Gesellschaft

Kuba: Westmedien nehmen Fotos von einer Pro-Regierungs-Demo, um Proteste zu illustrieren

Mehrere westliche Nachrichtenagenturen nutzen ein falsch betiteltes Foto von einer Pro-Regierungs-Kundgebung in Kuba, um dieses als eine Aufnahme von einem Protest der Opposition zu präsentieren. CNN verwendet gar ein Bild von einer Demonstration in Miami.
Kuba: Westmedien nehmen Fotos von einer Pro-Regierungs-Demo, um Proteste zu illustrieren© TheGuardian.com / screenshot

Die Unruhen in Kuba weiten sich Berichten zufolge weiter aus. Ein Foto, das von der Associated Press-Fotografin Eliana Aponte während einer Demonstration zur Unterstützung der Regierung in der kubanischen Hauptstadt am Sonntag aufgenommen wurde, macht nun in der westlichen Konzernpresse die Runde. Mehrere Medien, darunter Guardian, Fox News, die Financial Times, die New York Times, die Washington Times und Voice of America präsentieren das Bild fälschlicherweise als "Anti-Regierungs-Protest". Das von der US-Regierung finanzierte Medienportal Voice of America beging den Fehler sogar bei zwei verschiedenen Gelegenheiten.

GrayZone-Journalist Ben Norton und Alan MacLeod von MintPress News waren unter den ersten, die den Fehler bemerkten und Screenshots von mehreren Beispielen veröffentlichten. MacLeod vermutet, dass die Agenturen die ursprüngliche Bildunterschrift der AP einfach "kopiert und eingefügt" haben, wodurch es zur Wiederholung des Fehlers bei mehreren Medien kam.

Beide Journalisten wiesen auf die rot-schwarzen Fahnen hin, die von den Demonstranten auf dem Foto gehisst werden und auf denen "26 Julio" zu lesen ist, eine Anspielung auf Fidel Castros Bewegung des 26. Juli. Die Organisation spielte eine wichtige Rolle in der kubanischen Revolution und formte sich später zu einer politischen Partei, wobei die zweifarbige Flagge zu einem gängigen Symbol der Unterstützung für Kubas kommunistische Regierung wurde.

Von den sechs oben genannten Medien hatte zum Zeitpunkt der Herausgabe des Artikels nur der Guardian eine Korrektur herausgegeben, die besagt, dass er seine Geschichte geändert habe, da "die ursprüngliche Bildunterschrift der Agentur diese fälschlicherweise als Anti-Regierungs-Demonstranten beschrieben hat. In Wirklichkeit waren es Unterstützer der Regierung."

Das AP-Foto ist nicht das einzige, das in der westlichen Medienberichterstattung falsch dargestellt wurde. Mit einem weiteren Bild und der unvollständigen Bildunterschrift "Tausende Kubaner protestieren gegen den Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten" weckte CNN auf Instagram den Eindruck, dass dieses Foto Demonstranten in Kuba zeige. Das fragliche Bild stammt von einem AFP-Fotografen und eine Suche in der Fotogalerie der Agentur ergibt, dass die betreffende Kundgebung in Miami im US-Bundesstaat Florida stattfand. CNN scheint den ersten Teil der AFP-Bildunterschrift einfach weggelassen zu haben, der deutlich machte, dass sich dieser Protest in den USA ereignet hatte.

Die Verwirrung über die Fotos in den Konzernmedien wurde durch eine Reihe falscher und irreführender Beiträge von Internet-Nutzern verstärkt. Viele Nutzer teilten Fotos von Demos in Ägypten, Spanien und Argentinien und behaupteten, sie würden Unruhen in Kuba zeigen. Einige der Aufnahmen erreichten Tausende von Likes.

Seit Sonntag gehen Menschen in Havanna und anderen Städten vermehrt auf die Straße, um dringende Maßnahmen gegen den  Mangel an Lebensmitteln, Medikamenten und Elektrizität zu fordern. Die Regierung erklärt, dass die Kundgebungen von feindlichen Mächten aus dem Ausland angefacht werden und nur eine kleine Anzahl von sogenannten Konterrevolutionären daran beteiligt sei. Präsident Miguel Diaz-Canel beschuldigte Washington, eine "Politik der wirtschaftlichen Erstickung zu verfolgen, um soziale Unruhen zu provozieren". Hierbei bezog er sich auf die jahrzehntelangen US-Sanktionen gegen sein Land.

Diaz-Canal sagte auch, dass in den sozialen Medien "eine Kampagne gegen die kubanische Revolution" begonnen habe. Er stellte fest, dass die Probleme und der Mangel, den Kuba erlebe, hierfür benutzt würden. Laut dem Internetdienstleister NetBlocks hat Kubas staatlicher Web-Provider ETECSA seit dem Ausbruch der Unruhen am Sonntag den Zugang zu bestimmten Websites und Apps eingeschränkt.

Rogelio Polanco Fuentes, Leiter der ideologischen Abteilung der Kommunistischen Partei Kubas, behauptete, dass das Land einen Versuch einer "Farbenrevolution" oder eines "sanften Putsches" erlebe. Er zog einen Vergleich zu dem von den USA unterstützten und gescheiterten Putsch in Venezuela im Jahr 2019.

Washington hat seinerseits den Demonstranten verbale Unterstützung gegeben. Ned Price, Sprecher des US-Außenministeriums, erklärte Reportern am Dienstag, dass die US-Regierung nach Wegen suche, um das kubanische Volk zu unterstützen. Einzelheiten nannte Price diesbezüglich jedoch nicht.

Havanna hat bisher nur wenige Details über die Anzahl festgenommener oder verletzter Menschen bekannt gegeben. Allerdings bestätigte das kubanische Innenministerium, dass es am Montag während einer Anti-Regierungs-Demonstration unter den Protestlern zu einem ersten Todesfall gekommen sei. Oppositionsgruppen behaupten, es gebe eine Welle von Verhaftungen von Demonstranten, Journalisten und andere Aktivisten.

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