Europa

"Diskriminierung" - Gehörlose Frau gewinnt Rechtsstreit gegen britische Regierung

Eine gehörlose Frau hat einen Prozess gegen die britische Regierung gewonnen, nachdem diese bei ihren COVID-Pressekonferenzen im vergangenen Jahr keine Gebärdensprachdolmetscher zur Verfügung gestellt hatte. Der Richter bewertete dies als Diskriminierung.
"Diskriminierung" - Gehörlose Frau gewinnt Rechtsstreit gegen britische RegierungQuelle: AFP © Alberto PIZZOLI / POOL

Ein Richter in London hat am Mittwoch zugunsten der gehörlosen Klägerin Katie Rowley entschieden. Er stellte fest, dass das Fehlen eines Dolmetschers für die britische Gebärdensprache bei zwei Informationsveranstaltungen der britischen Regierung zum Thema Coronavirus am 21. September und 12. Oktober 2020 eine Diskriminierung dargestellt und gegen die Verpflichtung zu "angemessenen Anpassungen" verstoßen hatte.

Das Urteil erweist sich als ein positives Ergebnis, nachdem Minister und der Anwalt des Kabinettsbüros erklärt hatten, dass der Fall abgewiesen werden sollte, da Rowleys Forderung auf "Schadenersatz für verletzte Gefühle" kein Gewicht haben würde.

Rowley reichte Klage ein, da sie die während der Pressekonferenzen präsentierten Corona-Informationen für England nicht verstehen konnte, weil weder ein Dolmetscher anwesend war noch auf dem Bildschirm Texte eingeblendet wurden. Dies habe bei ihr großen Stress verursacht, so Rowley. Bei den COVID-Pressekonferenzen für Wales, Nordirland und Schottland waren hingegen Dolmetscher für die britische Gebärdensprache anwesend.

Noch ist die genaue Höhe der Entschädigung nicht bekannt, der Schadenersatz soll vor einem Ortsgericht verhandelt werden. Rowleys Anwalt unterstützt 350 weitere Gehörlose, die sich in ähnlicher Weise über das Fehlen eines entsprechenden Dolmetschers beschwert haben.

Bereits zuvor war die britische Regierung in die Kritik geraten, weil sie bei ihren COVID-Pressekonferenzen keine Gebärdensprachdolmetscher zur Verfügung gestellt hatte. Nach einer der ersten Informationsveranstaltungen zum Coronavirus im März 2020 rief eine gehörlose Frau den Hashtag #WhereIsTheInterpreter? ins Leben.

Das britische Gleichstellungsgesetz von 2010 schreibt vor, dass angemessene Anpassungen vorgenommen werden, um Unannehmlichkeiten zu mildern, die aufgrund einer Behinderung auftreten können. Eine Unterlassung gilt als "ungesetzliche Diskriminierung".

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