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Hat Russland wirklich eine Geburtsklinik in Mariupol bombardiert?

Dutzende von Videos zeigen den angeblichen Beschuss eines Kinderkrankenhauses in Mariupol durch russisches Militär. Der ukrainische Präsident spricht von zahlreichen Menschen unter den Trümmern. Westliche Medien übernahmen diese Behauptung völlig unhinterfragt. Doch was ist tatsächlich über den Vorfall in Mariupol bekannt?
Hat Russland wirklich eine Geburtsklinik in Mariupol bombardiert?© Screenshots / Twitter

Pro-ukrainische und westliche Telegram-Kanäle berichten seit Tagen von angeblich Dutzenden von Opfern und Verletzten unter den Trümmern eines Kinderkrankenhauses in Mariupol, das von russischer Seite beschossen worden sei. Der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij behauptet dasselbe und fordert erneut, dass die NATO den Luftraum über der Ukraine schließt:

"Mariupol. Ein Volltreffer durch russische Truppen im Krankenhaus. Menschen unter den Trümmern. Kinder unter den Trümmern. Das ist eine Gräueltat! Wie lange wird die Welt noch mitschuldig bleiben, wenn sie den Terror ignoriert? Schließen Sie sofort den Himmel! Stoppen Sie die Morde sofort! Sie haben die Macht. Aber Sie scheinen die Menschlichkeit zu verlieren."

Doch was wissen wir bisher über den Vorfall in Mariupol? Angeblich soll es sich um die Geburtsklinik Nummer 1 der Stadt Mariupol handeln. Andere berichten, dass es ein Krankenhauskomplex mit einer Kinderabteilung getroffen habe.

Was die Geburtsklinik Nummer 1 angeht, so hatte der offizielle Vertreter Russlands bei den Vereinten Nationen Wassili Nebensja am 7. März erklärt, dass es in der Einrichtung weder Personal noch Patienten gegeben habe und wies darauf hin, dass laut Angaben von Augenzeugen das gesamte Personal des Krankenhauses dazu gezwungen worden sei, die Einrichtung dem ukrainischen Militär zu überlassen, das sich dort in Stellung gebracht habe.

Das Vorgehen des ukrainischen Militärs wurde ebenfalls in einem Interview des Nachrichtenportals Lenta.ru vom Sohn einer Mitarbeiterin einer Entbindungsklinik, der sich als Igor vorgestellt haben soll, bestätigt. Ihm zufolge "kamen in den letzten Februartagen Soldaten in die Klinik. Das Militär schmiss das Personal raus und richtete in dem Gebäude Schützenpositionen ein." Unklar bleibt, ob die Rede von derselben Geburtsklinik ist, da das Portal weder den Namen der Einrichtung noch die Adresse nennt, die im Interview gefallen sein könnten.

Darüber hinaus berichteten Militärkorrespondenten mehrerer Medien jedoch:
"Seit Beginn der Militäroperation ist das Entbindungskrankenhaus von Mariupol von zwei Kompanien der 36. Marinebrigade besetzt. Alle Patienten und das Personal wurden in andere Einrichtungen verlegt oder nach Hause geschickt."

Noch am 5. März teilte das russische Verteidigungsministerium mit:

"Kämpfer der nationalistischen Bataillone Asow und Aidar beschießen DVR-Truppen in Mariupol von ihren Stellungen in Schulen, Krankenhäusern, Entbindungskliniken und Kindergärten aus."

Allgemein ist anzumerken, dass Moskau bereits mehrmals darauf hingewiesen hat, dass das ukrainische Militär sein Kriegsgerät und Positionen gezielt in Wohngebäuden oder Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern stationiere, um das Feuer der russischen Armee auf diese zivilen Einrichtungen zu lenken. Somit verwende Kiew seine Zivilbevölkerung als lebendige Schutzschilde.

Nutzer in den sozialen Netzwerken haben darauf hingewiesen, dass Ungereimtheiten in den online veröffentlichten Videos zu erkennen seien. Es wird unter anderem darauf hingewiesen, dass es viele Tote und Verletzte gegeben hätte, wenn eine Fliegerbombe im Hof eines angeblich solch betriebsamen Krankenhauses eingeschlagen wäre. Zudem bestehe kein Zweifel daran, dass die ukrainische Seite mindestens einen Teil der Opfer zur Schau gestellt hätte.

Die Explosion soll sich im Innenhof des Geburtskrankenhauses ereignet haben. Allerdings seien in den Videos nicht einmal Blutspuren von Opfern zu sehen, die von Glasscherben zerspringender Fensterscheiben hätten verletzt worden sein müssen.

Eine Twitter-Nutzerin weist unter anderem darauf hin, dass in einem Video, dass das angebliche Kriegsverbrechen aus dem Inneren des Gebäudes dokumentieren soll, ein Eimer mit einer roten Flüssigkeit zu sehen sei, von dem der Filmende versuche abzulenken, nachdem er den Behälter aus Versehen gefilmt habe.

Nach Angaben der ukrainischen Seite sollen 17 Menschen verletzt worden sein. Drei Personen, unter ihnen ein Kind, seien ums Leben gekommen. Bisher gab es keine Möglichkeit, diese Angaben unabhängig zu bestätigen.

Während einer Pressekonferenz auf dem Diplomatieforum in Antalya betonte der russische Außenminister Sergei Lawrow auf die Frage nach dem Vorfall Folgendes:

"Auf der Sitzung des UN-Sicherheitsrats hat unsere Delegation die Fakten präsentiert, dass diese Entbindungsklinik vor langer Zeit vom radikalen Asow-Bataillon übernommen wurde. Alle Frauen in der Geburtsklinik, alle Krankenschwestern und alle Betreuer wurden hinausgeworfen."

"Es war ein Stützpunkt des ultra-radikalen Asow-Bataillons. Diese Daten wurden vor drei Tagen vorgelegt. Sie können also Ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen, wie die öffentliche Meinung in der Welt manipuliert wird."

Während des Sondereinsatzes der russischen Streitkräfte in der Ukraine wütet im Internet ein noch nie dagewesener Informationskrieg, bei dem Unmengen an Fake News zum Einsatz kommen. Dabei werden auch Videos und Fotos aus anderen Krisengebieten wie zum Beispiel dem Syrienkonflikt verwendet.

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