Gesellschaft

"Flygskam" - die neue Scham vor dem Fliegen bald auch in Deutschland?

Flugscham, auf Schwedisch "Flygskam" ist eine Wortneuschöpfung, welche sich im Zuge der Proteste gegen den Klimawandel in Schweden formte. Nur noch hinter vorgehaltener Hand wird von Flugreisen berichtet. Den Deutschen ist diese Scham bislang noch unbekannt.
"Flygskam" - die neue Scham vor dem Fliegen bald auch in Deutschland?Quelle: Reuters © David Gray

Die "Fridays for Future" Proteste, ausgelöst von der jungen Klimaaktivistin Greta Thunberg aus Stockholm, ließen die junge Frau zu einer Ikone eines neuen Lebensstils werden, dem man sich in der schwedischen Gesellschaft kaum zu entziehen wagt. Greta lebt vegan und würde nie in ein Flugzeug steigen. Aufgrund der Klimaerwärmung fordert sie und ihre Bewegung die Verteuerung von Langstrecken-Flugreisen um 2.000 Euro pro Ticket, um die CO2-Emissionen zu verringern.

Ferienzeit ist Reisezeit und auch die Sommerferien sollten bald geplant sein - ohne Flugreise

Die durchschnittliche schwedische Familie wird im Sprachgebrauch auch als "Svensons" bezeichnet. Sie besteht aus einem Hund, Haus, Volvo und zwei Kindern. Rühmte man sich vor zwei Jahren noch mit Flugreisen ins Ausland, welche den Lebensstandard des Mittelstands manifestierten, so wird nun umgeplant. Auch wenn die Schweden gerne mal nach Florida oder Thailand flogen, so liegen diese Art Reisen nicht mehr im Trend - zu groß ist der Druck in der Gesellschaft.

Denn im letzten Jahr fand ein neues Wort Einzug in den schwedischen Sprachgebrauch: "Flygskam" (Flugscham). Statt mit dem Flieger ins Ausland zu reisen, fährt man jetzt entweder mit dem Zug oder mit dem E-Auto. Oder man verzichtet ganz und bleibt in schwedischen Gefilden in der Hütte am See oder auf einem Campingplatz. Die Wortneuschöpfung war auch dem Rekordsommer letzten Jahres in Schweden geschuldet. Die Folge waren Waldbrände durch Hitze und Trockenheit. In weiten Teilen Schwedens galt ein Grillverbot und Gärten durften nicht bewässert werden, um Wasser zu sparen.

Können Schuldgefühl und die Scham den Planeten retten? 

Auch der Reiseanbieter TUI Schweden hat reagiert und wirbt um die Kunden mit dem neuen Gewissen. Das Unternehmen verspricht für jede Reise, ohne Extrakosten für die Kunden, ab dem 1. Mai Klimaentschädigungen zu zahlen. Diese Option stünde bald für 2.000 Flugangebote und 200 Hotels zur Verfügung, wird versprochen und eingeräumt, dass dies nur ein kleiner Beitrag zur Rettung des Planeten sei.

Den Deutschen versucht die Initiative "Am Boden bleiben" ins Gewissen zu reden. Auf der Webseite der Organisation heißt es:

Wir wollen eine kritische Diskussion über Flugverkehr in Deutschland anstoßen und aus einer Klimagerechtigkeitsperspektive daran arbeiten, diesen zu reduzieren. 

Deutscher Reiserverband: Zahl der Flugreisen bei Buchungen nahm in den letzten Jahren stetig zu 

Bislang stieg die Zahl der Flugreisen der Deutschen in den letzten Jahren stetig an. Im letzten Jahr machten Flugreisen 41 Prozent aller Reisen aus, im Jahr 2000 waren es nur 30 Prozent. Für Langstreckenreisen entscheiden sich die Deutschen eher selten. Diese machen nur 8 Prozent aller Reisen aus, so der deutsche Reiseverband.  

In dem kürzlich vorgestellten Forderungskatalog von Fridays for Future heißt es: 

Der Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen muss schnell so hoch werden wie die Kosten, die uns zukünftigen Generationen dadurch entstehen. 

Der deutsche Bürger müsste durch die geforderte CO2-Steuer jährlich für seine Emissionen durch Reisen, aber auch Strom und Lebensmittel, 2089,80 Euro extra zahlen. Wie der Staat dann mit diesen Geldern verfahren würde, um den Planeten zu retten, ist nicht bekannt. Zuerst aber sollte der Konsument, nach Ansicht der Fridays for Future -Bewegung, abgestraft werden. 

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