Europa

Waffen im Privatbesitz: Westbalkanländer an der Spitze Europas

Die Menschen in den Westbalkanländern sollen laut einem Bericht innerhalb Europas die meisten privaten Waffen besitzen. Obwohl die Kriege schon seit Jahrzehnten vorbei sind, gehen Analysten davon aus, dass noch reichlich illegale Waffen in den Privathaushalten lagern.
Waffen im Privatbesitz: Westbalkanländer an der Spitze EuropasQuelle: AFP © Elvis Barukcic

In einem Bericht der Organisation "World Population Review" führen Serbien und Montenegro die Liste europäischer Staaten mit den meisten Feuerwaffen pro 100 Einwohner an. Demnach verfügt mehr als jeder Dritte in jedem der beiden Balkanstaaten über eine Waffe. Genauer gesagt: 39,1 pro 100 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland seien es 19,6 pro 100 Einwohner.

Auch Bosnien-Herzegowina ist ziemlich weit vorne – auf Platz 6 im europäischen Vergleich. In dem Land, in dem Anfang der 90er-Jahre ein Bürgerkrieg wütete, sind heute 31,2 Waffen pro 100 Einwohner registriert. 

Im weltweiten Vergleich belegen Serbien und Montenegro Platz 5 und 6, während Bosnien-Herzegowina auf dem 13. Rang landet. In absoluten Zahlen betrachtet seien in Serbien insgesamt 2.719.000 Waffen registriert, in Montenegro 245.000 und in Bosnien-Herzegowina 1.185.000.

Bei den Zahlen handelt es sich jedoch nur um legal registrierte Feuerwaffen im Privatbesitz. Dazu werden auch Sport- und Jagdwaffen gezählt. Die Analysten auf dem Westbalkan gehen allerdings von einer viel größeren Zahl von Pistolen oder Gewehren aus, die bislang weiterhin in den Haushalten gelagert werden, bei den Behörden aber nicht aktenkundig sind. Während der jugoslawischen Unabhängigkeitskriege gelangten massenweise Waffen in Umlauf, weshalb die Dunkelziffer heute noch weitaus höher sein dürfte.

Armin Kržalić, ein Experte für Sicherheitsfragen aus Bosnien-Herzegowina, bestätigte dies dem Webportal BUKA. Anhand aller Untersuchungen, an denen auch er mitgewirkt habe, kann man laut Kržalić mit Sicherheit sagen, dass die Zahl illegaler Waffen im Privatbesitz in Bosnien-Herzegowina erheblich höher ist. Auch in den anderen Ländern der Region dürfte die Situation ähnlich sein, fügte der Experte hinzu.

Eines der Hautmotive für illegale Pistolen oder Gewehre in privaten Haushalten im Westbalkan ist laut Kržalić die Angst vor einem neuen Konflikt beziehungsweise Krieg. Ein weiterer Grund könnte das fehlende Vertrauen in die Institutionen des jeweiligen Landes darstellen, was besorgniserregend sei.

Zoran Dragišić, Professor an der Fakultät für Sicherheitsfragen in Belgrad, erklärte serbischen Medien, dass die Schätzungen über die Dunkelziffer stark variierten. Einige gingen gar von einer Million illegaler Waffen in Serbien aus, was er jedoch für übertrieben halte. Seiner Meinung nach handelt es sich bei den illegal gehaltenen Stücken vor allem um Sturmgewehre oder Granaten, die noch aus den Kriegen stammen.

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