Europa

Schweden: Keine Corona-Impfung für Unter-16-Jährige

Ein schwedischer Virusexperte fordert die Impfung von Kindern ab zwölf Jahren, sonst müsse gegebenenfalls der Präsenzunterricht für diese Altersgruppe ausgesetzt werden. Die schwedische Gesundheitsbehörde will die Entwicklungen abwarten und noch keine Empfehlung aussprechen.
Schweden: Keine Corona-Impfung für Unter-16-JährigeQuelle: www.globallookpress.com © Annette Riedl

In Schweden gehen die Sommerferien zu Ende. Der Schulalltag wird im Normalbetrieb weiterlaufen. Im Zuge der Pandemie blieben die Restriktionen in Schweden überschaubar. Nur die Klassen der Oberstufen mussten zeitweise auf Online-Unterricht umstellen. Eine Maskenpflicht für Schüler gab es nicht. Zu groß ist die Sorge vor einer falschen Anwendung des Mund-Nasen-Schutzes. Zwischenzeitlich hatte die Regierung Freizeitaktivitäten für Kinder unterbrochen, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen. Dann aber wurde entschieden, dass Kinder ein Anrecht auf Sport und Kultur haben.

Rund 80 Prozent der schwedischen Bürger über 16 Jahren sind mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft worden. Etwa 57 Prozent haben bereits zwei Impfdosen erhalten. Die Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten rät jedoch weiterhin davon ab, Jüngere zu impfen. Ein Impfangebot für die Altersgruppe von zwölf bis 15 Jahren gibt es bisher nicht. Die Gesundheitsbehörde teilt auf ihrer Webseite mit, man beobachte das Geschehen, auch wenn die Impfstoffe eine gute Wirkung zeigten.

In anderen Ländern wie Deutschland werden Kinder ab zwölf Jahren gegen das Virus geimpft. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hatte im Mai den Impfstoff des Herstellers BioNTech für die Minderjährigen freigegeben. Anschließend folgte die Freigabe von Modernas Spikevax.

In Schweden ist man angesichts schlechter Erfahrungen mit Impfungen gegen die Schweinegrippe vorsichtig mit Impfangeboten für Kinder geworden. Durch die Schweinegrippeimpfungen stieg bei Kindern in Schweden die Wahrscheinlichkeit enorm, an Narkolepsie zu erkranken. Stattdessen will man abwarten, welche Auswirkungen die Delta-Variante haben wird und wie sehr sich diese nach den Schulferien ausbreitet. Nur Zwölfjährige, die zu einer Risikogruppe gehören, werden bislang gegen das Virus geimpft.

Wie Deutschland hatte auch Schweden damit begonnen, zunächst die Ältesten und Personen aus Risikogruppen zu impfen. Schrittweise wurde das Impfangebot auf Jüngere ausgeweitet. Jetzt können Bürger ab 16 Jahren ihre Impfung buchen.

Der schwedische Virusexperte Matti Sällberg ist dennoch davon überzeugt, dass die Gesundheitsbehörde bald umschwenken und Ländern wie Deutschland folgen wird. Dem schwedischen Sender SVT Nyheter teilte er mit: 

"Entscheidend wird sein, wie die Ausbreitung der Infektion aussieht. Zwölfjährige und die darüber sind in der Gesellschaft mobiler als jüngere Kinder und mehr in der Gesellschaft unterwegs, wo sie sich sowohl selbst anstecken als auch andere anstecken können."

Zwar erklärt Sällberg, dass die meisten Kinder nur leicht an COVID-19 erkranken und die meisten Verläufe asymptomatisch sind. Aber es gebe schließlich auch noch die, die schwer krank würden. Eine Impfung würde andere Kinder schützen. Die Impfung für die Zwölfjährigen werde kommen, sobald genügend Impfstoff da sei:

"Die Tatsache, dass das schwedische Gesundheitsamt seine Entscheidung noch nicht geändert hat, ist darauf zurückzuführen, dass es immer noch ein begrenztes Angebot an Impfstoffen und Ressourcen gibt. Daher wartet man mit der Einführung der Maßnahme, bis die Ausbreitung der Infektion zeigt, dass sie wirklich gebraucht wird." 

Oder man müsse bei steigender Zahl von Testpositiven in der Altersgruppe der Zwölf- bis 15-Jährigen auf Online-Unterricht umstellen. Nebenwirkungen bei Kindern seien schließlich nicht bekannt, so der Virusexperte. Eine Impfung böte gerade bei den Minderjährigen einen 100-Prozentigen Schutz vor einer Infektion. 

Der schwedischen Corona-Statistik nach sind seit Beginn der Pandemie 14.658 Personen an oder mit dem Coronavirus verstorben. Am 12. August gab es keine Berichte über neue Todesfälle. Insgesamt kamen seit Mittwoch 1.055 neu gemeldete Corona-Fälle hinzu. Derzeit müssen 31 Personen wegen des Virus intensivmedizinisch behandelt werden.

Das Nachbarland Finnland erlässt derweil neue Restriktionen, um die Ausbreitung der Delta-Variante zu bremsen. Diese treten am 20. August in Kraft und bleiben bis 12. September bestehen. Dann dürfen sich nicht mehr als 25 Personen in Innenräumen treffen.

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