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RKI veröffentlicht Testzahlen: Wo ist die "sich rasant entwickelnde Pandemie"?

Am Dienstag erklärte RKI-Chef Wieler, dass ihm die steigende Zahl der Corona-"Infektionen" "große Sorgen" bereite. Die nun durch das RKI veröffentlichten Testzahlen belegen allerdings, dass dieser Anstieg wenigstens zum Teil durch die Ausweitung der Tests bedingt wird.
RKI veröffentlicht Testzahlen: Wo ist die "sich rasant entwickelnde Pandemie"?Quelle: Reuters

Nachdem Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Institutes (RKI), am Dienstag von einer zunehmenden Zahl neu gemeldeter Corona-"Infektionen" gesprochen und in diesem Zusammenhang seine Sorge vor einer Trendumkehr in Deutschland ausgedrückt hatte, veröffentlichte das RKI in seinem Situationsbericht vom Mittwoch auf Seite zwölf wie jede Woche die Zahl der durchgeführten Tests. Diese Zahl lässt die Aussagen Wielers wenigstens fragwürdig erscheinen.

Laut dem RKI wurden in der vergangenen Woche, der 30. Kalenderwoche (KW), 563.553 Tests auf das Virus SARS-CoV-2 durchgeführt, mehr als jemals zuvor. Von diesen Tests waren 4.364 positiv, was einer Quote von 0,8 Prozent entspricht.

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In der 29. Kalenderwoche waren von 537.334 durchgeführten Tests 3.480 positiv (0,6 Prozent). Damit hat sich die Rate der positiven Tests tatsächlich minimal erhöht, allerdings hat diese Rate seit ihrem Höchststand Anfang April (neun Prozent positive Testergebnisse) immer geschwankt.

Anfang Juni (23. KW) lag sie bei 0,9 Prozent, sprang in der 25. KW auf 1,4, um in den Folgewochen auf 0,8 und schließlich 0,6 Prozent zu sinken. Alle diese Werte liegen innerhalb des Fehlerbereichs der Tests. Vor diesem Hintergrund die neueste Entwicklung als Trendumkehr zu bezeichnen, erscheint wenigstens gewagt. Allerdings übernahmen die Medien Wielers Darstellung kritiklos und warnten im Einklang mit der Politik wieder einmal vor der "zweiten Welle".

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Das gilt nicht nur für die Berichterstattung zu Deutschland. Am Mittwochnachmittag meldete die Nachrichtenagentur dpa: "Deutlicher Anstieg der Corona-Infektionen in der Schweiz". Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit habe 192 Neuansteckungen innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Die dpa ordnet diese Zahlen auf besondere Weise ein: "Das sind Zahlen, wie sie zuletzt Ende April verzeichnet wurden."

Was die dpa verschweigt: das Schweizer Amt veröffentlicht dankenswerterweise täglich auch die Zahl der durchgeführten Tests. Wenn man diese Zahl ins Verhältnis zu den positiven Tests setzt, lässt sich kein deutlicher Anstieg feststellen. Demnach wurden am Montag 1.965 Tests gemeldet, von denen 65 positiv waren, am Dienstag 4.728 Tests, davon 132 Positive, am Mittwoch 8.009 Tests, davon 192 positiv. Der behauptete Trend ist keiner.

Generell ist bemerkenswert, wie RKI, Politik und Medien sich fast ausschließlich auf die absoluten Zahlen konzentrieren. Durch die Fixierung auf diese Zahlen, das Vermelden immer neuer "Ausbrüche" und das Ausblenden der im Verhältnis sehr geringen Quote der positiven Tests wie auch der überwiegend milden oder symptomlosen Verläufe soll offenbar mit aller Macht der Eindruck der bedrohlichen Pandemie aufrechterhalten werden.

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