Europa

Estlands Regierung will alle sowjetischen Denkmäler demontieren

Die estnische Regierung hat entschieden, alle sowjetischen Denkmäler, die im Land noch an den Zweiten Weltkrieg erinnern, zu demontieren. Konflikte mit der russischen Minderheit im Land sind da vorprogrammiert. Estnischer Antifaschisten wird ohnehin nur noch im russischen Welikije Luki gedacht.
Estlands Regierung will alle sowjetischen Denkmäler demontierenQuelle: www.globallookpress.com © Xinhua

In Estland sollen auf Beschluss der Regierung sämtliche sowjetische Denkmäler in dem baltischen EU- und NATO-Land demontiert oder verlegt werden. Ministerpräsidentin Kaja Kallas sagte am Donnerstag in Tallinn:

"Die Hauptsache ist entschieden – sowjetische Denkmäler müssen aus dem öffentlichen Raum entfernt werden, und das werden wir so schnell wie möglich tun."

Zeitpunkt und Reihenfolge hingen demnach von der Bereitschaft und den logistischen Planungen der Städte und Gemeinden ab. 

Nach Angaben der Ministerpräsidentin gibt es in Estland etwa 200 bis 400 sowjetische Denkmäler. In der Mehrheit handelt es sich um Denkmäler, die an den Kampf der Roten Armee gegen die hitlerdeutschen Truppen im Zweiten Weltkrieg erinnern, sowie Mahnmale für Opfer des Faschismus. Alle kommunistischen Denkmäler sind in Estland bereits in den 90er Jahren demontiert worden.

In den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte rückte zuletzt vor allem ein Panzer-Monument nahe der estnisch-russischen Grenzstadt Narva im Osten des baltischen Landes. Dort versammelten sich am Mittwochabend mehrere Dutzend Menschen, nachdem es Gerüchte gegeben hatte, dass das auf einem hohen Sockel stehende Kriegsrelikt entfernt werden würde. 

Kallas bewertete das Denkmal am Donnerstag dagegen so:

"Ein Panzer ist eine Mordwaffe, er ist kein Erinnerungsobjekt. Und mit denselben Panzern werden gegenwärtig auf den Straßen der Ukraine Menschen getötet."

Die Verwaltung der rund 60.000 Einwohner zählenden Stadt Narwa, deren Bevölkerung zu mehr als 90 Prozent aus ethnischen Russen besteht, hatte sich zuvor gegen eine Demontage des Sowjetpanzers ausgesprochen. Sie will nach der Ankündigung der Ministerpräsidentin nun das Gespräch mit der Regierung in Tallinn suchen.  

Estland war im Jahr 1940 nach unter Historikern umstrittenen Wahlen Sowjetrepublik geworden. Im Zweiten Weltkrieg war es von 1941 bis 1944 (einige Inseln noch bis 1945) von Deutschland besetzt. Das estnische Volk war im Zweiten Weltkrieg gespalten: Während Zehntausende mit dem nationalsozialistischen Deutschland kooperierten und sich sogar in seine Dienste, etwa als KZ-Aufseher oder bei der Waffen-SS, stellten, konnten immerhin zwei Divisionen der Roten Armee überwiegend mit ethnischen Esten aufgestellt werden. Die heutige offizielle Erinnerungskultur in Estland hat sich vollständig auf die Seite der ersten Bevölkerungsgruppe gestellt, die Erinnerung an die estnischen antifaschistischen Divisionen wird heute nur noch mit einem Denkmal in der russischen Stadt Welikije Luki wachgehalten. 

Nach Kriegsende blieb der Baltenstaat bis 1991 Teil der Sowjetunion. Bis heute besteht die Bevölkerung zu rund einem Viertel aus ethnischen Russen, die häufig auch familiäre Bindungen nach Russland haben. Unter ihnen gibt es Umfragen zufolge Unterstützung für den Kurs des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

(rt/dpa) 

Mehr zum Thema - Geo-Kultur trifft Geopolitik: Finnland und Schweden in der NATO? Dann auch russische Ostukraine!

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.