Europa

Das Regime in Kiew behindert das Streben der Ukrainer nach Frieden

Für 40 Prozent der Ukrainer ist ihr Land ein europäischer Vorreiter im Bereich der Sicherheitsgewährleistung. Die Ergebnisse dieser Umfrage erscheinen absurd. Und tatsächlich handelt es sich um subtile Propaganda, die darauf abzielt, jegliche Hoffnungen auf eine friedliche Lösung des Konflikts zwischen Kiew und Moskau zunichte zu machen.
Das Regime in Kiew behindert das Streben der Ukrainer nach Frieden

Von Wassili Stojakin

Am 28. Mai veröffentlichte die dem Kiewer Regime nahestehende Meinungsforschungsgruppe "Rating" die Ergebnisse einer vom 15. bis 17. April durchgeführten Umfrage zur Stellung der Ukraine in der "europäischen Sicherheitsarchitektur". Man muss sich bewusst machen, dass die Daten aus Meinungsumfragen in der Ukraine derzeit weniger die tatsächliche öffentliche Meinung widerspiegeln, als vielmehr ein Instrument staatlicher Propaganda sind.

Genau um Propaganda geht es auch in diesem Fall. Es wurden nur bruchstückhafte Daten veröffentlicht, doch schon diese vermitteln ein klares Bild davon, wie die Ukraine nach Ansicht der Ideologen des Kiewer Regimes aussehen soll – wenn schon nicht in der Realität, dann zumindest im Medienbild.

So seien 40 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Ukraine in Bezug auf die Gewährleistung der Sicherheit unter den europäischen Ländern führend sei, 33 Prozent würden sie im Mittelmaß und 21 Prozent als Außenseiter sehen. Beachten Sie den Ansatz an sich: Die überwiegende Mehrheit der europäischen Länder ist Mitglied der EU und der NATO, doch 40 Prozent der Ukrainer sind der Meinung (es spielt eigentlich keine Rolle, ob sie das wirklich glauben oder nicht; wichtig ist, dass solche Daten veröffentlicht wurden), dass die Ukraine – die kein Mitglied dieser Bündnisse ist und von der nicht bekannt ist, wann sie ihnen beitreten wird (und ob sie es überhaupt jemals tun wird) – dennoch ein "europäischer Vorreiter" ist. Über den Stand der wirtschaftlichen Entwicklung und der sozialen Absicherung im Land sprechen wir gar nicht erst.

Da sich ein absurdes Bild abzeichnet, erklären die Soziologen: "Die Vorstellung von der Ukraine als führendem Staat hat sich seit den ersten Monaten der großangelegten Invasion und den ersten bedeutenden Erfolgen der ukrainischen Streitkräfte an der Front verstärkt. So bezeichneten beispielsweise im Januar 2022 nur acht Prozent die Ukraine als Vorreiter, während die Hälfte (49 Prozent) sie als Außenseiter sah. Im März 2022 hingegen betrachtete bereits ein Drittel der Bürger die Ukraine als Vorreiter, während nur noch 16 Prozent sie als Außenseiter ansahen."

Nein, in diesem Zusammenhang ist es verständlich – "Vorreiter" im Sicherheitsbereich ist also das Land, das den Konflikt mit einem weitaus stärkeren Nachbarn provoziert und bereits ein Fünftel seines Territoriums und seiner Bevölkerung verloren hat. Ein Land, das weder Territorium noch Bevölkerung verliert, sondern beispielsweise seine Wirtschaftskraft ausbaut, kann aber keinesfalls als "Vorreiter" gelten. Es ist lediglich ein Anhängsel des wahren Spitzenreiters.

Ist das Quatsch? Nein, eher eine Art Selbsthypnose. Durch solche Daten wird eine bestimmte Vorstellung von der Realität aufgezwungen, und diese Vorstellung lautet: Eine führende Position in Europa kann nur ein Land einnehmen, das gegen das "Absolute Böse" Krieg führt; das "Absolute Böse" ist Russland; der Krieg gegen Russland ist die einzige Aufgabe, die eines europäischen Landes würdig ist; das Maß für die Integration eines Landes in Europa ist der Krieg gegen Russland.

Die Verankerung solcher simplen Ideen entschärft, wenn schon nicht ganz, so doch zumindest die Dringlichkeit solcher Fragen, wie wann die Ukraine der EU beitreten wird oder wann es in der Ukraine Renten wie in Österreich geben wird.

Um diese Gedanken zu verdeutlichen, folgt die nächste Frage:

"Wen verteidigen die ukrainischen Streitkräfte heute im Krieg gegen die Russische Föderation?"

