Gesellschaft

Forscher entdecken neues Organ im Rachenraum

Niederländische Forscher haben ein neues Organ im menschlichen Körper entdeckt. Es sitzt hinter der Nase im Rachenraum. Laut den Forschern handelt es sich dabei konkret um zwei Speicheldrüsen. Und diese könnten vor allem für Tumorpatienten wichtig sein.
Forscher entdecken neues Organ im Rachenraum© Matthijs H.Valstar at Al, RADIOTHERAPY AND ONCOLOGY (2020)

Eigentlich sollte man meinen, dass der menschliche Körper inzwischen gänzlich erforscht ist und es keine neuen Entdeckungen mehr geben wird. Dass diese These falsch ist, zeigen nun Forschungsergebnisse aus den Niederlanden. Dort haben Wissenschaftler zwei bislang unbekannte Speicheldrüsen im Nasenrachenraum, dem Nasopharynx, des Menschen entdeckt. Ihre Ergebnisse wurden im Fachmagazin Radiotherapy & Oncology veröffentlicht.

Wouter Vogel und Matthijs Valstar sind Ärzte am Netherlands Cancer Institute und beschäftigen sich in ihrer aktuellen Forschung mit der Auswirkung von Strahlung auf den Hals- und Nackenbereich. Dazu nutzen sie eine neue Art von Scan (PSMA PET/CT) und setzen einen Marker ein, der die Speicheldrüsen sichtbar macht, um sie während einer bevorstehenden Bestrahlung zu schützen. Dabei entdeckten sie auf den Bildern die bislang unbekannten Drüsen.

Menschen haben drei Sätze großer Speicheldrüsen, aber nicht an dieser Stelle", erklärt Vogel.

"Soweit wir wussten, sind die einzigen Speichel- oder Schleimdrüsen im Nasopharynx mikroskopisch klein, und bis zu 1.000 sind gleichmäßig über die gesamte Schleimhaut verteilt. Stellen Sie sich also unsere Überraschung vor, als wir diese gefunden haben." Die neuen Organe wurden bei allen 100 Probanden der Untersuchung nachgewiesen.

Die Entdeckung könnte vor allem für Tumorpatienten wichtig sein. Denn eine Bestrahlung, vor allem im Kopf- und Nackenbereich, kann die Speicheldrüsen schädigen und zu weiteren Komplikationen führen, wie Vogel erklärt:

Patienten können Probleme beim Essen, Schlucken oder Sprechen haben, was eine echte Belastung sein kann.

Die Auswertung der Daten von 723 Bestrahlungspatienten in Zusammenarbeit mit dem University Medical Center Groningen (UMCG) zeigte, dass Patienten mehr Probleme nach einer Bestrahlung bekamen, je höher die Dosis war, die die neu entdeckten Drüsen abbekommen hatten.

"Deswegen besteht unser nächster Schritt darin, herauszufinden, wie wir diese neuen Drüsen am besten schonen können und bei welchen Patienten", sagt Vogel. Wenn man das schaffen würde, könnten bei Patienten weniger Nebenwirkungen auftreten, was sich positiv auf ihre allgemeine Lebensqualität nach der Behandlung auswirken dürfte.

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