Europa

Taliban und afghanische Regierungsvertreter trafen sich schon 2018 in Belgrad

Kontakte und Versuche, Friedensgespräche zu führen, gab es zwischen der prowestlichen Regierung Afghanistans und den Taliban schon vor einigen Jahren. Wie jetzt ans Tageslicht kommt, fanden die ersten Gespräche in Belgrad statt.
Taliban und afghanische Regierungsvertreter trafen sich schon 2018 in BelgradQuelle: AP © Patrick Semansky/Darko Vojinovic

von Marinko Učur, Belgrad

Geheimnis gelüftet. Wie erst jetzt bekannt wurde, fanden bereits im Jahr 2018 drei Gesprächsrunden zwischen Delegationen der afghanischen Regierung und der Taliban in der serbischen Hauptstadt Belgrad statt. Das Gesprächsformat wurde später nach Katar und in einige andere große Hauptstädte verlegt.

Diese lange streng gehütete Information enthüllte Ivica Dačić, Präsident des serbischen Parlaments und zu jener Zeit Außenminister Serbiens, jetzt den Medien.

Alle diese Verhandlungen in der Diplomatenvilla am Belgrader Boulevard Aleksandar Karađorđevića Nr. 26 fanden mit Zustimmung des serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić statt.

Die serbische Öffentlichkeit ist nun ziemlich verblüfft, dass Belgrad eine solche Vermittlungsrolle im innerafghanischen Konflikt angenommen hatte. Allerdings: So sehr auf Geheimhaltung bestanden und geachtet wurde, wussten die Regierungen wichtiger Staaten ebenso wie die in Belgrad akkreditierten Botschafter, dass diese Kontakte bestanden.

 Warum Belgrad, nicht Genf, Wien, Moskau, Washington ...

Warum Belgrad? - fragt sich die serbische Öffentlichkeit und erinnert daran, dass die prowestliche afghanische Regierung auf Drängen ihrer amerikanischen Unterstützer zu den Ersten gehörte, die die selbsternannte Unabhängigkeit der serbischen Provinz Kosovo anerkannte.

Dies wurde natürlich zu jener Zeit mit Enttäuschung aufgenommen, obwohl Belgrad sich bewusst ist, dass die Anerkennung unter westlichem Druck erfolgte.

Die Regierung in Serbien rechtfertigt sich damit, dass sie bei den Verhandlungen kein Vermittler war, sondern nur logistische Unterstützung leistete und Räumlichkeiten für die Meetings zur Verfügung stellte. Sie verpflichtete sich jedoch, bis heute, also zu der Phase, in der die Krise in Afghanistan zu ihrem Ende kommt, nicht öffentlich darüber zu sprechen. Außerdem betont Belgrad, dass die Anfrage damals von afghanischer Seite kam und Serbien als neutrales Land gewählt wurde. Der afghanische Friedensrat wandte sich zunächst an den Belgrader Zweig der Organisation "East West Bridge" und bestand auf Verhandlungen in Serbien, "weil Serbien weder im Osten noch im Westen liegt".

Ein Detail in dieser Geschichte ist besonders interessant und wurde von Ivica Dačić in einem Statement für die Belgrader Tageszeitung Blic mitgeteilt:

"Am Tag nach einem solchen Treffen besuchte uns in unseren Räumlichkeiten der russische Chefdiplomat Sergei Lawrow. In solchen Fällen werden immer bestimmte Sicherheitskontrollen vorgenommen, einschließlich Prüfung zwecks Bekämpfung einer möglichen Diversion. Es geschah, dass ein Polizeihund zum Aufspüren von Sprengstoffen etwas an einem Stuhl gewittert hat, der sofort zur gerichtsmedizinischen Untersuchung geschickt wurde. Es wurde festgestellt, dass auf ihm einige Schießpulverpartikel oder explosive Partikel vorhanden waren. Und auf diesem Platz saß einer der Unterhändler der Rebellen, der Taliban. "Das bedeutet, dass sie direkt von der Front zu den Verhandlungen nach Belgrad gekommen sind", sagte Dačić.

Diese Art von Kontaktaufnahme zwischen den Taliban-Fraktionen und der Regierung in Kabul wurde später von den Großmächten übernommen, da sie erkannten, dass sie davon politisch profitieren könnten. Die Gespräche wurden nach Doha, der Hauptstadt von Katar, verlegt.

Zu Anfang hatte es zwar Vorstellungen gegeben, dass die fernöstlichen Länder Malaysia oder Indonesien die Vermittler in den Afghanistan-Gesprächen sein würden, dennoch wurde für den Beginn die serbische Hauptstadt gewählt. Danach trafen sich die Taliban sowohl in Moskau als auch in Peking mit der prowestlichen afghanischen Regierung und unterzeichneten mehrere praktisch bis heute gültige Abkommen mit den Amerikanern, so dass Belgrad zufrieden sein kann, ein verlässlicher Gastgeber in einem Konflikt gewesen zu sein, in dem der Westen nach 20 Jahren den Kürzeren gezogen hat.

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