkehrern auch etwa bei Lehrern und Erziehern:

Wir werden sehen – da bin ich sehr sicher – in den nächsten Wochen, dass deutlich mehr getestet werden wird.

Mitte Juni hatte Spahn noch vor Massentests gewarnt – mit dem zutreffenden Argument, dass man bei einer Ausweitung der nicht völlig eindeutigen Tests "auf einmal viel mehr 'falsch Positive' " sehen werde. Wörtlich sagte Spahn damals dem Bericht aus Berlin:

Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir nicht nachher durch zu umfangreiches Testen – klingt jetzt total … da muss man erstmal um zwei Ecken denken – durch zu umfangreiches Testen zu viele 'falsch Positive' haben. Weil die Tests ja nicht 100 Prozent genau sind, sondern auch eine kleine, aber eben auch eine Fehlerquote haben. Und wenn sozusagen insgesamt das Infektionsgeschehen immer weiter runtergeht und Sie gleichzeitig das Testen auf Millionen ausweiten, dann haben Sie auf einmal viel mehr 'falsch Positive'. Das sind so die Dinge, mit denen man sozusagen erst konfrontiert wird in der weiteren Folge, und die Erkenntnisse. Und deswegen macht es schon auch noch Sinn: Wir machen das Angebot, mehr zu testen, das geht jetzt auch. Aber nicht einfach nur wild jeden Tag zu testen, sondern wenn, dann schon auch mit einem gewissen Ziel.

Als Risikogebiet gilt für die Bundesregierung ein Staat oder eine Region, wo es in den letzten sieben Tagen mehr als 50 "Neuinfizierte" – genauer gesagt positiv Getestete – pro 100.000 Einwohner gab. Dieser Wert liegt innerhalb der Fehlermarge der Tests.

Das heißt, selbst wenn von 100.000 Getesteten niemand tatsächlicher Träger von Virusmaterial ist, ergeben sich bereits allein durch den Test selbst mehr als 50 falsch-positive Befunde. Bei einer Falschpositivrate der Tests von 1,4 Prozent (Spezifität 98,6 Prozent) müssten pro 100.000 Bewohner lediglich rund 3.600 Personen, die sogar allesamt nicht Träger von Virusmaterial sein könnten, getestet werden, um 50 positive Testergebnisse ("Infizierte") zu erhalten – und so das Kriterium "Risikogebiet" selbst ohne "Massentests" zu erfüllen.

Ein weiteres Hochfahren der Tests wird notwendigerweise einen Anstieg der Zahl der positiven Testergebnisse nach sich ziehen, ohne dass diese beiden Variablen in der Berichterstattung miteinander ins Verhältnis gesetzt würden.

Mehr zum Thema - Worte, Zahlen, Bilder, "Nachrichten" – zur "verlässlichen Faktenlage" in der Corona-Krise

rt/dpa

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