Europa

"Reuiger Deutscher oder Erbe der Nazis?" – Lukaschenko attackiert Maas wegen Sanktionen

An einer Gedenkfeier anlässlich des 80. Jahrestags des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion kritisierte der weißrussische Präsident Lukaschenko Deutschland scharf für die Verhängung neuer Sanktionen. Seiner Meinung nach beteiligt es sich an einer kollektiven Verschwörung.
"Reuiger Deutscher oder Erbe der Nazis?" – Lukaschenko attackiert Maas wegen SanktionenQuelle: Sputnik © Wiktor Tolotschko

Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hat Deutschland wegen neuer Sanktionen des Westens gegen Weißrussland scharf kritisiert. Am Dienstag sagte er bei einer Gedenkfeier zum 80. Jahrestag des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion:

"Was wir nicht erwartet haben, ist, dass auch Deutschland an dieser kollektiven Verschwörung teilnimmt. Das haben wir nicht von jenen erwartet, deren Vorfahren jeden dritten Weißrussen umgebracht haben."

Lukaschenko nannte den Zeitpunkt der Sanktionsentscheidung am Vorabend des 80. Jahrestages des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion symbolisch. Er erklärte: "Achtzig Jahre sind vergangen, und jetzt? Was ist das? Ein neuer heißer Krieg?"

Scharf kritisierte der weißrussische Präsident auch Bundesaußenminister Heiko Maas, der zuvor gesagt hatte, Wirtschaftssanktionen würden Weißrussland "empfindlich treffen". Lukaschenko wandte sich an Maas und sagte: "Wer sind Sie? Ein reuiger Deutscher oder der Erbe der Nazis?"

Lukaschenko bezog sich auf den Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 , in dessen Folge schätzungsweise 27 Millionen Sowjetbürger starben, darunter 14 Millionen Zivilisten.

Hintergrund der Äußerung von Lukaschenko war die Entscheidung westlicher Länder, neue Sanktionen gegen Weißrussland zu verhängen. Am Montag hatten EU-Länder, die USA, Kanada und Großbritannien Einreise- und Vermögenssperren gegen den Verteidigungs- und den Verkehrsminister von Weißrussland verhängt. Insgesamt sind mehrere Dutzend Personen und Einrichtungen von den Strafmaßnahmen betroffen. Zudem brachten die EU-Außenminister weitreichende Wirtschaftssanktionen auf den Weg.

Das weißrussische Verteidigungsministerium bezeichnete die Sanktionen als "willkürliche, zerstörerische Aktionen". Das Ministerium erklärte zudem, es werde alles tun, um weißrussische Bürger und Unternehmen zu schützen und die Sanktionen wirkungslos zu machen.

Auslöser der jüngsten Sanktionen war die Umleitung eines Ryanair-Flugzeugs nach Minsk, das von Athen nach Vilnius unterwegs war. Begründet wurde die Notlandung in der weißrussischen Hauptstadt mit einer Bombendrohung, die sich später als falsch erwies, in der weißrussischen Hauptstadt notlanden müssen. Im Flugzeug befand sich der oppositionelle Blogger Roman Protassewitsch, der nach der Landung in Minsk festgenommen wurde. Die weißrussischen behörden werfen ihm die Organisation von Massenunruhen sowie Hetze gegen Staatsbeamte und Polizisten vor. Dafür könnten ihm bis zu 15 Jahre Haft drohen.

Mehr zum Thema - "Ich fühle mich hier am sichersten": Protassewitschs unerwarteter Auftritt sorgt für Kritik

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