Europa

Neue Proteste in Barcelona gegen katalanischen Unabhängigkeitsprozess

Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung Kataloniens sind am Donnerstag auf die Straßen von Barcelona gegangen, um die Freilassung der Führer aus dem Prozess zu fordern, der zum Unabhängigkeits-Referendum vom 1. Oktober 2017 und zur anschließenden einseitigen Unabhängigkeitserklärung des katalanischen Parlaments führte.
Neue Proteste in Barcelona gegen katalanischen UnabhängigkeitsprozessQuelle: AFP

Ein Generalstreik gegen den Separatistenprozess vor dem Obersten Gericht in Madrid hat am Donnerstag Teile Kataloniens lahm gelegt. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei wurden mehr als 20 Menschen verletzt.

Zu den Protesten unter dem Motto "Ohne Rechte gibt es keine Freiheit" hatte die Gewerkschaftsföderation CSC aufgerufen. Unterstützt wurde die CSC von der separatistischen Regionalregierung. Die großen katalanischen Gewerkschaften unterstützen den Streik aber nicht. Vor allem viele Studenten versammelten sich spanischen Medien zufolge den ganzen Tag über zu Protestaktionen. 

Am frühen Abend gingen in Barcelona zudem erneut Zehntausende Menschen auf die Straße, um ihrem Unmut über das Gerichtsverfahren Luft zu machen. Am Vormittag hatten sich Behördenangaben zufolge bereits 13.000 Demonstranten in der Nähe der Universität der katalanischen Hauptstadt unter dem Motto "Dies ist kein Prozess, sondern eine Schande" versammelt. Schon am vergangenen Wochenende gab es in der Metropole eine Großdemo mit Hunderttausenden Teilnehmern.

Seit dem 12. Februar müssen sich zwölf prominente Separatistenführer vor Gericht verantworten, darunter frühere Minister und Aktivisten, die bei dem Unabhängigkeitsreferendum vom Oktober 2017 zentrale Rollen gespielt hatten. Der frühere Regionalpräsident Carles Puigdemont steht nicht vor Gericht - er hatte sich ins Exil nach Belgien abgesetzt. Neun der zwölf Separatistenführerbefinden sich in Untersuchungshaft – darunter Oriol Junqueras, Jordi Turull, Joaquim Forn, Jordi Sànchez und Jordi Cuixart. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem Rebellion vor. Den Angeklagten drohen langjährige Haftstrafen bis zu 25 Jahren.

Mehrmals blockierten Demonstranten am Donnerstag Straßen in verschiedenen Teilen Kataloniens. Die Polizei rückte an. Vier Streikende seien festgenommen worden, berichteten spanische Medien. 

Von dem Ausstand betroffen waren vor allem Busse und Bahnen sowie Krankenhäuser und Apotheken. Der öffentliche Fern- und Nahverkehr lief aber - wie gesetzlich vorgeschrieben - mit Minimalbetrieb weiter. In Barcelona waren während des Berufsverkehrs etwa 50 Prozent der öffentlichen Verkehrsmittel im Einsatz, bei den Regionalzügen fuhr nur ein Drittel planmäßig weiter. 

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