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Ukraine: Monument zum Sieg über den Faschismus abgerissen – Nationalisten triumphieren

Wie die Erinnerung an die Befreiung von der Nazi-Herrschaft aus dem Gedächtnis getilgt werden kann, haben die örtlichen Behörden im westukrainischen Lwow gezeigt. Am Freitag haben Arbeiter die letzten Teile des großen Denkmalkomplexes aus der Sowjetzeit abgerissen.
Ukraine: Monument zum Sieg über den Faschismus abgerissen – Nationalisten triumphierenQuelle: Sputnik

Die letzten Teile des Sowjetdenkmals "Monument des Ruhms" sind im westukrainischen Lwow am Freitag abgerissen und weggeschafft worden. Der dreiteilige Denkmalkomplex aus einer Stele, einem Basrelief und einer Figurengruppe ist damit Geschichte. Es wurde Anfang der 1970er-Jahre von ukrainischen Bildhauern und Architekten entworfen und im Waggonreparaturwerk Lwow (deutsch: Lemberg) gegossen.

Vor drei Jahren erklärten die örtlichen Behörden das Denkmal für baufällig und beschlossen es abzureißen. Dabei lief die Demontage in drei Etappen. Die 30 Meter hohe Stele war bereits im März 2019 abgerissen worden, die Flachreliefs mit sowjetischen Soldaten und auf sie wartenden Zivilisten im Hinterland wurden im Juni von den Arbeitern mit Meißeln zerstört. Auch zuvor waren Teile des Denkmals von randalierenden "Aktivisten" mehrmals geschändet worden. Am Freitag demontierte eine Arbeiterbrigade die Reste des Denkmals – die Skulpturengruppe "Mutter Heimat und Soldat".

Sie wurde auf Lastwagen verladen und in ein "Museum" – das sogenannte "Territorium des Terrors" – gebracht, wo die sowjetischen Symbole aufbewahrt werden. Die Nationalisten freuten sich über den endgültigen Abriss des Denkmals und dankten den örtlichen Behörden für die "Hilfe". Die Aktivisten des Vereins "Gesellschaft des Lwow der Zukunft" sendete eine Liveübertragung vom Ort des Geschehens: Das Video ist unter dem Titel "Demontage des Denkmals für die Besatzer" auf Facebook verfügbar.

Einer der Initiatoren der Demontage, der Abgeordnete der nationalistischen Partei "Stimme" Igor Scholtis, postete ebenfalls auf Facebook einen jubelnden Kommentar:

"Es ist ein halbes Jahr her, dass meine Mitstreiter von 'Zukunft Lwow' und ich uns eine klare Aufgabe gestellt haben – das blutige Erbe der Moskauer Besatzer in Lwow zu beseitigen. Von unserem ersten Treffen an konnten Anton Petrowski und ich eine gemeinsame Basis mit Andrei Moskalenko und anderen Vertretern der Exekutive finden und den schwierigen Prozess der Demontage beginnen. Heute hat jeder Lwower Bürger die Möglichkeit zu sehen, wie das Denkmal der roten Invasoren seinem Untergang entgegengeht und in Vergessenheit gerät. Künftig werden ukrainische Soldaten der Akademie der Landstreitkräfte des Nationalen Hetman Petro Sagaidachny (gegenüberliegend – Anm. d. Red.) über dieses Territorium gehen und stolz auf den neu geschaffenen Platz der ukrainischen Verteidiger blicken."

Laut dem Nachrichtenportal strana.ua soll anstelle des Denkmals eine Gedenkstätte für das ukrainische Militär, das am Donbass-Krieg beteiligt war, errichtet werden. Journalisten sprachen mit einigen Einwohnern der Stadt, die sich kritisch über den Abriss äußerten.

"Und ich erinnere mich, wie das Denkmal enthüllt wurde (im Jahre 1971). Ich war etwa sieben Jahre alt, wir kamen mit meinem Vater, der Platz war voller Menschen. Damals machten sie noch Witze – sie sagten, die Stiefel des Soldaten seien zu eng, sie würden sie wechseln", erinnerte sich eine Dame.

"Nehmen Sie sich ein Beispiel an zivilisierten Ländern wie Deutschland: Es gibt auch Baudenkmäler, die mit der UdSSR und anderen Ländern verbunden sind, die ihre Spuren hinterlassen haben. Damit erzeugt man mehr Hass gegeneinander", meinte ein älterer Herr.

Der ukrainische Publizist Andrei Mantschuk sieht in der Demontage des Denkmals ein weiteres Zeichen für die Politik des Geschichtsrevisionismus in der Ukraine nach dem gelungenen Staatsstreich auf dem Kiewer Maidan im Jahr 2014. Er weist darauf hin, dass die Vandalen schon früh nach dem Maidan begonnen haben, das Denkmal zu schänden.

"Seinen Gipfel hatte das im April dieses Jahres erreicht, als eine Gruppe rechtsextremen Aktivisten das Ruhmesdenkmal öffentlich vor den versammelten Journalisten und der gewohnt untätigen Polizei angriffen hatten. Sie hatten mit Vorschlaghämmern auf die Inschrift 'Den Siegern des Nationalsozialismus' eingeschlagen und anstelle der Bronzebuchstaben 'Denkmal für die Besatzer' geschrieben. Die Stadtverwaltung beschloss daraufhin offiziell, das Denkmal abzureißen", schreibt Mantschuk. Dabei zitiert er den ehemaligen Direktor des ukrainischen Instituts für Nationales Gedächtnis Wladimir Wjatrowitsch:

"Menschen, die dieses Denkmal demontieren wollen, haben natürlich das Recht dazu. Es kann einfach eine öffentliche Initiative sein, eine Entscheidung der lokalen Gemeinschaft, dass ein solches Denkmal von den Bewohnern der Stadt nicht gemocht wird."

Mantschuk weist darauf hin, dass viele Ukrainer sich zu Recht daran erinnern, dass in der Nähe des Denkmals mehrere Tausend Leichname der bei der Befreiung von Lwow gefallenen Helden begraben sind, die die schöne mittelalterliche Stadt vor der Zerstörung gerettet haben, indem sie Hitlers Truppen, darunter die SS-Division "Galizien", besiegten.

Der kritische Journalist empört sich in seinem Artikel auf der in der Ukraine verbotenen Webseite Ukraine.ru: "Dies ist kein 'Denkmal für die Besatzer', sondern ein Denkmal für diejenigen, die Hitlers Besatzung der Ukraine beendet haben. Die Zerstörung von Denkmälern für sowjetische Soldaten vor dem Hintergrund der Errichtung von Denkmälern für dieselbe lokale SS ist ein weiterer Meilenstein in der Politik des Geschichtsrevisionismus, die nun von den ukrainischen Behörden offen gefördert wird." Rhetorisch fügte er hinzu:

"Aber sollten wir von diesem Ereignis im siebten Jahr nach dem Euromaidan-Sieg überrascht sein?"

Der Abriss des Denkmals scheint nicht der einzige "Erfolg" der Aktivisten zu sein. Wie der Verein "Lwow der Zukunft" letzte Woche mitteilte, habe die Organisation bei den örtlichen Behörden nun die Demontage des Sowjetischen Siegessterns an der Ewigen Flamme auf dem Marsfeld erwirkt. "Wir werden den Fortschritt dieses Prozesses genau beobachten. Wir setzen fort, Lwow zu dekommunisieren und zu derussifizieren", schrieben die Aktivisten auf ihrer Facebook-Seite:

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