Gesellschaft

Forsa-Umfrage: Mehrheit der Bürger ist gegen Gendersprache

In einer Forsa-Umfrage wurden Bürger zum Thema Gendersprache befragt. Das Ergebnis zeigt eine eher nüchterne Einstellung zum Umbau der deutschen Sprache. Entgegen dem Anschein empfinden viele Befragte das Gendern besonders im Rundfunk als störend.
Forsa-Umfrage: Mehrheit der Bürger ist gegen GenderspracheQuelle: www.globallookpress.com © Arnulf Hettrich/imago-images

Ob mit Sternchen, Binnen-I oder Gendergap – das Gendern ist in aller Munde. Oder etwa doch nicht? Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag von RTL hat ein eher ernüchterndes Ergebnis zutage gefördert.

Zwar kennen 87 Prozent den Begriff des "Genderns", also das "Verwenden geschlechtsneutraler oder geschlechtsinklusiver Ausdrücke und das Gestalten von Texten, sodass die Ausgrenzung aufgrund des (sozialen) Geschlechts vermieden wird".

Doch entgegen dem Anschein, der in der Öffentlichkeit und in den Medien suggeriert wird, können viele der vorgeschlagenen Sprachpraxis nichts abgewinnen: Zusammengefasst 82 Prozent der knapp 2.000 Befragten halten das Thema für weniger wichtig (28 Prozent) oder gar nicht wichtig (54 Prozent).

Die meisten Bürger, die dem Gendern ablehnend gegenüberstehen, sind männlich, über 45 Jahre alt und haben eine eher niedrige Bildung. Außerdem finden sich in diesem Lager viele Anhänger der Union, der FDP und sowie nahezu alle Anhänger der AfD wieder, will Forsa herausgefunden haben.

18 Prozent der Befragten halten das Gendern für wichtig oder sehr wichtig. Vor allem Jüngere und Anhänger der Grünen finden sich in dieser Gruppe wieder.

Auch die Verwendung von gegenderten Begriffen in Medien wird von vielen abgelehnt. 75 Prozent der Befragten stören sich an der Sprachveränderung im Fernsehen oder Radio. Auch viele Jüngere teilen die Abneigung.

In den sozialen Medien wurde ein Beitrag der Tagesschau besonders oft angemahnt, als es im Bezug auf den Israel-Palästina-Konflikt hieß:

Die [israelische] Armee töte gezielt Kommandeurinnen und Kommandeure der Hamas und des Islamischen Dschihad.

Zwei Tage nach der Veröffentlichung des Beitrags wurde das Wort Kommandeurinnen aus dem Text entfernt.

Unter dem Text wurde korrekt auf die Änderung hingewiesen. Dort hieß es zunächst:

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes war von Kommandeurinnen und Kommandeuren die Rede. Bei der Hamas gibt es jedoch keine Kommandeurinnen. Dies wurde redaktionell hineinredigiert. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Der Hinweis, dass die Kommandeurinnen offenbar durch einen übereifrigen Verfechters des Genderns in den Text "hineinredigiert" wurden, verschwand wenig später wieder aus der Anmerkung.

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