Europa

Ukrainischer General: Wir haben etwa 50 Prozent unserer schweren Waffen verloren

Kiew hat seine materiellen Verluste seit Kriegsbeginn bekannt gegeben. Nach Angaben eines Militärangehörigen hat die Ukraine bis zur Hälfte ihrer schweren Waffen verloren. Westliche Lieferungen seien nicht in der Lage, die Lücke zu schließen, heißt es weiter.
Ukrainischer General: Wir haben etwa 50 Prozent unserer schweren Waffen verlorenQuelle: Gettyimages.ru © Alexey Furman / Freier Fotograf

Die Ukraine habe bis zu 50 Prozent ihres Bestands an schweren Waffen verloren, darunter 400 Panzer, wie Wladimir Karpenko, der stellvertretende Verteidigungsminister der Ukraine, Anfang der Woche inmitten der laufenden russischen Militäroffensive in seinem Land erklärte. Karpenko, der für die Logistik der ukrainischen Landstreitkräfte zuständig ist, sagte in einem Interview mit dem US-Magazin National Defense, dass die Verluste bei der Ausrüstung "infolge aktiver Gefechte" 30 bis 40, manchmal sogar bis zu 50 Prozent betragen. Der Brigadegeneral führte an:

"Wir haben also etwa 50 Prozent verloren. Schätzungsweise 1.300 Infanterie-Kampffahrzeuge wurden verloren, 400 Panzer, 700 Artilleriesysteme."

Der stellvertretende ukrainische Verteidigungsminister, Denis Scharapow, erklärte in demselben Interview, dass die westlichen Lieferungen den Bedarf der Ukraine nicht decken würden. Scharapow sagte: 

"Wir haben eine große Anzahl an Waffensystemen erhalten, aber leider deckt dies nur 10 bis 15 Prozent unseres Bedarfs."

Die genaue Zahl der von Kiew benötigten schweren Waffen nannte Scharapow nicht, er unterstrich jedoch, dass "der Bedarf an schweren Artilleriesystemen in die Hunderte geht". Er ergänzte:

"Wir brauchen Artillerie, wir brauchen Artilleriegeschosse, Infanterie-Kampffahrzeuge, Kampffahrzeuge, Panzer. Wir brauchen wirklich Luftabwehrsysteme und das Mehrfachraketen-System."

Auch die Lieferung von Präzisionswaffensystemen sei wichtig, fügte Scharapow hinzu, denn das ukrainische Militär ist der Ansicht, dass solche Systeme ihm "einen Vorteil gegenüber dem Feind, die Überlegenheit in diesem Krieg" verschaffen würden.

Der stellvertretende Verteidigungsminister räumte ein, dass die westlichen Länder bei der Organisation von Waffentransfers in die Ukraine mit Problemen zu kämpfen haben, wie etwa der Einholung der Genehmigung für Technologietransfers von allen Eigentümern der betreffenden Subsysteme. Doch Scharapow betonte, dass "nicht alle Politiker den Ernst der Lage in der Ukraine verstehen". Er fügte hinzu:

"Deshalb möchten wir diese Gelegenheit nutzen, um die ganze Welt noch einmal darauf aufmerksam zu machen, dass dieser Krieg nicht nur in der Ukraine stattfindet, sondern die ganze Welt betrifft."

Brigadegeneral Karpenko wurde etwas konkreter und gab eine Schätzung des Bedarfs der Ukraine ab.

"Überlegen Sie einmal: Eine Brigade nimmt etwa 40 Kilometer der Frontlinie ein. Das bedeutet, dass wir 40 Brigaden brauchen, um den aktiven Kampfkonflikt abzudecken. Jede Brigade besteht aus 100 Schützenpanzern, 30 Panzern, 54 Artilleriesystemen – nur für eine Brigade, und wir haben 40 davon."

Russland hat den Westen unterdessen immer wieder davor gewarnt, die Ukraine mit Waffen "vollzupumpen", da dies zu einer Verlängerung des Konflikts und zu einer Vielzahl lang anhaltender Probleme führen würde. Moskau machte auch deutlich, dass seine Streitkräfte jede ausländische Waffe in der Ukraine als legitimes Ziel betrachten würden.

Die Bekanntgabe der Zahlen zu den Verlusten bei der Ausrüstung erfolgte weniger als eine Woche, nachdem der Berater des ukrainischen Präsidenten, Alexei Arestowitsch, mitgeteilt hatte, dass die Streitkräfte seines Landes seit Beginn der russischen Offensive Ende Februar rund 10.000 Mann verloren hätten. Arestowitsch behauptete allerdings zugleich, dass die Verluste Moskaus um ein Vielfaches höher seien.

Die vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Zahlen zu den Verlusten der ukrainischen Armee sind wiederum deutlich höher als die, die Arestowitsch nannte. Mit Stand vom 18. April lagen die Verluste bei 23.367.

Russland legte seine eigenen Verluste – weder an Ausrüstung noch an Soldaten – bislang nicht offen. Anfang des Monats behauptete der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der russischen Duma, Andrei Kartapolow, dass die russische Armee aufgrund von Änderungen in der Militärstrategie "praktisch keine Menschen mehr verliert". Aus diesem Grund habe das Verteidigungsministerium seit März, als es 1.351 getötete Militärangehörige meldete, keine aktuellen Angaben mehr zu den Verlusten gemacht, sagte er.

Im April erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, Russland habe "erhebliche Truppenverluste" erlitten, was "eine große Tragödie" sei.

Russland griff den Nachbarstaat Ende Februar an, nachdem die Ukraine die 2014 unterzeichneten Minsker Vereinbarungen nicht umgesetzt und Moskau schließlich die Donbass-Republiken Donezk und Lugansk anerkannt hatte. Mit den von Deutschland und Frankreich vermittelten Minsker Abkommen sollten die abtrünnigen Regionen einen Sonderstatus innerhalb des ukrainischen Staates erhalten.

Der Kreml hat seitdem gefordert, dass sich die Ukraine offiziell zu einem neutralen Land erklärt, das der von den USA angeführten NATO-Militärallianz niemals beitreten wird. Kiew beharrt darauf, dass die russische Offensive völlig unprovoziert war und "eine Aggression" darstelle.

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