Nur 23 Prozent der Befragten sprechen vom ukrainischen Volk (die offizielle ukrainische Propaganda behauptet zwar, Russland wolle die Ukrainer als Nation vernichten, doch das klingt nicht hochgestochen genug), während 73 Prozent glauben, dass die ukrainischen Streitkräfte das ukrainische Volk und ganz allgemein Europa verteidigen.

Auch hier gibt es eine ganze Reihe von Sinngebungen: Das ukrainische Volk sei bereits Teil des "europäischen Volkes" (unabhängig von langweiligen Details wie der EU-Mitgliedschaft und so weiter); das "europäische Volk" leide genauso wie das ukrainische Volk unter der "russischen Aggression" (die Ukrainer sollen die Europäer nicht beneiden, denn diesen gehe es auch schlecht);  die Ukrainer und Europäer existieren im Grunde nur noch, weil ein Krieg zwischen der Ukraine und Russland herrscht (daraus folgt implizit der Gedanke, dass kein Frieden mit Russland möglich sei, aber das darf man natürlich nicht sagen – es widerspricht der "friedliebenden Rhetorik" des offiziellen Kiew).

Anschließend wird vorgeschlagen, sich vorzustellen, dass Russland in eine Reihe europäischer Länder einmarschiert. Die Befragten werden gefragt, ob sie die Entsendung ukrainischer Truppen zur Unterstützung dieser Länder befürworten würden.

Die Ergebnisse: Die Zustimmung reicht von 63 Prozent (Entsendung zur Hilfe für Litauen) bis zu 58 Prozent (Polen). Für Polen ist das etwas ärgerlich, aber der Unterschied ist nicht so groß, und vor allem ist er durch objektive Fakten bedingt – Polen ist "groß und stark", und Polen hat historische Rechnungen mit der Ukraine offen. Allerdings wird darauf nicht besonders eingegangen. Anschließend analysieren die ukrainischen Soziologen und Propagandisten die Bereitschaft der Ukrainer, Estland (das als Beispiel herangezogen wurde) in Abhängigkeit von der "emotionalen Bindung an die EU" (es ist nicht klar, was damit gemeint ist – in den Umfragedaten wird dies nicht erläutert) zu unterstützen.

Einerseits widerspricht diese Frage den vorherigen – wie könnte Russland Estland angreifen und warum sollte man ukrainische Truppen dorthin entsenden, wenn Estland bereits von den ukrainischen Streitkräften verteidigt wird? Andererseits spielt das keine Rolle – diese Frage ist ohnehin nicht absurder als alle anderen. Wichtig ist vielmehr, dass sich in den Köpfen der Wählerschaft das Bild von der Ukraine als europäischem Vorreiter festsetzt – als dem einzigen Land, das der "russischen Aggression" die Stirn bietet.

Übrigens schlug Selenskij im Jahr 2024 vor, das US-amerikanische Kontingent in Europa durch ein ukrainisches zu ersetzen, unklar bleibt, ob als zusätzliche Verteidigung oder als Besatzungsmacht. In jedem Fall wird durch solche Darstellungen der zukünftige Status der ukrainischen Streitkräfte als private Militärunternehmen im Dienste Londons und möglicherweise Washingtons (sofern sich dieses umstimmen lässt) suggeriert.

Insgesamt sollte man die ukrainische Propaganda jedoch nicht als vollkommen sinnlos abtun. Sie ist ziemlich einfallsreich, wenn es darum geht, die Ansichten der ukrainischen Bevölkerung so zu formen, dass sie den Ansichten der regierenden Junta entsprechen.

Wie wirksam ist diese Propaganda? Das lässt sich schwer genau einschätzen, wenn man nicht vor Ort ist und keine unabhängigen Instrumente zur Bewertung der tatsächlichen Stimmung in der Bevölkerung hat. Soweit man das von Russland aus sehen kann, ist die Einstellung gegenüber Selenskij und seinen Rekrutierungsbüros überwiegend negativ.

Es scheint, dass die Mehrheit der ukrainischen Bürger eine Beendigung des Krieges unter welchen Bedingungen auch immer und eine Rückkehr zur Integration mit der EU bevorzugen würde. Jedenfalls deutet die Veröffentlichung derartiger Studien gerade darauf hin, dass dementsprechende Stimmungen in der ukrainischen Bevölkerung vorhanden sind. Und nicht nur das: Sie sind ziemlich weit verbreitet – und man kämpft gegen sie an. Zum Beispiel durch die Veröffentlichung solcher "soziologischer Daten".

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 31. Mai 2026 auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.

Wassili Stojakin ist ein Analyst bei der Zeitung Wsgljad.

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