Europa

Die NATO übt in Südeuropa Atombombenabwürfe

Jedes Jahr gibt es das Manöver "Steadfast Noon". Dieses Jahr findet es über Südeuropa statt. Bis zu 50 Flugzeuge aus 14 Ländern üben den Abwurf von Atombomben. US-Atombomben, an denen diese Länder "teilhaben" dürfen. Deutsche Tornados aus Büchel sind auch wieder mit dabei.
Die NATO übt in Südeuropa AtombombenabwürfeQuelle: www.globallookpress.com © imago stock&people

"Standhafter Mittag", so heißt die jährliche NATO-Übung "Steadfast Noon" übersetzt, die heute über Südeuropa beginnt. Es ist das einzige Manöver, zu dem die NATO keine genaueren Informationen veröffentlicht. In der Erklärung der NATO selbst steht nur, dass die Übung eine Woche dauert und dass 14 Länder daran teilnehmen werden:

"Diese Übung hilft, zu gewährleisten, dass die nukleare Abschreckung der NATO sicher, geschützt und effektiv bleibt."

Ziel des Manövers ist es, den Abwurf von Atomwaffen zu üben. Aus Deutschland sind daran üblicherweise Tornados des Fliegerhorsts Büchel beteiligt, weil auch der Abwurf der im Rahmen der "nuklearen Teilhabe" dort gelagerten US-Atombomben mit geübt wird. Die Flüge selbst finden allerdings nach Aussage der NATO ohne Munition statt.

Davor wird an den Standorten geübt, die Atommunition aus den Bunkern zum Flugzeug zu transportieren und zu montieren. Die B-61-Gefechtsköpfe, die in Büchel gelagert sind, sollen demnächst durch B 61-12 ersetzt werden; aus diesem Grund wird Büchel gerade umgebaut. Die Kosten für den Umbau betragen 256 Millionen Euro; die neuen Bomben, die lenkbar und programmierbar sein sollen, sollen zehn Milliarden Euro kosten.

Dieser Teil des Manövers dürfte in Nörvenich, wohin die Flugzeuge aus Büchel während des Umbaus verlagert sind, bereits stattgefunden haben. Über die Flüge der Tornado-Piloten während des Manövers spöttelte das Netzwerk Friedenskooperative: "Die Tornado-Piloten der Bundeswehr müssen vor allem üben, nach den simulierten Abwürfen wieder schnell davonzufliegen, um den Folgen des Bombenabwurfs im Ernstfall entgehen zu können."

Kathrin Vogler, Bundestagsabgeordnete der Linken, hatte das Vorgängermanöver aus dem Jahr 2019 so kommentiert: "Die USA üben mit der Bundeswehr sowie niederländischen, italienischen und polnischen Streitkräften, wie man einen Atomkrieg in Europa führt. Käme es dazu, würden Millionen Menschen sterben und kein Stein bliebe auf dem anderen." Dieses Jahr forderte sie mit Verweis auf den UN-Vertrag für das Verbot von Atomwaffen, die Teilnahme der Bundeswehr abzusagen.

Im vergangenen Jahr, als der Schwerpunkt des Manövers in Deutschland lag, hatte die NATO erstmals die Existenz bestätigt. Damals hatte die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa erklärt, die NATO-Einrichtungen sollten ihre Möglichkeiten nutzen, um den Europäern klarzumachen, was da auf ihrem Gebiet geübt wird. "Sie könnten sogar ein paar Bilder und Grafiken und Computergrafiken zeigen, damit die Europäer eine bessere Vorstellung bekommen, welche Art von Angriffen da auf ihrem Gebiet geübt wird." Und auch sie übte grundsätzliche Kritik an der Durchführung dieser Manöver:

"Die US-Praxis von Übungen, die mit der Vorbereitung und Nutzung von Atomwaffen durch das Personal der Streitkräfte von Staaten einhergehen, die solche Waffen nicht besitzen, ist eine offene und schamlose Verletzung der Artikel 1 und 2 des Vertrags über die Nichtverbreitung von Atomwaffen, die die Tragfähigkeit dieses Vertrages ernstlich untergräbt."

Das Manöver mit bis zu 50 Flugzeugen wird noch eine Woche lang andauern.

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