Europa

Ukrainischer Vereinspräsident: Freibier für jedes Tor gegen Russland

Ein Fan-Festival im westukrainischen Lwow lockt Besucher mit einer "patriotischen" Werbeaktion – für Tore gegen russische Mannschaft schenken die Veranstalter reichlich Freibier aus. Bei größeren Niederlagen der Russen gibt es dreifaches Bonus.
Ukrainischer Vereinspräsident: Freibier für jedes Tor gegen Russland© Screenshot Yuutube Ruh

Erst seit wenigen Jahren spielt der FC Ruch Lwow in der ukrainischen Premier-Liga. Der Erfolg des einstigen Amateur-Fußballvereins aus der westukrainischen Stadt ist im Wesentlichen dem Unternehmer, Abgeordneten des Stadtrats und Mäzen Grigori Koslowski zu verdanken. Als Vereinspräsident hat der 50-Jährige es mit ausgeklügelten Marketing-Maßnahmen geschafft, den FC Ruch auch über die Region hinaus bekannt zu machen. Nun wirbt er als Mitveranstalter der Fan-Zone "Lviv Fan Festival" zu Beginn der Europameisterschaft 2020 (so der offizielle Titel trotz der Verschiebung) mit einer Freibier-Aktion für "patriotisches" Mitfiebern.

Am Freitag teilte das "Lviv Fan Festival" auf seiner Instagram-Seite mit, dass im Spiel Russlands gegen Belgien am 12. Juni (21 Uhr) für jedes Tor der Belgier 100 Gläser Freibier ausgeschenkt werden. Am Samstag legte Koslowski nach und erklärte in einem Interview zum Auftakt der Aktion, dass ab dem dritten Tor die Prämie verdreifacht wird. "Lasst hier das Bier fließen wie einen Fluss!", wünscht sich der Vereinspräsident in der Reportage, die auf dem YouTube-Kanal des Vereins veröffentlicht wurde. 

Sollte Russland in der Gruppenphase scheitern und damit das Achtelfinale nicht erreichen, wird seine Frau, die Sängerin Julia Dumanskaja, für die Fans ein kostenloses Konzert geben, fügte der sichtlich gut gelaunte Mäzen hinzu. "Ich denke, bei Spielen der Moskali (abschätzige Bezeichnung für Russen – Anm. der Red.) gegen die anderen Nationalmannschaften werden hier alle Plätze ausgebucht sein", prophezeite er.

"Mich freut es sehr, dass Fußball unsere ganze Nation vereinigt hat, insbesondere im Kampf gegen einen solch verhassten und blutrünstigen Aggressor. Nichts vereinigt die Menschen wie eine gute Gesellschaft, Liebe zum Fußball und Hass auf den Feind", sagte Koslowski.

In der Ukraine wird Russland per Gesetz als "Aggressor"-Staat bezeichnet. Großen Teilen der ukrainischen Gesellschaft, insbesondere in der Westukraine, gilt der schwelende Bürgerkrieg in der Ostukraine als Invasion Russlands und der Beitritt der Krim zur Russischen Föderation infolge eines Referendums als "russische Okkupation". Der bewaffnete Staatsstreich im Februar 2014 in Kiew wird dagegen als "Revolution der Würde" bezeichnet.

Die Äußerungen des ukrainischen Fußball-Funktionärs riefen in Russland Kritik hervor. "Es ist bedauerlich zu hören, wie sich auf ukrainischem Territorium russophobe Stimmungen entwickeln. Wir hatten immer ein brüderliches Verhältnis zu diesem Land und diesem Volk. Ich hoffe, dass die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung damit nichts zu tun hat", sagte der Abgeordnete der Staatsduma Dmitri Swischtschew dem russischen Portal Sport-Express.

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