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Neue Studie: Intensives Training erhöht Risiko einer Motoneuron-Erkrankung

Bei genetisch disponierten Menschen erhöht anstrengendes Training das Risiko einer Motoneuron-Erkrankung, Wissenschaftler betonen jedoch, die Erkenntnis sei kein Grund, sportliche Übungen aufzugeben. Viele Prominente sind von der Krankheit betroffen.
Neue Studie: Intensives Training erhöht Risiko einer Motoneuron-ErkrankungQuelle: Gettyimages.ru © Dan Mullan

Wissenschaftler an der University of Sheffield in Großbritannien sind zu der Erkenntnis gelangt, dass zwischen regelmäßigem intensivem Sport und einer Motoneuron-Erkrankung (MND) ein Zusammenhang besteht. Dies betrifft jedoch nur genetisch anfällige Menschen, so die Experten. Zudem unterstreichen die Forscher, dass niemand aufgrund der Studie Sport aufgeben sollte, da dies noch schlechter für die Gesundheit sei. Die Wissenschaftler erhoffen sich von den Forschungsergebnissen, Menschen mit einem höheren Risiko künftig leichter diagnostizieren und behandeln zu können.

Einer von 300 Menschen ist weltweit von einer Motoneuron-Erkrankung betroffen. Diese beeinträchtigt die Fähigkeit der Erkrankten, sich zu bewegen, zu sprechen und zu atmen, da die Motoneurone, die Signale vom Gehirn an die Muskeln übertragen, versagen. Überdies kann eine Erkrankung die Lebenserwartung drastisch verkürzen. Bisher gibt es keine Daten, wer besonders anfällig für eine Motoneuron-Erkrankung ist. Allerdings ist ein Zusammenhang zwischen intensivem Training und MND bereits seit geraumer Zeit nachgewiesen. Ob es sich hierbei um eine echte Ursache oder um einen Zufall handelt, ist ein strittiger Punkt. Dr. Johnathan Cooper-Knock, einer der Autoren der Studie, erklärte:

"Die Zahl der hochkarätigen Sportler, die von MND betroffen sind, ist kein Zufall."

Die Forscher analysierten Daten des britischen Biobank-Projekts, welches detaillierte genetische Proben einer halben Million Menschen enthält. Mittels der sogenannten Mendelschen Randomisierung konnten die Forscher die Daten in das Experiment übertragen und aufzeigen, dass Menschen, deren DNA sie zu anstrengenden Aktivitäten antreibt, öfter an MND erkranken.

Als intensives und regelmäßiges Training definieren die Wissenschaftler mehr als 30 Minuten Sport an mehr als drei Tagen pro Woche.

Motoneurone zählen zu den größten Zellen des menschlichen Körpers mit dem höchsten Bedarf an Sauerstoff. Man vermutet, dass es während eines anstrengenden Trainings aufgrund des niedrigen Sauerstoffgehalts im Körper zu oxidativem Stress in den Motoneuronen kommt. Dies kann bei Menschen mit einer entsprechenden genetischen Disposition zu Beschädigungen und schließlich zum Absterben der Zellen führen.

Dr. Brian Dickie von der in Northampton in Großbritannien ansässigen Motor Neurone Disease Association ist der Ansicht, dass mehr Forschung in dieser Richtung erforderlich ist. Er präzisierte, dass die genetischen und umweltbedingten Komponenten von MND oft isoliert untersucht wurden, während "die Kraft dieser Forschung aus dem Zusammenfügen dieser Puzzleteile besteht".

Ein prominenter MND-Patient war der Astrophysiker Stephen Hawking, der ab dem Jahr 1963 bis zu seinem Tod im März 2018 an dieser Krankheit litt. Auch Jason Becker, ein US-amerikanischer Komponist und Gitarrist, ist an MND erkrankt. Sportler wie Rob Burrow (Rugby League), Stephen Darby (Fußball) und Doddie Weir (Rugby Union) sind ebenfalls von der Krankheit betroffen.

Studien unter italienischen Fußballern ergaben eine bis zu sechsmal höhere Erkrankungsrate im Vergleich zur Gesamtbevölkerung.

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