Europa

Großbritannien: Unterernährung unter Tory-Regierung fast verdoppelt

Laut dem britischen Gesundheitsdienst NHS haben sich die Fälle von Unterernährung in Großbritannien in den zehn Jahren seit dem Regierungsantritt der Konservativen fast verdoppelt. Auch die Fälle von Skorbut nahmen im Vereinigten Königreich zu.
Großbritannien: Unterernährung unter Tory-Regierung fast verdoppeltQuelle: Gettyimages.ru © Bernd Schwabedissen

In den Jahren 2010/2011 mussten in Großbritannien 4.657 Menschen wegen Unterernährung im Krankenhaus behandelt werden. Zehn Jahre später waren es bereits 10.109. Aus der vom NHS erstellten Statistik geht überdies hervor, dass sich die Fälle von Skorbut, das durch einen Mangel an Vitamin C verursacht wird, verdoppelt haben – auch wenn die Zahlen relativ gesehen immer noch niedrig sind. Die Krankenhausbehandlungen infolge dieser Erkrankung stiegen von 82 in den Jahren 2010/11 auf 171 in den Jahren 2020/21.

Im gleichen Zeitraum gingen wiederum die Fälle von Rachitis – einer Erkrankung, die die Knochenentwicklung bei Kindern beeinträchtigt und oft durch einen Mangel an Kalzium oder Vitamin D verursacht wird – von 566 auf 391 zurück. Die Zahlen können ein Indikator für schlechte Ernährung mit unzureichendem Zugang zu Vitaminen und anderen Nährstoffen sein. Als Ursachen kämen jedoch auch physiologische Störungen, etwa bei der Fähigkeit, Nährstoffe normal zu absorbieren, oder andere Krankheiten, die die Fähigkeit des Patienten zur normalen Ernährung beeinträchtigen, in Betracht. In den Statistiken der NHS werden die Ursachen für die Mangelerscheinungen nicht aufgenommen.

Die Zahlen umfassen sowohl Personen, die erstmals wegen dieser Erkrankungen behandelt wurden, als auch solche, die zunächst aus einem anderen Grund ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Sie können auch Fälle enthalten, in denen ein und dieselbe Person mehr als einmal im Krankenhaus behandelt wurde. Fakt ist jedoch, dass in den zehn Jahren seit der Regierungsübernahme durch die Konservativen die Inanspruchnahme von Lebensmittelbanken Großbritannien extrem angestiegen ist.

Dunkelziffer könnte deutlich höher sein

In den Jahren 2009/2010, kurz vor dem Wahlsieg von David Cameron im Jahr 2010, stellte die Wohltätigkeitsorganisation Trussell Trust 40.898 Lebensmittelpakete für drei Tage bereit.
 2020/21 wurden dagegen etwa 2,5 Millionen Pakete ausgegeben. Das sind mehr 60-mal so viel. Die Wohltätigkeitsorganisation gab in einem Bericht an, dass die Hilfsleistungen allein 2020/21 um 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen sind, wobei 980.000 der Lebensmittelpakete an Kinder gingen. Im Vergleich zu vor fünf Jahren sei der Bedarf an Lebensmittelbanken in ihrem Netzwerk um 128 Prozent gestiegen, so die Organisation weiter.

Dabei zeigen diese Zahlen noch nicht einmal das ganze Ausmaß der Inanspruchnahme von Lebensmittelbanken in Großbritannien an, da sie nur die rund 1.300 der von der Wohltätigkeitsorganisation betriebenen Einrichtungen berücksichtigen und die Pakete, die von den über tausend weiteren Lebensmittelbanken ausgegeben werden, unberücksichtigt lassen.

Nach der Haushaltsverabschiedung der Johnson-Regierung im vergangenen Monat kritisierte Garry Lemon von Trussell Trust die Politik der Tories, insbesondere die Kürzung des Universal Credit (Sozialhilfe, Anm. d. Red) um 20 Pfund pro Woche. Diese ab dem 6. Oktober dieses Jahres wirksame Kürzung bezeichnete er als "verheerenden Schlag" für Millionen Menschen, die nun "vor unmöglichen Entscheidungen stehen und darum kämpfen müssen, Essen auf den Tisch zu bringen oder ihre Wohnungen zu heizen".

Er forderte dringende Investitionen in längerfristige lokale Sozialhilfe und "ein stärkeres Sozialversicherungssystem für alle, die es in diesem Winter und darüber hinaus brauchen". Die Konservativen haben die Kürzung der Leistungen verteidigt. Sie erklärten, die vorangegangene Erhöhung der Leistungen während der Coronavirus-Pandemie sei von vornherein als eine vorübergehende gedacht gewesen.

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