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Berlin: Quarantäne für sieben Wohnblöcke – Mehr als 350 Haushalte betroffen (Video)

Nach Dutzenden bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus in mehreren Wohnblöcken greift der Berliner Bezirk Neukölln zu drastischen Maßnahmen. Erstmals in der Corona-Krise wurden in der Hauptstadt mehrere Häuser unter Quarantäne gestellt.
Berlin: Quarantäne für sieben Wohnblöcke – Mehr als 350 Haushalte betroffen (Video)Quelle: www.globallookpress.com © Christoph Soeder / dpa

Die Bewohner von 369 Haushalten an sieben Standorten im Berliner Bezirk Neukölln dürfen wegen 57 bekannter positiver Fälle ihre Wohnungen 14 Tage lang nicht verlassen. Das gaben Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) und Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) am Dienstag in Berlin bekannt. Der Bezirk wollte sich nicht festlegen, wie viele Menschen von der Maßnahme betroffen sind. Pro Haushalt gebe es einen bis zehn Bewohner, damit könnten mehrere Hundert bis einige Tausend betroffen sein, hieß es. Obwohl auch Kinder unter den Infizierten sind, entschied sich der Bezirk zunächst gegen Schulschließungen.

Bezirk: Ausbruchsherd mutmaßlich im Kontext einer christlichen Gemeinde zu verorten

Tests auf SARS-CoV-2 bei Hausbewohnern und Kontaktpersonen sollen zur Eindämmung beitragen. Bisher getestet wurden Liecke zufolge 265 Menschen, die Tests sollen im Laufe der Woche andauern. Unter den Kontaktpersonen sind auch Kinder von zehn Schulen im Bezirk. Offenbar ist aber keine davon der Ausbruchsherd: Dieser sei "mutmaßlich im Kontext einer christlichen Gemeinde zu verorten", sagte Hikel.

Medienberichten zufolge war ein Pfarrer an COVID-19 erkrankt, der Bezirk nannte diesbezüglich aber keine Details. Hikel machte deutlich, dass auch nicht alle Infizierten der Gemeinde angehörten. Zunächst waren am 5. Juni Infektionen bei Schulkindern bekannt geworden, die weiteren bei der Nachverfolgung der Kontakte. Die meisten hätten milde Verläufe oder keine Symptome, hieß es.

Die Wohnverhältnisse vor Ort beschrieb Hikel als sehr beengt. Nachdem das Virus in Europa zunächst in Skigebieten grassierte, sei es nun auch in Mietskasernen angekommen, sagte der SPD-Politiker. Das sei nicht überraschend. Es treffe die "Schwächsten der Gesellschaft" – in diesem Fall auch Menschen, die sich keine größeren Wohnungen leisten könnten. Die Anschriften der betroffenen Blocks nennt der Bezirk bewusst nicht, sie lägen in verschiedenen Kiezen, hieß es.

Sozialarbeiter, Sprachmittler und Integrationslotsen vor Ort, um Quarantäne durchzusetzen

Ein betroffenes Haus war bereits zuvor bekannt geworden, es liegt nahe dem S-Bahnring zwischen Treptow und der Sonnenallee im Norden des Bezirks. Liecke zufolge leben in dem Haus mehrere große Familien. In Nordneukölln ist die Bevölkerung oft stark durchmischt – einige Kieze sind in den vergangenen Jahren stark aufgewertet worden. Die Fassaden sind renoviert, es gibt viele Cafés und Kneipen. Zu Hause sind dort zum Beispiel Studenten, Künstler und mittlerweile auch so manche Besserverdiener.

Der Bezirk steht nun vor der Herausforderung, die Quarantäne auch durchzusetzen: Sozialarbeiter seien vor Ort, ebenso Sprachmittler und Integrationslotsen, sagte Hikel. Wichtig sei, den Menschen die Tragweite der Quarantäne zu kommunizieren, um für Verständnis zu sorgen. Nicht alle sprächen Deutsch. Für den kurzfristigen Bedarf der Menschen in Quarantäne würden Hilfspakete organisiert.

Wenn der Bezirk von Quarantäne-Brechern erfahre, will er diese gezielt ansprechen – auch mit Nachdruck und gegebenenfalls mit Hilfe der Polizei. Wie Liecke sagte, wollten die Menschen natürlich gerade zu dieser Jahreszeit nach draußen, "die Kinder wollen spielen". Das mache das Vorgehen schwer. Der Bezirk überlege, ob etwa Hofbereiche für Menschen ohne positives Testergebnis freigegeben werden könnten.

Beim Infektionsgeschehen würden auch Verbindungen in andere Bezirke vermutet, etwa Reinickendorf, Spandau und Mitte, so Liecke. Die Corona-Entwicklung in der Hauptstadt bewegt sich laut dem Bewertungssystem der Gesundheitsverwaltung momentan nicht im kritischen Bereich. Fälle von Corona-Infektionen in größeren Häuserkomplexen waren auch schon aus Göttingen bekannt geworden.

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(dpa/rt)

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