Deutschland

Heiko Maas warnt SPD in Debatte um Kanzlerkandidatur vor "Selbstverzwergung"

Die SPD brauche unbedingt einen Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2021, findet Heiko Maas. Alles andere käme einer "Selbstverzwergung" gleich. Obwohl jetzt nicht der Zeitpunkt für eine Kandidatendebatte sei, lässt Maas klar erkennen, wer sein Favorit ist.
Heiko Maas warnt SPD in Debatte um Kanzlerkandidatur vor "Selbstverzwergung"Quelle: AFP © / Louisa GOULIAMAKI

In der Debatte um den SPD-Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl im kommenden Jahr hat Bundesaußenminister Heiko Maas seine Partei aufgefordert, trotz der schlechten Umfragewerte nicht ohne Kanzlerkandidaten zur Wahl anzutreten. Maas sagte der Rheinischen Post und dem Bonner General-Anzeiger:

Es nicht zu tun, käme einer Selbstverzwergung gleich. Wir dürfen nur die alten Fehler nicht machen: Bei den letzten Wahlkämpfen war oft schon die Nominierung des Kandidaten der Anfang vom Ende. Das können wir entschieden besser.

Maas ließ in diesem Zusammenhang deutlich seine Sympathien für Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz erkennen, der im Rennen um den SPD-Vorsitz im vergangenen Jahr unterlegen war und derzeit in der Wirecard-Affäre unter Druck steht. Der Außenminister sagte:

Wir haben einen klasse Vizekanzler. Es gibt viele, die ihm zutrauen, kanzlertauglich zu sein. Ich auch.

Gleichzeitig warnte Maas kurioserweise vor einer parteiinternen Debatte zu dem Thema. Die SPD werde nicht den Fehler machen, "zur gegenwärtigen Zeit, wo das Land mit Corona voll beschäftigt ist, eine Kandidatendebatte zu führen". 

Die beiden Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans hatten im Frühjahr erklärt, für eine Kanzlerkandidatur nicht zur Verfügung zu stehen. Neben Scholz, gegen den aus Sicht linker Parteikreise auch seine Agenda-Vergangenheit spricht, wird auch der Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich wiederholt als möglicher Kanzlerkandidat genannt.

Mützenich hatte im Mai einen Abzug der US-Atomwaffen und ein Ende der nuklearen Teilhabe gefordert – und war damit bei dem in seiner Partei nicht sonderlich beliebten Maas und anderen Transatlantikern auf Widerstand gestoßen.

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