Gesellschaft

Legendäre Plattenhülle: Nirvana-Cover-Baby verklagt Band wegen angeblicher Kinderpornografie

Spencer Elden, der als das nackte Baby eines Nirvana-Albumcovers berühmt wurde, verklagt die Bandmitglieder wegen sexueller Ausbeutung. Seine zuvor positive Einstellung zu der Darstellung änderte der Künstler offenbar, nachdem die verbliebenen Bandmitglieder nicht an seiner Ausstellung teilnehmen wollten.
Legendäre Plattenhülle: Nirvana-Cover-Baby verklagt Band wegen angeblicher KinderpornografieQuelle: Reuters © REUTERS/Anthony Bolante

Spencer Elden, der als "Nirvana-Baby" von dem ikonischen Cover des Albums "Nevermind" bekannt wurde, verklagte in dieser Woche die Bandmitglieder wegen angeblicher Kinder-Pornografie.

Auf dem Cover des im Jahr 1991 erschienen Albums "Nevermind" der weltberühmten Grunge-Band Nirvana greift ein nacktes Baby in einem Swimmingpool nach einem mit einem Angelhaken durchbohrten Dollarschein – ein millionenfach verkauftes Album, dessen Bebilderung für Kapitalismuskritik steht. Juristisch gelten nicht-sexualisierte Fotos von Babys nicht als Pornografie. Auch Spencer Elden, der als heranwachsendes "Nirvana-Baby" zu Bekanntheit gelangte, schien dies lange nicht so zu sehen, stellte das Bild unter Wasser im Lauf der Jahre mehrmals nach und gab bekannten Medien Interviews. So auch im Jahr 2016, als das Album ein Viertel Jahrhundert alt wurde. Wie das Magazin Stereogum unter der Überschrift "'Nirvana Baby' will dir wirklich seinen Penis zeigen" schrieb: 

"Von Zeit zu Zeit gibt der Typ, der das Baby auf dem Cover von Nirvanas Nevermind war, ein Status-Update darüber heraus, ob er das Baby auf dem Cover von Nirvanas Nevermind war oder nicht."

Der auf den Nachstellungen aus den Jahren 2001, 2008 und 2016 mit einer Badehose bekleidete Elden habe demnach selbst mehrfach vorgeschlagen, das Bild nach dem Original – also splitternackt – erneut zu fotografieren. Die Badeshorts habe er nur getragen, weil der Fotograf den Vorschlag "komisch" fand, so Elden zur New York Post. Im Jahr 2015 sagte Elden der britischen Zeitung The Guardian:
"Früher oder später möchte ich einen Abzug von einem echten Reenactment-Foto machen, komplett nackt."

Doch nachdem es lange geschienen hatte, als würde der in Los Angeles als Künstler lebende Mann seinen Status geradezu zelebrieren, übte der damals 25-Jährige nur ein Jahr später erstmals Kritik. In einem Interview mit der australischen Ausgabe von GQ sagte Elden 2016, er sei "stinksauer". "In letzter Zeit habe ich darüber nachgedacht: 'Was wäre, wenn ich nicht damit einverstanden wäre, dass mein verdammter Penis allen gezeigt wird?' Ich hatte nicht wirklich eine Wahl."

Dem Time Magazine sagte Elden im selben Jahr, er habe bereits versucht, rechtliche Schritte gegen die Plattenfirma Geffen Records einzuleiten, sei aber "erfolglos" gewesen. Seit seiner Veröffentlichung hat sich "Nevermind" weltweit mehr als 30 Millionen Mal verkauft. Nachdem das Album mit Platin ausgezeichnet wurde, habe Geffen Records Elden offenbar eine Platinplakette und einen Teddybären als Dankeschön geschickt. Während alle an dem Album aktiv Beteiligten reich geworden seien, fühle er sich wie "das letzte bisschen Grunge-Rock. Ich wohne im Haus meiner Mutter und fahre einen Honda Civic."

Jetzt hat der nunmehr 30-jährige Elden Klage gegen die überlebenden Mitglieder der einflussreichen Band eingereicht und behauptet, das Bild sei sexuelle Ausbeutung von Kindern. In der am Dienstag bei einem Bundesgericht in Kalifornien eingereichten Klage behauptet Elden, er habe durch das Bild auf dem Cover des Albums lebenslange Schäden erlitten.

Sein Anwalt, Robert Y. Lewis, argumentiert, dass das Cover die Grenze zur Kinderpornografie überschreite, weil die Darstellung der Dollarnote das Baby "wie einen Sexarbeiter" erscheinen ließe. In der Klageschrift wird das Foto, das Kurt Cobain persönlich ausgewählt haben soll, als "Sexhandel" beschrieben, bei dem Elden "gezwungen wurde, kommerzielle sexuelle Handlungen vorzunehmen, als er noch keine 18 Jahre alt war". Außerdem soll Cobain nach Gegenwind in Bezug auf die Verwendung des Fotos zugestimmt haben, das Bild teilweise zu zensieren. Allerdings mit einem Aufkleber, der über die Genitalien platziert werden und den Text enthalten sollte: "Wenn Sie sich daran stören, müssen Sie ein heimlicher Pädophiler sein".

"Die Beklagten haben Spencers Kinderpornografie absichtlich kommerziell vermarktet und die schockierende Natur seines Bildes ausgenutzt, um sich selbst und ihre Musik auf seine Kosten zu vermarkten", heißt es in der Klage, wie die Zeitschrift Variety zitiert.

Doch viele Leser wollen seinen plötzlichen Opfer-Status nicht gelten lassen und kritisieren, dass er sich weitere Berühmtheit und vor allem, sehr viel Geld verschaffen wolle. Denn von jedem der Beklagten fordert Elden 150.000 Dollar Schadenersatz, darunter die Universal Music Group, der Fotograf Kirk Weddle, der Nirvana-Schlagzeuger und Rocklegende Dave Grohl, der Nirvana-Bassist Krist Novoselic und Courtney Love, die Witwe des 1994 verstorbenen Nirvana-Sängers Kurt Cobain.

Im Interview mit dem Guardian beschrieb Elden im Jahr 2015 auch seine eigene Interpretation des Album-Covers, die nunmehr ironisch anmuten könnte:

"Ich denke, es geht um die Aufgabe der Unschuld und darum, dass alle immer schneller dem Geld hinterherlaufen."

Ein Twitter-Nutzer zitierte Elden, der selbst vor einigen Jahren gesagt habe, die Abbildung sei für ihn immer positiv gewesen und habe ihm Türen geöffnet. Im Guardian führte Elden aus, wie das Cover ihm dazu verholfen habe, dass er auf der Straße angesprochen wurde und mehr Aufmerksamkeit von Mädchen bekam. Auch beschrieb er, wie es zu dem Foto-Termin gekommen war, für den seine Eltern damals danken 200 US-Dollar entgegen nahmen.

Mehrere Nutzer verweisen auf das Interview im Jahr 2016, als Elden der GQ auch preisgab, warum sich damals seine Haltung zu der Abbildung so enorm änderte. Die GQ fragte Spencer: "In der Vergangenheit waren Sie immer einverstanden. Wann hat sich das geändert?" Demnach antwortete Elden in etwa:

"Nur vor wenigen Monaten, als ich mich an Nirvana wandte um zu sehen, ob sie an meiner Kunstausstellung teilnehmen wollten. Ich wurde an ihre Manager und Anwälte verwiesen. Warum bin ich noch auf ihrem Cover, wenn ich keine große Sache bin?"

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