Gesellschaft

"Als hätte man den Pausenknopf gedrückt": 15 Freiwillige verlassen Höhle nach 40 Tagen in Dunkelheit

Am Samstag haben 15 Freiwillige im Alter von 25 bis 50 Jahren eine Höhle in den französischen Pyrenäen verlassen, in der sie 40 Tage verbrachten. Bei dem Experiment wurden die Anpassungsmöglichkeiten des Menschen untersucht, wenn er jeglichen Raum-Zeit-Bezug verliert.
"Als hätte man den Pausenknopf gedrückt": 15 Freiwillige verlassen Höhle nach 40 Tagen in DunkelheitQuelle: AFP © FRED SCHEIBER

Die Gruppe unter der Leitung des französisch-schweizerischen Forschers Christian Clot beendete das sogenannte "Deep Time"-Experiment am Samstag und kehrte aus der Höhle von Lombrives im Südwesten Frankreichs wieder ans Tageslicht zurück. Alle Teilnehmer trugen beim Verlassen der Höhle Sonnenbrillen, um ihre Augen zu schützen.

Die Probanden im Alter von 25 bis 50 Jahren lebten 40 Tage lang ohne Uhren, Handys und ohne natürliches Licht. Das Team zählte die Tage anhand von Schlafzyklen und hörte nur auf die biologische Uhr, um die Zeit zu schätzen. Die Freiwilligen erhielten keine Nachrichten zur Corona-Pandemie und hatten keinen Kontakt zu Freunden oder Familie. In der Grotte war es zwölf Grad warm, die Luftfeuchtigkeit betrug 95 Prozent. Je weiter die Zeit fortgeschritten sei, desto mehr Hunger hätten die Teilnehmer entwickelt, erklärte Clot, Gründer des Human Adaptation Institute.

Strom mussten die modernen Höhlenmenschen durch mechanisches Pedaltreten erzeugen, das Wasser kam aus einer Tiefe von 45 Metern. Die Grotte war in drei Bereiche aufgeteilt – zum Schlafen, zum Forschen und einen für den Aufenthalt.

Das 1,2 Millionen Euro teure Projekt war ins Leben gerufen worden, um die Auswirkungen des Verlusts von Zeit- und Raumgefühl zu erforschen. Die Hirnaktivität und die kognitiven Funktionen der Probanden wurden vor und nach dem Experiment erfasst. Die Teilnehmer wurden mit Sensoren ausgestattet, die ihre Schlafmuster, soziale Interaktionen und die Verhaltensreaktionen aufzeichneten.

"Es war, als hätte man den Pausenknopf gedrückt", sagte die 33-jährige Marina Lançon, eine von sieben Frauen, die an dem Experiment teilnahm. Sie erklärte, sie wolle noch ein paar Tage warten, bevor sie ihr Smartphone wieder einschaltet, um eine "brutale" Rückkehr zur Normalität zu vermeiden.

Tatsächlich wünschten sich etwa zwei Drittel der Gruppe, noch ein wenig länger in der Höhle zu bleiben, um alle Projekte abzuschließen, die sie zu Beginn der Expedition begonnen hatten. Nach der Rückkehr zum Tageslicht dachten die meisten Teilnehmer, es seien nur 30 Tage vergangen. Ein Teammitglied schätzte die unter der Erde verbrachte Zeit auf nur 23 Tage.

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