Gesellschaft

Öffentlich-rechtliche Sender räumen bei Grimme-Preisen ab

Am Dienstag hat das Grimme-Institut die diesjährigen Preisträger bekannt gegeben. Die trotz Corona-Krise finanziell gut ausgestatteten öffentlich-rechtlichen Anstalten punkteten. Nur zwei private Produktionen konnten sich einen Preis sichern.
Öffentlich-rechtliche Sender räumen bei Grimme-Preisen abQuelle: www.globallookpress.com © STAR-MEDIA/imago-images.de

Am Dienstag gab das Grimme-Institut die diesjährigen Preisträger bekannt. Nur zwei private Produktionen waren darunter.

Bei den diesjährigen Grimme-Preisen haben die öffentlich-rechtlichen Sender klar dominiert. 14 der 16 begehrten Preise gingen an Produktionen oder Akteure von ARD-Anstalten und des ZDF. Im vergangenen Jahr hatten die Privaten noch fünf von 16 Preisen erhalten.

Das Institut sprach am Dienstag in einer Mitteilung von einem "bemerkenswerten Preisjahr". Es habe gezeigt, was das Fernsehen der Gegenwart leisten könne, erklärte Grimme-Direktorin Frauke Gerlach. "Die Formate, der Einsatz audiovisueller Techniken und die Bandbreite der Dramaturgien sind vielschichtig, aktuell und variationsreich. Bekannte Stereotype werden an vielen Stellen aufgebrochen, gewohnte Pfade verlassen und Bewährtes weiterentwickelt", so Gerlach weiter. Die Preise sollen am 27. August verliehen werden.

In der Kategorie Information & Kultur wurde etwa der Dokumentarfilm "Loveparade – Die Verhandlung" (WDR/Arte) ausgezeichnet. Es handele sich um eine herausragend gelungene Dokumentation der schwierigen juristischen Aufarbeitung der tödlichen Massenpanik in Duisburg 2010, stellte die Jury fest. Gelobt wurde besonders die nüchterne Zurückhaltung des Films. Im Wettbewerb Fiktion erhielt "Für immer Sommer 90" (ARD) einen Grimme-Preis.

Im der Kategorie Information & Kultur wurden zwei weitere Fernsehjournalistinnen bedacht: Mai Thi Nguyen-Kim wird mit der "Besonderen Journalistischen Leistung für ihre sowohl wissenschaftlich hochkompetente als auch breitenwirksame Informationsvermittlung" zum Thema Corona ausgezeichnet; Isabel Schayani erhält einen Grimme-Preis Spezial für ihre "kompetente, empathische und im deutschen Journalismus singuläre Berichterstattung aus Moria."

Bei den Produktionen für Kinder & Jugendliche konnte sich unter anderem der Kurzfilm "Masel Tov Cocktail" (SWR/Arte) über Antisemitismus in Deutschland durchsetzen. "Dieser Film ist so erfrischend anders im Umgang mit Vorurteilen und Klischees über das Leben als Jude in Deutschland", urteilte die Jury. Er sei einer der originellsten filmischen Cocktails der letzten Jahre. In der Kategorie Unterhaltung bekam "Die Carolin Kebekus Show" (WDR) eine der begehrten Auszeichnungen.

Als die beiden einzigen Produktionen privater Sender wurden "15 Minuten Joko & Klaas – Männerwelten" (ProSieben) und "Unorthodox" (Netflix) ausgezeichnet. In dem Vierteiler "Unorthodox" geht es um den Ausbruch einer Jüdin aus traditionellen Zwängen. Es handele sich um eine "spannende und unterhaltsame Serie auf höchstem internationalen Niveau", fand die Jury.

Die "Besondere Ehrung" des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) als Grimme-Sonderpreis geht 2021 an die Tagesthemen-Journalistin Caren Miosga für ihre Art und Weise, Nachrichten zu vermitteln. DVV-Präsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach laut der Mitteilung von einem "brillanten Geist in einem kühlen Kopf".

Der undotierte Grimme-Preis zeichnet Fernsehsendungen und -leistungen aus, die von der Jury als vorbildlich und modellhaft bewertet wurden. Vielen gilt er als einer der wichtigsten Preise für Qualitätsfernsehen in Deutschland. Stifter des Preises ist der Deutsche Volkshochschul-Verband. Die Auszeichnung wird seit 1964 jährlich verliehen.

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