Gesellschaft

Musik trotz Corona-Krise: Militärmusik Tirol schickt Video für Orchesterschau in Moskau

Auf dem Roten Platz in Moskau findet dieser Tage eine traditionelle Schau von Militärorchestern statt. Zwar haben einige ausländische Kapellen infolge der COVID-19-Pandemie ihre Teilnahme abgesagt, die Militärmusik Tirol ist aber mit einer Videoaufnahme dabei.
Musik trotz Corona-Krise: Militärmusik Tirol schickt Video für Orchesterschau in MoskauQuelle: Sputnik © ILJA PITALEW

Vom 27. August bis 5. September findet in der russischen Hauptstadt Moskau eine internationale Schau von Militärorchestern statt. Das Festival "Spasskaja Baschnja" ("Spasski-Turm") findet in diesem Jahr bereits zum 14. Mal statt. Coronabedingt nehmen daran jedoch nicht alle Kapellen teil, die sich ursprünglich angemeldet haben. Auch die Militärmusik Tirol aus Österreich versäumt nach einem Beschluss des einheimischen Verteidigungsministeriums die diesjährige Veranstaltung. Der Komponist und Dirigent Hannes Apfolterer hat aber einen Weg gefunden, bei der weltweit größten Veranstaltung solcher Art trotzdem mit von der Partie zu sein.

Eigentlich hätte es für den österreichischen Militärkapellmeister und seine Truppe bereits die dritte Teilnahme am Festival "Spasski-Turm" sein sollen. Außerdem war Oberst Apfolterer mehrmals als Ehrengast des spektakulären Musikevents in Moskau zu Besuch. Dabei freundete er sich mit zwei russischen Kollegen an – dem Gründer des Festivals Generalleutnant Sergei Chlebnikow und dem Hauptdirigenten der russischen Streitkräfte Waleri Chalilow.

Nachdem Chalilow Ende Dezember 2016 mit mehreren Musikern und Chorsängern unterwegs nach Syrien bei einem Flugzeugabsturz über dem Schwarzen Meer verunglückt war, komponierte Apfolterer binnen dreier Tage ein herzergreifendes Musikstück als Nachruf auf seinen russischen Freund. Anfang Januar 2017 ertönte diese Musik im Dom zu St. Jakob in Innsbruck. Später wurde das Musikstück mehrmals im russischen Fernsehen ausgestrahlt.

Für die diesjährige Orchesterschau "Spasski-Turm" bereitete sich die Militärmusik Tirol besonders gründlich vor. Die Musiker wollten direkt vor der Kremlmauer ein einmaliges Potpourri aus Werken mehrerer russischer und österreichischer Klassiker darbieten. Auf dem Programm standen darüber hinaus eigene Stücke Apfolterers. Geplant war auch ein gemeinsamer Auftritt mit Balalaika- und Domra-Spielern aus Russland. Nach Angaben der "Spasski-Turm"-Veranstalter hätte dies eine der spektakulärsten Nummern des Festivals sein können. Der österreichische Dirigent verfasste und druckte auf eigene Kosten eine Broschüre über die Militärmusik Tirol. Doch kurz vor dem Abflug nach Moskau beschloss die Militärbehörde in Wien, die Musiker angesichts einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus zu schonen.

Apfolterer fand jedoch keinen Grund, angesichts des aufgekündigten Auftritts zu resignieren. Der Militärkapellmeister mietete auf eigene Kosten ein Tonstudio und ließ das Programm aufnehmen. Danach reiste er mit seinen Musikern aus Innsbruck nach Wien, um mit Genehmigung des österreichischen Bundesministeriums für Landesverteidigung auf einem Innenhof der Rossauer Kaserne Musik zu spielen und ein Video des Auftritts aufzunehmen. Die Aufnahme wurde dann nach Moskau geschickt.

Somit wird die Militärmusik Tirol trotzdem bei der Militärorchesterschau in Moskau virtuell mit von der Partie sein. Voraussichtlich wird man das Video mit dem Auftritt der österreichischen Musiker im russischen Fernsehen zeigen. Die Balalaika- und Domra-Spieler, die ursprünglich zusammen mit der österreichischen Kapelle hätten spielen sollen, treten trotz des aufgekündigten Projektes jeden Abend am Rande des Hauptprogramms vor der Kremlmauer auf.

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